Werder und die Länderspielreisen: kein Corona, trotzdem Ärger

Begeistert waren die Bremer ohnehin nicht, dass sie ihre Nationalspieler abstellen mussten. Dass mancher trotz Risiko und Aufwand dann kaum spielte, ärgert Werder.

Video vom 3. April 2021
Werder-Torwart Jiri Pavlenka liegt nach einem Hecht zum Ball ausgestreckt auf dem Rasen.
Bild: DPA | Carmen Jaspersen
Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Eine gute Nachricht gab es, und die war zugleich das Wichtigste: Keiner der acht Werder-Profis war mit einer Corona-Infektion von der umstrittenen Länderspielreise nach Bremen zurückgekehrt. Und Werder mühte sich, dass auch in den folgenden Tagen nichts mehr nachkommen würde.

"Die Nationalspieler sind noch separiert von der Mannschaft und wir kommen nur draußen auf dem Trainingsplatz zusammen, um das Risiko noch weiter zu minimieren", erklärte Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag. Noch größere Vorsicht als ohnehin ist also das Gebot der Stunde vor dem Spiel in Stuttgart am Ostersonntag.

Torwart Pavlenka saß nur auf der Bank

Werder-Torwart Jiri Pavlenka beim Aufwärmen mit der tschechischen Nationalmannschaft beim Spiel gegen Wales.
Zum Aufwärmen nach Cardiff: Werder-Torhüter Jiri Pavlenka (rechts) musste beim Länderspiel der Tschechen gegen Wales zuschauen. Bild: Reuters | Kacper Pempel

Werder hatte seine Spieler in Pandemie-Zeiten nur sehr ungern zu den Länderspielen abgestellt, ihnen aber zumindest die Fahrten in Virusvarianten-Gebiete untersagt. Für manchen Bremer Profi machte das die Reiserei durchaus kompliziert – und am Ende stellte sich nicht nur Werder die Frage, ob der enorme Aufwand den Nutzen überhaupt gerechtfertigt hatte.

Beispiel Jiri Pavlenka. Werders Keeper fuhr zunächst nach Polen, um für Tschechien im Spiel gegen Estland im Tor zu stehen. Pavlenka nahm einen 6:2-Erfolg mit zurück nach Bremen, da er das folgende Heimspiel in Prag gegen Belgien nicht bestreiten durfte. Es bestand keine Klarheit darüber, ob Pavlenka danach in eine Quarantäne müsse, also kam von Werder das Nein. Der Torhüter machte sich dann aber erneut auf die Reise nach Cardiff in Wales, allerdings nur, um dann 90 Minuten lang auf der tschechischen Ersatzbank zu sitzen. Kohfeldt war verstimmt.

Für Jiri ist es eine Ehre, zur Nationalmannschaft zu fahren und das kann ich auch verstehen. Aber da bin ich sehr ehrlich: Natürlich hat es mich nicht gefreut und ich hätte mir gewünscht, dass ein Austausch da ist. In dieser sehr speziellen Situation einen Spieler einfliegen zu lassen und auf die Bank zu setzen, war ein unnötiges Risiko.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Auch Friedl durfte nur 8 Minuten lang ran

Ähnlich irritiert war Kohfeldt auch bei Marco Friedl. Denn der österreichische Verteidiger wurde in den drei Länderspielen von Nationalcoach Franco Foda nur einmal für acht Minuten eingewechselt – und da stand es gegen Dänemark bereits 0:4. Dabei war Kohfeldt in den vergangenen Wochen so überzeugt von Friedls Entwicklung, dass er zum Stammspieler wurde.

Marco hat sehr wenig gespielt, das ist sehr schade. Er hat in den letzten Wochen und Monaten sehr stabile Leistungen gebracht und ich war schon sehr überrascht, dass er so wenige Einsatzzeiten bekommen hat.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt am Freitag

Eigentlich, so erklärte es auch Werders Sportchef Frank Baumann, habe es einen Austausch mit den Nationaltrainern gegeben. Doch während der Reisephase dann eher mit den Organisationsteams und den Teammanagern. Und da wurde über etwaige Einsatzzeiten einzelner Spieler eben nicht gesprochen. "Wenn man einen sehr großen Kader nominiert, und ein Spieler dann gar nicht zum Einsatz kommt, ist das unnötig", monierte auch Baumann. Die jüngsten Länderspielausflüge dürften Werders Skepsis wohl kaum gemildert haben.

Werder muss Spieler für Länderspielreisen freigeben

Video vom 22. März 2021
Werder-Torwart Jiri Pavlenka verlässt im Nieselregen mit gesenktem Kopf das Spielfeld.
Bild: Nordphoto / Gumzmedia
Bild: Nordphoto / Gumzmedia

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. März 2021, 18:06 Uhr