Für Werder gibt es ein Leben nach Kruse

Von Katzenjammer keine Spur: Vielmehr birgt der Abschied des Kapitäns auch Chancen für andere Bremer Spieler. Vor allem für die Eggestein-Brüder – und Pizarro.

Kruse betritt mit gesenktem Blick bei seiner Verabschiedung der Weser-Stadion.
Ein letztes Mal als Werder-Spieler im Weser-Stadion: Max Kruse verlässt die Bremer nach dieser Saison. Vor dem Heimspiel gegen RB Leipzig wurde er offiziell verabschiedet. Bild: Imago | DeFodi

20 Sekunden vor dem Abpfiff verabschiedete sich dann auch Florian Kohfeldt von Max Kruse. "Max saß auf der Nebenbank, das fand ich sehr gut. Ich habe mich für die Zusammenarbeit bedankt und auch er hat 'danke' gesagt", erzählte Werders Cheftrainer nach dem 2:1-Sieg gegen RB Leipzig.

Von dort, direkt neben der Werder-Bank, aber eben nicht mehr mitten unter seinen Mitspielern, hatte Kruse mitangesehen, wie sie sich auf dem Spielfeld so ohne ihn schlugen. Und er sah, dass sie wie schon beim 1:0-Sieg in Hoffenheim auch gegen Leipzig ganz gut ohne ihn zurechtkamen. Einer wie Johannes Eggestein stürmte nun statt Kruse. Und natürlich bedauerte auch der 21-Jährige den Abgang den Kapitäns. Für ihn könnte sich dadurch allerdings auch eine Chance ergeben.

Max war vorne im Zentrum gesetzt. Zur neuen Saison ist die Position ein Stück weit offen.

Werder-Profi Johannes Eggestein zum Abschied von Max Kruse

Bahn frei für die "jungen Wilden"

Im Konkurrenzkampf um die Kruse-Position dürfte auch der 21-Jährige eifrig mitmischen. Schließlich spielte er bereits in der Werder-Jugend und in der Bremer U23 in der Mitte. Auf die Außenbahn rückte er vor allem, weil in der Mitte kein Platz frei mehr. Jetzt ist Kruse weg – und die Bahn für die "jungen Wilden" frei.

Allerdings treten sie ein schwieriges Erbe an. Schließlich verlässt mit Kruse ein Ausnahmespieler die Bremer. In den letzten drei Jahren sammelte der 31-Jährige 62 Scorerpunkte (35 Tore, 27 Vorlagen) im grün-weißen Trikot. Das ist dreimal so viel wie der zweitbeste, Fin Bartels, der auf 20 Scorerpunkte kommt. Diese Zahlen sprechen für sich.

Keine Bedenken bei Kohfeldt

Dennoch ist Kohfeldt überzeugt, dass Werder ohne Kruse nicht wie ein Kartenhaus zusammenfallen wird. Vielmehr liegt Aufbruchstimmung in der Bremer Luft.

Ich sehe darin auch eine Chance. Ich habe nicht die Sorge, dass uns dies zurückwirft.

Werders Cheftrainer Florian Kohfeldt zum Abschied von Max Kruse

Mehr Verantwortung für Maximilian Eggestein

Maximilian Eggestein schreit.
Stärker in der Verantwortung: Nach dem Kruse-Abgang dürfte Maximilian Eggestein bei Werder noch mehr den Ton angeben. Bild: Imago | Jan Huebner

Die neue Zeitrechnung nach Kruse scheint bereits angebrochen, auch Maximilian Eggestein könnte künftig eine noch gewichtigere Rolle spielen. Er ist zwar einer der Gewinner der Saison, stand aber auch immer ein wenig im Schatten Kruses. "Max kann man nicht Eins-zu-eins ersetzen", weiß der 22-Jährige, "aber wir werden das auffangen und das Ganze als Chance nutzen."

Bereits am Mittwoch erklärte der zentrale Mittelfeldspieler, dass er in der kommenden Saison noch mehr Verantwortung übernehmen möchte. Nach Kruses Abgang dürfte dies jetzt automatisch der Fall sein. Möglicherweise übernimmt er gar das Amt des Vize-Kapitäns, falls Niklas Moisander die Binde von Kruse übernimmt.

Hätte Pizarro bei einem Kruse-Verbleib gehen müssen?

Moisander ist derweil ebenfalls nicht bange vor der Zeit nach Kruse. Das Ziel bleibt für ihn Europa. "Natürlich werden wir Max vermissen, aber ich glaube, es kommen ein paar gute Spieler dazu. Ich habe volles Vertrauen, dass wir es nächstes Jahr schaffen können", sagt der Innenverteidger. Gegen Hoffenheim und Leipzig habe es in den letzten beiden Spielen ja bereits ohne Kruse geklappt.

Und für die ganz besonderen Momente bleibt Werder schließlich Claudio Pizarro. Auch auf seine Zukunft hatte Kruses Entscheidung wohl Auswirkungen. Bei einem Verbleib des Kapitäns hätte Pizarro möglicherweise keinen neuen Vertrag an der Weser erhalten. Jetzt bleibt er, schließlich geht mit Kruse bereits viel Erfahrung verloren. "Auch das war ein Bestandteil der Überlegung. Das hat alles miteinander zu tun", bestätigt Werders Sportchef Frank Baumann.

Kruse verlässt Werder Bremen doch

Max Kruse mit umgedrehter Baseball-Kappe auf dem Kopf vor dem Weser-Stadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 18. Mai 2019, 18 Uhr