Kruse führt Werder Richtung Europa – vor allem für sich

Max Kruse war der überragende Spieler beim 3:1-Sieg über Leverkusen. Werder ist nun wieder in Schlagdistanz zu Europa – doch gelingt das nicht, ist der Kapitän wohl weg.

Kruse breitet die Arme vor der Werder-Fankurve in Leverkusen aus und feiert seinen Treffer.
Genoss das Bad in der Werder-Fanmenge: Max Kruse erzielte das 1:0 und das 3:1 und bereitete das 2:0 für Milot Rashica vor. Bild: DPA | Wundrig

Florian Kohfeldt hörte mit seiner Lobhudelei gar nicht mehr auf. Der Adrenalinschub der brenzligen 20 Minuten der Partie in Leverkusen hatten den Werder-Coach ordentlich in Wallung gebracht. Und so sprudelte die Freude über die wichtigen "Big Points" aus ihm heraus – und er wusste, bei wem er sich besonders bedanken musste: Max Kruse.

Viel besser als heute geht nicht. Wie er sich aufgeopfert hat für die Mannschaft. Max ist ein super Spieler und für mich eine absolute Vertrauensperson. Das habe ich in schlechten Zeiten betont und betone es jetzt nochmal. Ich war mir immer sicher, dass er zu diesen Leistungen in der Lage ist. Jetzt zeigt er es, aber genau jetzt brauchen wir es auch. Denn jetzt entscheidet sich die Saison.

Werder-Coach Florian Kohfeldt über seinen Kapitän Max Kruse im Sportschau-Interview

Kruse mit persönlichen Bestwerten

Der Saisonendspurt ist in vollem Gange und auch dank Kruse ist Werders großer Traum vom Europapokal noch nicht geplatzt. Im Gegenteil, er hat ihn nach der zähen Remis-Serie ganz neu belebt. Nur noch drei Punkte sind die Bremer entfernt von Rang sechs, der zumindest die Qualifikationsrunde bedeuten würde.

Zwei Tore, eine Torvorlage und dazu persönliche Saisonbestwerte wie die beste Laufleistung seiner Karriere (11,7 Kilometer) – kurzum, der fast 31-Jährige Kruse rang Leverkusen fast im Alleingang nieder. "Wir sind auf einem guten Weg, aber wir haben noch nichts erreicht", bremste Kruse. Doch die Lobhudelei tat ihm gut. Nach viel Kritik in der Hinrunde hat sich der Werder-Kapitän inzwischen wieder unverzichtbar gemacht.

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Europa als Bedingung

Doch ob Werder auch für Kruse unverzichtbar ist, scheint zumindest nicht sicher. Sein Vertrag wurde immer noch nicht verlängert, die Verhandlungen ziehen sich hin. Auch, weil Kruse offenbar eine Bedingung an seinen Verbleib in Bremen knüpft.

Ich will natürlich nächstes Jahr europäisch spielen. Ich versuche, meine Leistung zu bringen, um das mit Werder zu schaffen.

Werder-Kapitän Max Kruse im Sportschau-Interview
Kruse düpiert beim beherzten Torschuss Leverkusens Aleksandar Dragovic.
Defensiv engagiert, offensiv kaum zu stoppen: Max Kruse (links) düpiert Bayers Aleksandar Dragovic. Bild: Imago | Nordphoto

Kruse verfolgt mit seinem Gala-Auftritt also auch einen Selbstzweck. Je besser er spielt, desto größer wird Werders Chance, beim Europacup dabei zu sein. Und dann könnte er bei Werder bleiben. Dem Verein, bei dem er sich wohlfühlt. Bei dem er eine Führungsrolle und viele Freiheiten genießt und an dessen Entwicklung er großen Anteil hat. Kohfeldt drückte es in der Sportschau so aus: "Er kann das Gesicht von etwas sein, das vielleicht gerade entsteht." Doch diese Aspekte wären nur ein Bonus für Kruse – Europa ist die Bedingung. Klappt das nicht, dann könnte der Verein sein Ikone verlieren.

Derzeit hat Werder noch zwei Eisen im Feuer. Der DFB-Pokal ist die Alternativroute nach Europa, die Kruse neben der Liga im Blick hat. "Schauen wir mal, was passiert, wenn wir das Viertelfinale auf Schalke gespielt haben", meinte der Kapitän. Ein Selbstläufer ist der Pokal jedoch nicht und der Saisonendspurt hat für Werder noch knifflige Hürden parat. Keine leichte Situation für Werders Vertragsverhandlungen mit Kruse. In den nächsten Wochen wolle man sich zusammensetzen, sagte er. Und kategorisch ausschließen will Kruse nicht, dass er in Bremen auch ohne das Europapokal-Ticket bleibt – doch alle Hoffnung sollte Werder Bremen besser nicht auf diese Variante setzen.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 17. März 2019, 19:30 Uhr