Abgerockt und abgerackert: Findet Werder wieder in die Spur?

Drei Tage Intensivkur liegen hinter Werder - ist Trainer Kohfeldt das Aufbruch-Signal geglückt? Das Spiel gegen Leipzig wird heute aber so oder so eine Herkulesaufgabe.

Werder-Spieler laufen sich warm beim Training.
Rackern gegen die Krise: Werder Bremen liegt nach 21 Spieltagen mit 17 Punkten und 48 Gegentoren auf Platz 17 der Tabelle. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Bequem war gestern, so sagte es sich Florian Kohfeldt, und wollte es seinen Jungs, wie er sie immer noch nennt, ein bisschen unbequemer machen. So ist das in der Krise, da werden die Bandagen härter und der Ton rauer. Und Gemütlichkeit hatten die Werder-Profis zuletzt schon genug gehabt. Drei Tage Kurz-Trainingslager in Leipzig, Intensivkur gegen die Krise.

"Die Jungs nehmen es gut an", sagte Kohfeldt via dem vereinseigenen Videoportal, "obwohl es nicht gerade bequem ist." Dabei meinte der Werder-Coach natürlich nicht die Unterbringung im Grandhotel der gehobenen Klasse in der historischen Altstadt. Sondern das Aufarbeiten der akuten Zwangslage in der Liga. Die Mannschaft beschäftigte sich mit dem Thema "in Gesprächen, in Videos, in verschiedenen kleinen Gruppen", berichtete Kohfeldt: "Es spielt sich nicht so sehr auf dem Trainingsplatz ab, was natürlich jeder Fußballer lieber hat."

Intensivkur als Aufbruch-Signal

Auf dem Platz standen die Profis dennoch, denen am Samstag ab 15:30 Uhr eine schwere Herausforderung mit dem Tabellendritten RB Leipzig bevorsteht. Die Vorbereitung darauf fand jedoch mit weit weniger Luxus statt, im recht abgerockten Alfred-Kunze-Sportpark, der sportlichen Heimat von Oberligist Chemie Leipzig. Nur durch die Zäune konnten die interessierten Kiebitze aus weiter Entfernung einen Blick erhaschen auf das tägliche Trainingsprogramm der Bremer. Die Farbe auf den Rängen war verblasst, der Putz bröckelte. Das kleine Stadion hatte schon bessere Tage gesehen, genau wie Werder.

Und ein bisschen schien es, als sollte das verschlissene Ambiente die Profis ermahnen, sich endlich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Kohfeldt wollte die Intensivkur als Aufbruch-Signal verstanden wissen, denn warten war gestern. Die Zeit drängt. Scouting-Chef Clemens Fritz hatte er mit nach Leipzig genommen, genau wie Team-Psychologe Andreas Marlovits.

Es gibt nochmal neue Sichtweisen, neue Ansprechpartner. Der Effekt, den wir uns von diesem Kurz-Trainingslager erhofft hatten, ist schon eingetreten. Es ist eine Auseinandersetzung, zu der wir sie auch ein Stück weit gezwungen haben – aber wichtig ist am Samstag und die nächsten zwölf Spiele nach Samstag.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei Werder-TV

Zeigt das Trainingslager sofort Wirkung?

Die Werder-Spieler machen unter den Augen von Florian Kohfeldt Sprints im recht ramponierten Stadion von Chemie Leipzig.
Luxus sieht anders aus: Werder sollte sich im Kurz-Trainingslager in Leipzig auf das Wesentliche konzentrieren. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Kohfeldt hatte sich mit dem Kurz-Trainingslager schon sehr früh eines der letzten Mittel bedient. Ob es wirklich sofort Wirkung zeigen kann, ist aber fraglich. Denn mit Leipzig und Dortmund trifft Werder nun auf zwei Schwergewichte, die sich kaum dazu eignen, die Bremer Aufholjagd einzuläuten. An guten Tagen kann Werder auch diese Gegner schlagen, das hatte man im Pokal bewiesen. Doch diese guten Tage brauchen die Bremer auch endlich wieder in der Liga, wenn sie sie halten wollen. "Wir müssen punkten, egal, wie", betonte Kohfeldt.

Der Werder-Coach hatte es auch im Kurz-Trainingslager wieder auf seine Art versucht. Mit seiner erklärenden Didaktik, dem Appell an die Mündigkeit seiner Spieler. Wenn er es sicherlich dieses Mal auch mit mehr Strenge probiert hat. Doch ein Schleifer wie einst Felix Magath kann und will er nicht werden. "Es macht überhaupt keinen Sinn, aktionistisch zu sagen: Jetzt laufen wir mal 1000 Treppen hoch, damit wir alle wissen, worum es geht." Ob die Mannschaft aber wirklich verstanden hat, worum es geht, und ob sie die Maßnahmen auch umzusetzen vermag, werden die nächsten Spiele zeigen. Werder Bremen Mitte Februar macht den Eindruck einer recht abgerockten Truppe. Doch wenn sie dieser Tage genug gerackert hat, könnte sie doch noch etwas Glanz bekommen.

Psychologische Erklärungen für Werders Krise

Video vom 13. Februar 2020
Die Mannschaft von Werder Bremen beim Training

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Februar 2020, 18:06 Uhr