Gelingt Schaaf wieder ein "Wunder von der Weser"?

Thomas Schaaf ist eine Trainer-Legende bei Werder. Doch seine Erfolgszeiten sind lange her. Nun soll er binnen weniger Tage den Abstieg verhindern. Kann das klappen?

Werders Interimscoach Thomas Schaaf kommt am Sport-Hotel in Barsinghausen an und trägt eine weiße FFP2-Maske.
War bereits 14 Jahre lang bei Werder Bremen Cheftrainer und gewann in dieser Zeit unter anderem 2004 das Double: der inzwischen 60-jährige Thomas Schaaf. Bild: DPA | Moritz Frankenberg

Fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Ende seiner Double-Ära bei Werder Bremen soll Thomas Schaaf den sportlich und finanziell taumelnden Fußball-Bundesligisten vor dem ersten Abstieg seit 1980 bewahren.

In grauer Strickjacke und die FFP-2-Maske tief ins Gesicht gezogen traf Schaaf am Sonntagmittag im Sport-Hotel Fuchsbachtal in Barsinghausen ein, wo die Grün-Weißen derzeit ihr Quarantäne-Trainingslager absolvieren. Im Schlepptau hatte die 60 Jahre alte Werder-Legende Wolfgang Rolff, der schon von 2004 bis 2013 sein Assistent an der Weser gewesen war.

1999 gelang Schaaf die Rettung

Florian Kohfeldt war zu diesem Zeitpunkt schon lange zurück in Bremen. Nachdem ihn Sport-Geschäftsführer Frank Baumann am späten Samstagabend um kurz vor Mitternacht von seiner Freistellung informiert hatte, verließ der langjährige Hoffnungsträger sofort das Team-Quartier. Eine erneute Rettung auf den letzten Drücker trauten ihm die Werder-Bosse dieses Mal nicht zu. Last-Minute-Trennung statt Last-Minute-Rettung hieß es dieses Mal für Kohfeldt.

Der Mannschaft sei der Glaube an den Trainer Kohfeldt abhanden gekommen, sagte Baumann am Sonntag. Nun soll Schaaf die Grün-Weißen vor dem Abstieg retten. 1999 war ihm das zum Einstand als Cheftrainer gelungen, mit dem anschließenden Pokal-Sieg als Krönung. Aber das ist lange her und dieses Mal bleiben Schaaf nur wenige Tage Zeit für das nächste "Wunder von der Weser".

"Schaaf kann für Begeisterung sorgen"

Rückansicht, wie Werders Interimscoach Thomas Schaaf mit Co-Trainer Wolfgang Rolff und Werder-Mitarbeitern im Eingang des Hotels in Barsinghausen verschwindet.
...und dann war Thomas Schaaf (Mitte) mit seinem bewährten Co-Trainer Wolfgang Rolff (rechts) im Sport-Hotel in Barsinghausen verschwunden. Bild: DPA | Moritz Frankenberg

Am kommenden Samstag steigt das Endspiel gegen Gladbach, für eine mögliche Relegation wäre Schaaf weiter an Bord. "Thomas kann mit seiner Erfahrung und seiner Art und Weise für Begeisterung sorgen und den Spielern Selbstvertrauen vermitteln", sagte Baumann über Schaaf, der bereits 14 Jahre Trainer in Bremen war und 2004 mit den Grün-Weißen das Double gewann: "Es ist wichtig, dass wir einen Trainer haben, der keine lange Eingewöhnung braucht", sagte Baumann.

Schaaf war zuletzt bereits als Technischer Direktor bei Werder tätig. "Das ist natürlich eine riesige Herausforderung, aber wir haben noch alle Möglichkeiten, um in der Liga zu bleiben", sagte Schaaf, der nach seiner Zeit an der Weser zwei erfolglose Engagements in Frankfurt und Hannover hatte. "Wir haben nur wenig Zeit, werden aber alles tun, um mit Leidenschaft, Zuversicht und dem Glauben an unsere eigene Stärke in die Partie zu gehen und am Ende erfolgreich zu sein", sagte der Coach mit Blick auf das Gladbach-Spiel.

Neuer Coach im Sommer – ohne Stallgeruch

Das Engagement des Trainer-Routiniers ist aber bis zum Saisonende begrenzt, dann soll ein neuer Chefcoach kommen – anders als zuletzt aber nicht aus den eigenen Reihen. "Im eigenen Stall haben wir dieses Mal niemanden, von daher werden wir uns intensiv mit dem externen Trainermarkt beschäftigen", sagte Baumann.

Zuletzt hatte Werder oft einen Assistenten oder Jugend-Trainer zum Chefcoach gemacht. So auch bei Kohfeldt, der Ende Oktober 2017 die Nachfolge von Alexander Nouri angetreten hatte. Nun beginnt zunächst aber eine neue Mini-Ära Schaaf bei Werder – ob sie erfolgreich sein wird, zeigt sich in Kürze.

Baumann zum Kohfeldt-Aus: "Hätte mir ein anderes Ende gewünscht"

Video vom 16. Mai 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann in einem Hotel-Zimmer bei einem Video-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 16. Mai 2021, 19:30 Uhr