"Einer von uns": Kruse ist der neue türkische Volksheld

Dass Werders Ex-Kapitän Max Kruse bereits die türkische Nationalhymne mitsingt, hat Medien und Fans in Istanbul euphorisiert – Bremen ist für Kruse endgültig abgehakt.

Max Kruse mit selbstzufriedenem Lächeln beim Spiel von Galatasaray.
Bosporus statt Bremen: Max Kruse hat sich ganz auf das Abenteuer Fenerbahce Istanbul eingelassen und die Zeit bei Werder abgehakt. Bild: Imago | VI Images

Da stand Max Kruse also, mitten auf dem Rasen vor dem Stadtderby im fußballverrückten Istanbul und schmetterte die türkische Nationalhymne mit. Das Stadion stand Kopf, die Medien kriegten sich kaum noch ein. "Wie einer von uns", jubelten die Sport-Gazetten und Fans unisono. Max Kruse, der neue türkische Volksheld.

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Dabei war der 31-Jährige im Sommer noch von vielen verspottet worden. Der Werder-Kapitän hatte sich entschieden zu gehen, wollte weg von der Weser, obwohl er dort als unverzichtbar gefeiert wurde, und hin zu einem Top-Klub, der international mitmischt. Dann platzte ein Angebot nach dem anderen, übrig blieb schließlich Fenerbahce Istanbul. Nichts war's mit Europa. Und Kruse bekam die Häme. Doch Fenerbahce ist für ihn kein Trostpreis, im Gegenteil. Kruse saugt das Leben in der Türkei auf, ist offenbar gekommen, um zu bleiben.

Seit dem ersten Tag meiner Ankunft hier, versuche ich die Sprache zu lernen. Das ist eine respektvolle Geste gegenüber dem Land, in dem man lebt. Ich werde weiterhin versuchen, die Sprache zu lernen. Um mich dem Land verbundener zu fühlen, versuche ich die Nationalhymne zu lernen.

Max Kruse in der türkischen Tageszeitung "Hurriyet"

Türkisch lernen per Youtube

Max Kruse inmitten seiner Teamkollegen von Fenerbahce, die ihn für eine Torvorlage feiern.
Mittendrin bei Fenerbahce: Max Kruse (Mitte) wird von seinen Mitspielern für seine Torvorlage gefeiert. Bild: Imago | Seskim

Die Medien berichten täglich über Kruse, schwärmen davon, dass er ein Fan türkischer Fernsehserien sei und in seiner Freizeit die Sehenswürdigkeiten Istanbuls besichtigen würde. Und dazu ein Faible für türkisches Essen und Tee habe. Istanbuls führende Tageszeitung "Milliyet" berichtete zudem, dass Kruse per Youtube Türkisch lernen würde. Er selbst erzählte: "Ich habe mir schon eine Sprach-App runtergeladen". Kruse fühlt sich längst Zuhause in der neuen Heimat, ist das Gesicht des Aufschwungs von Fenerbahce. Nach fünf Torvorlagen in sieben Spielen ist er schon Herz und Hirn der Mannschaft, die aktuell auf Tabellenplatz fünf steht. Über Werder Bremen verliert Kruse kein Wort mehr.

Ich glaube, ich werde glücklicher sein, also habe ich mich für Fenerbahce entschieden und bin sehr zufrieden damit.

Max Kruse Ende im Juli im Gespräch mit dem türkischen Sender "beIN Sports"

Wegen der Hymne: Kruse für Fair-Play-Preise vorgeschlagen

Und die Türken haben ihn nicht nur ins Herz geschlossen und verehren ihn – sie wollen ihn auch ehren. Das Türkische Nationale Olympische Komitee (TMOK) hat Kruse für den Welt-Fair-Play-Preis 2019 als Nominierten vorgeschlagen, wie die "Hurriyet" berichtet. Dass er durch das Mitsingen der Nationalhymne so viel Respekt vor dem Land gezeigt habe, sei vorbildlich, hieß es in der Begründung.

Im Februar 2020 wird darüber abgestimmt, wer für den Preis tatsächlich nominiert wird. Der Fair-Play-Preis wird im April 2020 in der Türkei dann noch auf nationaler Ebene vergeben. Hier sollte der neue türkische Volksheld auf jeden Fall die besten Chancen haben.

So hat sich Kruse beim Freundschaftsspiel verabschiedet

Max Kruse macht ein Selfie mit Fans.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 8. Oktober 2019, 23:30 Uhr