Werders Bittencourt: "Wir Spieler sind schon privilegiert genug"

Zuletzt häufte sich wieder Kritik an den Vorzügen, die der Profifußball in der Corona-Pandemie genießt, etwa bei Flugreisen. Bremens Leonardo Bittencourt hat dafür Verständnis.

Leonardo Bittencourt grätscht einen Ball von der Linie.
Werders Mittelfeldmann ist froh, dass er in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt seinem Job nachgehen kann. Bild: Gumzmedia/Nordphoto

Flugreisen quer durch Europa trotz Lockdown? Für die meisten Menschen momentan so gut wie unmöglich. Anders sieht es im Profifußball aus. Aufeinandertreffen in internationalen Wettbewerben sind weiterhin gang und gäbe. Vor kurzem aber sorgte die Nachricht, dass Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig ihre Champions League-Achtelfinalhinspiele in Budapest austragen, um hierzulande geltende Corona-Beschränkung zu umgehen, für reichlich Kopfschütteln – was Werder-Spieler Leonardo Bittencourt gut nachvollziehen kann: "Dass es Kritik gibt, ist verständlich", sagte der Bremer in einer Medienrunde am Mittwoch.

Die Verbände bestimmen, wo es langgeht

Zugleich betonte der 27-Jährige, dass es nicht die Spieler seien, die über die Austragung und die Verlegung der Partien bestimmen. "Die Verbände sagen, was man darf und was nicht", so Bittencourt. Er und seine Mitstreiter seien hingegen nur dafür da, ihren Job zu machen. "Wenn man dafür in Corona-Zeiten reisen muss, ist natürlich mit Kritik zu rechnen."

Dass der Profifußball seit Beginn der Pandemie in mancher Hinsicht gewisse Vorzüge genießt, ist dem gebürtigen Leipziger durchaus bewusst. "Natürlich sind wir sehr privilegiert, dass wir überhaupt spielen können", betont Bittencourt. Wenngleich die Regeln, die dafür eingehalten werden müssten, "streng" seien. Beschweren will er sich darüber jedoch auf keinen Fall.

Wir spielen Fußball und können froh darüber sein, dass wir es dürfen. Alles Weitere entscheiden andere.

Werder-Profi Leonardo Bittencourt

Profifußballer als Impf-Vorbilder? Bittencourt hat Zweifel

Leonardo Bittencourt schlendert vom Trainingsgelände weg.
Läuft seit zweieinhalb Jahren an der Weser auf: Werder-Spieler Leonardo Bittencourt. Bild: Gumzmedia

Am Montag sorgte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge für Aufsehen, indem er Profifußballer als potenzielle Vorbilder im Hinblick auf Impf-Zweifler nannte. "Lässt sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wächst das Vertrauen in der Bevölkerung", sagte Rummenigge dem TV-Sender "Sport1". Nicht wenige werteten die Aussagen des 65-Jährigen als Gedankenspiel, Fußballprofis ein Vorrecht bei Impfungen zu gewähren. Eine Rolle, die Bittencourt nicht für sich beanspruchen möchte. "Ich stelle mich jetzt doch nicht hin und sage: 'Ich möchte gerne geimpft werden!', um eine Welle auszulösen, damit möglichst viele Menschen sich impfen lassen", sagte der Werder-Profi. Auch weil es dafür andere, besser geeignete Wege gebe.

Nach Ansicht des Mittelfeldakteurs sollten beim Impfen ohnehin andere Menschen Vorrang haben. "Erst einmal sollten die Menschen geimpft werden, für die es lebensnotwendig ist", so Bittencourt. Die Gesundheit des Einzelnen gehe schließlich weiterhin vor, auch vor Profifußball. Der Vorreiterfunktion, die Rummenigge ins Spiel gebracht hatte, kann der 27-Jährige ebenfalls nicht viel abgewinnen. "Jetzt zu sagen, wir gehen da voraus, würde auch nicht gut aufstoßen", sagte Bittencourt. "Wir Spieler sind schon privilegiert genug."

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Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Februar 2021, 18:06 Uhr