Langkamp will nicht das Werder-Maskottchen sein

Als Bankdrücker ist Sebastian Langkamp eigentlich nicht von Berlin nach Bremen gewechselt. Doch die Konkurrenz in der Innenverteidigung ist groß. Langkamp nimmt's mit Humor.

Werder-Profi Sebastian Langkamp auf Pressekonferenz.

Sebastian Langkamp ist ein richtig guter Typ. Werder Bremen hat inzwischen einige von ihnen im Kader – diese gestandenen, reflektierenden Spieler, die über den Fußball-Tellerrand hinaus schauen können. Langkamp pflegt zudem einen ziemlich trockenen Humor, der gut in den Norden passt. Und momentan braucht er diese gewisse Prise Gelassenheit auch. Denn der 30-Jährige, der zum Ende der Winterpause – "kurz vor Ladenschluss", wie er es selbst nannte – von Hertha BSC Berlin nach Bremen wechselte, verbrachte diese Saison bisher auf der Ersatzbank. Mit einer Ausnahme: Gegen Wolfsburg durfte der Innenverteidiger für 90 Minuten ran, als Ersatz für den gesperrten Milos Veljkovic.

Ich habe mich schon immer gefragt, warum Werder eigentlich kein Maskottchen hat. Zwischenzeitlich habe ich mich so gefühlt.

Sebastian Langkamp mit einem Augenzwinkern

Es steht nicht zu befürchten, dass sich Langkamp künftig in ein altes Plüschkostüm der Möwe "Werdi" zwängen wird, das irgendwo bei Werder noch im Keller herumliegen müsste. Werder und Maskottchen, das hat nie wirklich zusammengepasst. Werder und Langkamp, das scheint jedoch trotzdem zu passen.

"Bin immer noch im besten Fußball-Alter"

Langkamp, Friedl, Kainz und Harnik scherzen in Stuttgart auf der Ersatzbank.
Gute Laune auf Werders Ersatzbank: Trotzdem gefällt Langkamp (links) seine aktuelle Situation nicht. Bild: Imago | Jan Huebner

"Das größte Lob, das man einem Trainer geben kann, ist, wenn sich jeder Spieler im Kader wichtig und gebraucht fühlt", sagte Langkamp: "Und zumindest momentan ist das der Fall." Florian Kohfeldt betont immer wieder, welche wichtige Rolle der Innenverteidiger auch abseits des Platzes für die Mannschaft spielt. Ein erfahrener Profi, der mal mit Späßen die Stimmung auflockert, aber auch dort mal mahnt, wo es nötig ist. Eine Führungspersönlichkeit.

Wenn ich sage, dass ich weiß, was meine Position auf und neben dem Platz ist, heißt das nicht, dass ich mich mit der Situation abfinde. Ich bin immer noch im besten Fußball-Alter. Ich traue mir immer noch zu, viele Spiele in einer Saison zu machen.

Sebastian Langkamp, rüstiger Werder-Verteidiger

Als Pausenclown oder Maskottchen ist er jedenfalls nicht nach Bremen gekommen, er will spielen. Natürlich ist er sich bewusst, dass er mit Niklas Moisander und Milos Veljkovic gegen zwei starke Spieler auf seiner Position konkurriert. Daher stellt er keine Forderung nach einem Stammplatz, aber ehrgeizig genug ist er noch, um den Kampf anzunehmen. Gegen Wolfsburg machte Langkamp ein gutes Spiel, das fand auch Kohfeldt. Gegen Schalke sitzt er wahrscheinlich aber wieder auf der Bank.

Als Teil der Mission Europa League

Langkamp akzeptiert seine Lage und tut das einzige, was er tun kann: Wenn er gebraucht wird, ist er auf den Punkt da. Nach einem halben Jahr bei Werder Bremen und beim aktuellen Tabellenstand Platz vier lässt sich die Situation noch aushalten. Noch fühlt sich Langkamp als Teil des Ganzen. Als wichtiger Teil eines Kollektivs, das es mit Kohfeldt in die Europa League schaffen will. Und idealerweise mit mehr Einsatzminuten als bisher.

Ich gehe nicht nach dem Tabellenstand, sondern nach dem Punkteschnitt. Und da sind wir sehr gut dabei. Um es mal runterzubrechen: Man braucht 1,6 bis 1,7 Punkte im Schnitt für die sichere Qualifikation für die Europa League. Und wir liegen über dem Schnitt. Deswegen sind wir bis dato auf einem ganz guten Weg.

Sebastian Langkamp, Werder-Innenverteidiger und Rechen-Talent

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Oktober 2018, 18:06 Uhr