Mentalität statt Taktik: Werder setzt auf den Pokal-Faktor

Im Abstiegskampf wird die Luft für die formschwachen Bremer immer dünner. Werder erklärt daher die drei ausstehenden Ligapartien kurzerhand zu "Pokalspielen".

Mehrere Werder-Spieler bilden eine Mauer und springen hoch.
Wenn schon nicht das Ergebnis, so stimmte zumindest er Einsatz, den die Bremer im Pokal-Halbfinale gegen Leipzig zeigten. Bild: Imago | Joachim Sielski

Spätestens seit Donnerstagabend dürfte auch dem letzten grün-weißen Optimisten klar sein: Werder steht das Wasser bis zum Hals. Denn nach dem 3:0-Sieg von Hertha BSC im Nachholspiel gegen Freiburg finden sich die Bremer kurz vor Saisonende auf dem 15. Tabellenplatz wieder. Über dem Strich zwar, aber in bedrohlicher Nähe zum Relegations-Platz und sogar dem direkten Gang in die zweite Liga. Kurzum: Das Abstiegsgespenst spukt wieder mal mächtig rum an der Weser.

Pokal-Halbfinale als Mutmacher

Als Mutmacher für die drei noch ausstehenden Partien soll nun die Leistung im Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig dienen. Trotz der 1:2-Niederlage. Trotz des Nackenschlags unmittelbar vor Schlusspfiff. Trotz weniger spielerischer Glanzpunkte. Dafür wussten die Bremer immerhin kämpferisch zu überzeugen, was auch ihrem Trainer nicht entgangen war.

Wir haben keinen Traumfußball gespielt. Aber wir haben bedingungslos alles auf dem Platz gelassen und waren mutig. Das nehmen wir aus dem Spiel mit.

Werder-Coach Florian Kohfeldt in der Pressekonferenz am Donnerstag

Verwunderlich ist allerdings, warum es den Grün-Weißen erst in Kohfeldts Bewährung-Endspiel gelang, eine angemessene Präsenz an den Tag zu legen. In der Liga waren sie zuvor gleich siebenmal in Folge als Verlierer vom Platz gegangen. Und das, ohne Kampf, Willen oder den Glauben, das Ruder auch nach einem Rückstand herumreißen zu können, gezeigt zu haben. Im Gegenteil.

Das Taktische rückt in den Hintergrund

Kohfeldt scheint jedenfalls erkannt zu haben, dass seinem Team in den Spielen gegen Leverkusen (Samstag, 15:30 Uhr), Augsburg (15. Mai) und Gladbach (22. Mai) nur der Glaube und der nötige Meter mehr zu etwas Zählbarem verhelfen können. Das Taktische, so verriet der Werder-Coach, rücke im Saison-Finale eher in den Hintergrund. Stattdessen liege wie gegen Leipzig "wieder ein sehr starker Fokus darauf, dass die Spieler Mentalität auf den Platz bringen." Einer, der eine ebensolche Haltung an den Tag legen könnte, ist Ömer Toprak. Doch Werders Abwehrchef ist verletzungsbedingt weiter zum Zuschauen verdammt. Wieder mal. Ausgerechnet jetzt.

Kein Wunder, dass Kohfeldt die drei verbleibenden Liga-Spiele in eine ähnliche Kategorie wie die Leipzig-Partie einordnet. "Von der Ausgangslage und von der Herangehensweise her sehe ich keinen großen Unterschied zum Pokalspiel." Anders gesagt: Werder beginnt in jedem Spiel bei Null. Was davor war, zählt nicht. Einzig das Weiterkommen, sprich: Drei Punkte sind wichtig. Angefangen mit dem Leverkusen-Spiel.

Trainerdiskussion bei Werder: Jetzt redet Clemens Fritz

Video vom 3. Mai 2021
Clemens Fritz und Werder-Coach Florian Kohfeldt stehen am Rande des Trainings nebeneinander.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 7. Mai 2021, 18:06 Uhr