Wie wird Werder Toprak und Co. finanzieren?

Werder spart überall, um nicht in Schieflage zu geraten. Doch im Sommer müssen die Bremer zwei Leihspieler für über zehn Millionen Euro kaufen - wenn sie nicht absteigen.

Ömer Toprak sitzt enttäuscht mit gesenktem Kopf auf dem Rasen.
Konnte bei Werder noch nicht überzeugen: Der von Dortmund ausgeliehene Verteidiger Ömer Toprak war seit Saisonbeginn sehr oft verletzt. Bild: Imago | Noah Wedel

Frank Baumann bemühte sich am vergangenen Sonntag, Optimismus zu verbreiten. Als zugeschalteter Gast der Sky-Sendung "Wontorra: Allein zu Hause" sprach Werders Sportchef über die finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise für den Verein. Dass sie nun an allen möglichen Ecken und Ende sparen würden, die Investitionen auf Eis gelegt hätten und Spieler auf Teile ihrer Gehälter verzichten würden. Mancher U15-Spieler pfeift sogar auf seine Fahrtkostenerstattung. Der Zusammenhalt sei da, um den Laden weiter am Laufen zu halten. Und Finanzchef Klaus Filbry betonte kürzlich in der "Süddeutschen Zeitung", dass so bald "bei Werder nicht die Lichter ausgehen" werden.

Alles gut und schön – für den Moment. Aber was wird an jenem 30. Juni passieren? Jenem Datum, an dem viele Spielerverträge in der Bundesliga auslaufen. Und an dem für Werder eine horrende Summe fällig wird – sofern die Bremer nicht absteigen. Denn Ömer Toprak und Leonardo Bittencourt wurden mit einer Kaufverpflichtung ausgeliehen und diese dürfte am 30. Juni fällig werden, wenn Werder den Klassenerhalt schafft. Davie Selke kam zudem Ende Januar aus Berlin und wurde bis 2021 mit Kaufpflicht ausgeliehen. Der Stürmer wird die Bremer wohl mindestens zehn Millionen Euro kosten, sollten sie bis dahin die Europa League erreichen, sogar bis zu 15 Millionen Euro. Diese Summe Werder zusätzlich bevor - in diesem Sommer müssen sie dem Vernehmen nach für Bittencourt sieben Millionen Euro zur TSG Hoffenheim überweisen. HInzu kommt Ömer Toprak.

Toprak und Bittencourt kosten 11,5 Millionen Euro

Leonardo Bittencourt und Kevin Vogt sitzen nebeneinander auf der Tribüne des Stadions Platz 11.
Einer bleibt, einer geht wohl: Leonardo Bittencourt (links) und Kevin Vogt. Bild: Imago | Joachim Sielski

Bei Toprak, der seit Saisonbeginn von Borussia Dortmund ausgeliehen wurde, kam noch eine weitere Klausel hinzu: eine Mindestanzahl von Einsätzen. Laut einem Bericht der "Ruhrnachrichten" hat Toprak diese Anzahl bereits erreicht, obwohl der 31-jährige Verteidiger hauptsächlich verletzt gewesen ist. 808 Minuten lang stand Toprak für Werder in zwölf Einsätzen auf dem Rasen, das hat offenbar für die Kaufverpflichtung gereicht. Ob sie wirklich greift, hängt auch hier vom Klassenerhalt der Bremer ab. Fällig wären dann 4,5 Millionen Euro für Toprak.

Mehr als zenn Millionen Euro Kosten kämen am 30. Juni also auf Werder zu – und das in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten der Corona-Krise. Man kann davon ausgehen, dass die Bremer den Verkauf von Milot Rashica im Sommer zur Finanzierung der Pflichtkäufe eingeplant haben. Doch wie sich der Transfermarkt kurzfristig entwickeln wird, ist schwer abzusehen. Dass sich die astronomischen Ablösen der vergangenen Jahre relativieren werden, davon ging auch Baumann am Sonntag aus.

Ich bin absolut davon überzeugt, dass die Umsätze auf dem Transfermarkt in diesem Sommer zurückgehen werden. Die Anzahl der Transfers wird sich gar nicht so sehr verändern. Aber der Gesamtumsatz wird definitiv einbrechen.

Werder-Sportchef Frank Baumann bei "Wontorra: Allein zu Hause" bei Sky

Bekommt Werder genug für Rashica?

Milot Rashica feiert seinen Treffer mit heraushängender Zunge
Durfte am häufigsten für Werder jubeln: Milot Rashica brachte es in dieser Saison auf sieben Tore und vier Assists. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Baumann rechnet damit, dass es "Schnäppchen" auf dem Transfermarkt geben wird, doch das gilt dann eben auch umgekehrt. Für Rashica bekommt Werder dann wahrscheinlich nicht mehr die Summe von mehr als 20 Millionen Euro. Das Portal "Transfermarkt.de" senkte am Mittwoch den Marktwert aller Spieler aufgrund der Pandemie kategorisch um 20 Prozent. Rashicas Wert fällt damit von 35 auf 28 Millionen Euro, doch das sind nur geschätzte Zahlen. Und auch bei anderen Spielern, die Werder verkaufen würde, könnte der Preis sinken. Bei den ausgeliehenen Profis lässt sich das Preisschild jedoch nicht mehr korrigieren. Die Summen werden definitiv fällig. Zudem schwebt die Kaufpflicht für Selke wie ein Damoklesschwert über Werder, während der Verein noch gar nicht weiß, wie es nach der Pandemie wirtschaftlich weitergeht.

Dass die Kaufpflicht bei einem Spieler wie Toprak aufgrund seiner stetigen Verletzungen einen Beigeschmack hat, kommt erschwerend hinzu. Andererseits würde Trainer Florian Kohfeldt den ausgeliehenen Abwehrchef Kevin Vogt sicherlich gerne behalten. Doch der in Hoffenheim abgesetzte Kapitän kam ohne Kaufpflicht und hat immer noch einen geschätzten Marktwert von zehn Millionen Euro – utopisch für Werder. Der Kauf der Leihspieler ist schon Herausforderung genug, in dieser und der nächsten Saison.

Innenbehörde erlaubt Werder das Training – unter Auflagen

Video vom 6. April 2020
Ein Fußball liegt auf einem Rasenstück vor dem Weserstadion.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. April 2020, 23:30 Uhr