Kommentar

Werder-Retter Schaaf – und dann?

Werder ist mit Kohfeldts Weg gescheitert. Wird mit dem 60-jährigen Schaaf alles besser? Für Sportblitz-Reporter Stephan Schiffner steht er jedenfalls nicht für Zukunft.

Werders Interimstrainer Thomas Schaaf erscheint mit Rollkoffer vor dem Quarantäne-Hotel in Barsinghausen.
Der Retter rollt an: Thomas Schaaf kam am Sonntagmittag in Werders Quarantäne-Hotel in Barsinghausen an. Bild: DPA | Moritz Frankenberg

Die Älteren erinnern sich: Kapuzenpulli, Raute, Double. Das ist Thomas Schaaf. Tore, Titel, Spektakel. Ist schon eine Weile her. Werders Trainer-Legende, gerade 60 Jahre alt geworden, hat nun den Auftrag, den Klub vor dem Absturz zu retten. Was heißt Auftrag – eine Herkulesaufgabe.

Schaaf als Retter in letzter Not. Spät, sehr spät, vielleicht zu spät. Der Trainertausch ist das Eingeständnis der Verantwortlichen, gescheitert zu sein. Florian Kohfeldt muss nicht gehen, weil er ein schlechter Trainer ist. Sondern vor allem, weil die Mannschaft so schwach ist. Natürlich hat auch Kohfeldt seinen Anteil daran.

Kohfeldt war Werders oberster Mangelverwalter

Weil er die Spieler seit geraumer Zeit nicht mehr besser gemacht hat. Weil die Sommer-Neuzugänge das Team nicht weiterbringen. Weil das destruktive Gekicke nicht mehr zu ertragen ist. Fußball – das ist seit geraumer Zeit Klassenkampf in Bremen und hat mit dem tieferen Sinn des Spiels nicht mehr viel zu tun.

Letztlich aber war Kohfeldt Werders oberster Mangelverwalter. Denn bei Werder regiert nur die finanzielle Not. Sonst nichts.

Kaum Hoffnung auf Besserung

Der Kader ist nach dem Motto "Augen zu und durch" zusammengestellt. Nach der letzten desaströsen Saison ist die Mannschaft nicht verstärkt, sondern geschwächt worden. Kein Ersatz für den im Herbst verkauften Davy Klaassen, eine klaffende Lücke im defensiven Mittelfeld, keine Kreativität, keine Torgefahr. Keine Qualität, kein Geld, keine herausragenden Talente – ein Teufelskreis.

Vielleicht ist Thomas Schaaf in der Lage, der Mannschaft frischen Mut zu machen. Ein Erfolgserlebnis gegen ein lustloses Mönchengladbach ist trotz der langen Mängelliste möglich. Ähnlich wie in der vergangenen Saison gegen Köln am letzten Spieltag. Vielleicht rettet Schaaf Werder vor dem Abstieg. Selbst wenn es ihm das gelingt – es gibt perspektivisch kaum Hoffnung auf Besserung. Kapuzenpulli, Raute und Double sind Geschichte.

Baumann zum Kohfeldt-Aus: "Hätte mir ein anderes Ende gewünscht"

Video vom 16. Mai 2021
Werder-Sportchef Frank Baumann in einem Hotel-Zimmer bei einem Video-Interview.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Stephan Schiffner Redakteur und Moderator und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 16. Mai 2021, 19:30 Uhr