5 Erkenntnisse aus Werders Unentschieden in Leverkusen

Zwei Bremer bekamen gegen Bayer 04 zwar deutliche Probleme, doch am Ende reichte es trotzdem zu einem Punkt. Vor allem, weil Werder offensiv zu einem simplen Mittel griff.

Josh Sargent grätscht nach einem Freistoß von Ludwig Augustinsson in dessen Flanke. Den Ball erreicht er dabei nicht.
Standards waren für Werder in Leverkusen ein probates Mittel. Hier verpasste Josh Sargent einen Freistoß von Ludwig Augustinsson nur knapp. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

1 Pragmatismus bringt Punkte

Nach dem mauen Auftritt beim 0:2 gegen Union Berlin war im Vorfeld schon eine große Portion Optimismus nötig, um Werder einen Punktgewinn beim Topteam aus Leverkusen zuzutrauen. Doch die Bremer machten es – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – clever. Die höhere individuelle Qualität des Gegners erkannte Werder im Vorhinein an. Auf einen offenen Schlagabtausch ließ sich die Elf von Coach Florian Kohfeldt daher gar nicht erst ein.

Stattdessen setzte Werder pragmatisch auf eine stabile Defensive, um Bayer 04 den Zahn zu ziehen. Nur 32 Prozent Ballbesitz konnten die Bremer am Ende für sich verbuchen. "Das mussten wir leider akzeptieren", so Kohfeldt. Viel wichtiger war aber der eine Punkt, den Werder dank der stabilen Defensive aus dem Rheinland entführen konnte. Schön anzusehen war es nicht – am Ende aber eben erfolgreich.

2 Chong erfüllt die Erwartungen nicht

Tahith Chong verliert einen Zweikampf gegen Leverkusens Edmund Tapsoba.
Tahith Chong konnte sich in Leverkusen nicht in Szene setzen. Nach 60 Minuten wechselte Florian Kohfeldt den Niederländer aus. Bild: Imago | Uwe Kraft

Der Plan mit Tahith Chong war am Samstag in Leverkusen klar. Aus einer stabilen Defensive heraus wollten die Bremer mit dem pfeilschnellen Niederländer immer wieder Nadelstiche setzen. Und tatsächlich war Chong am Ende mit einem Höchsttempo von 33,48 km/h der schnellste Akteur auf dem Platz. Zielführend konnte er sein Tempo aber nicht einsetzen. Chong blieb – abermals – blass. "Er muss noch lernen, seine Geschwindigkeit für die Mannschaft gewinnbringender einzubringen", hieß es dazu von Kohfeldt.

In Anbetracht der defensiven Mängel und der fehlenden Zielstrebigkeit in der Offensive ist Chongs Ertrag bei seinen Einsätzen einfach zu gering. Nachvollziehbar, dass Kohfeldt ihn am Samstag bereits nach 60 Minuten vom Platz holte. Gelohnt hat sich die einjährige Leihe von Manchester United bisher für keinen der Beteiligten.

3 Standards sind der Schlüssel

Aus dem Spiel heraus ging bei Werder gegen dominierende Leverkusener kaum etwas nach vorne. Daher müssen Teams wie die Bremer schauen, mit welchen Mitteln aus ihrem Werkzeugkasten sie dem Gegner trotzdem wehtun können. Und Standards sind dabei ein äußerst probates Mittel. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld brachte Ömer Toprak Werder in der 52. Minute in Führung. Bereits zuvor fehlte Josh Sargent nach einem Augustinsson-Freistoß nur eine Fußlänge zum 1:0 (27. Minute).

4 Mbom ist bei hoher Intensität noch zu schnell überfordert

Jean-Manuel Mbom kam im zentralen Mittelfeld zum Einsatz und machte insgesamt einen ordentlichen Job. Deutlich zu sehen war allerdings auch, dass der U21-Nationalspieler Probleme bekam, nachdem die Leverkusener nach dem Rückstand das Tempo anzogen. Für ein hartes Foul gegen Patrik Schick sah Mbom in der 88. Minute völlig zurecht die Gelbe Karte.

Jean Manuel Mbom grätscht bei einem Zweikampf mit Leverkusens Patrik Schick.
Als Bayer 04 das Tempo anzog, wirkte Jean Manuel Mbom überfordert. Glück hatte er, als nach einem Handspiel im Strafraum in der Nachspielzeit der Elfmeterpfiff ausblieb. Bild: Imago | Uwe Kraft

Bereits zuvor hatte er Glück, dass Schiedsrichter Benjamin Cortus einen Check gegen Nadiem Amiri kurz vor der Strafraumgrenze übersah. Ansonsten hätte es eine lukrative Freistoßsituation für die Leverkusener gegeben. Sein Handspiel nach einem Eckball in der Nachspielzeit hätte zudem einen Strafstoß nach sich ziehen müssen. Zu deutlich spielte Mbom den Ball mit dem ausgestreckten Arm.

5 Die Konkurrenz lässt sich nicht abschütteln

Ein Unentschieden in Leverkusen ist für Werder sicherlich ein gutes Ergebnis. Als Befreiungsschlag im Abstiegskampf dient dieser Punktgewinn allerdings nicht – obwohl die Bremer sich von Platz 14 auf Rang 13 vorschieben konnten. Wie vor dem Spiel beträgt der Vorsprung auf Relegationsrang 16 vier Punkte.

Die auf Rang 17 liegenden Schalker haben mit dem 4:0-Sieg im zweiten Spiel unter ihrem neuen Trainer Christian Gross gezeigt, dass sie nicht zu schnell abgeschrieben werden sollten. Die zuvor auf Rang 16 liegenden Bielefelder konnten sich mit einem etwas überraschenden 1:0-Erfolg gegen Hertha BSC zudem auf Platz 15 vorschieben. Im Tabellenkeller bleibt es somit eng.

Werder-Coach Kohfeldt: "Wäre noch mehr möglich gewesen"

Video vom 9. Januar 2021
Florian Kohfeldt bei der Pressekonferenz nach dem Spiel bei Bayer Leverkusen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 9. Januar 2021, 19 Uhr