So teuer wäre ein Abstieg in die 2. Liga – für Werder und für Bremen

Von einem Minus bei TV- und Sponsorengeldern bis hin zu weniger Hotelübernachtungen: Ein Gang ins Unterhaus der Bundesliga würde Verein und Stadt finanziell schmerzen.

Video vom 26. Juni 2020
Das Weserstadion des Fußballvereins Werder Bremen aus der Vogelperspektive.

Nicht erst seit der Niederlage vom vergangenen Samstag in Mainz machen sich der Verein und die Stadt Gedanken um eine mögliche neue Spielzeit in der 2. Liga. Ein Abstieg würde nicht nur emotionalen Abstiegsfrust bei den Fans, neue sportliche Ziele und Gegner wie Sandhausen oder Erzgebirge Aue mit sich bringen – auch die finanziellen Verluste wären allenthalben deutlich zu spüren.

Kostenloses Marketing – wie ein fünfter Stadtmusikant

Ein Gartenzwerg im Werder-Outfit steht vor einer Figur der Bremer Stadtmusikanten.
Werder gehört zu Bremen, Bremen zu Werder.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) findet deutliche Worte für den Wert des Vereins für die Stadt und seine bundesweite Tragkraft. "Wenn Werder spielt, dann geht ein Ruck durch die Stadt, dann freuen sich die Leute", so Bovenschulte. Werder sei eine der bekanntesten Marken der Stadt – nach den Stadtmusikanten.

Werder mache hier Umsatz, sagt Bovenschulte. Das betreffe das Merchandising, das betreffe die Kneipen und das gesamte Umfeld. Die genauen Werte hat der Verein 2017 in einer Studie ermitteln lassen. Das Ergebnis: Allein durch seine Sichtbarkeit leistet der Verein für die Stadt Bremen kostenlose Werbung im Wert von 50 Millionen Euro, zum Beispiel immer dann, wenn im Zuge eines Bundesliga-Spiels Bilder der Stadt im Fernsehen gezeigt werden.

Jede Werder-Wurst bringt Extra-Geld

Die Studie zeigt außerdem: Wer ein Heimspiel von Werder Bremen besucht, lässt viel Geld in der Stadt und der Region. Pro Saison sind das rund 15 Millionen Euro – die Kosten für Eintrittskarten und Fan-Artikel nicht mit eingerechnet.

Werder-Kneipe Taubenschlag in Peterswerder
Nicht nur die Gastronomie rund um das Weserstadion profitiert. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Das Weser-Stadion ist als Publikumsmagnet lukrativ für Werder und Bremen. Eine Erkenntnis der Studie ist beispielsweise: Fußball macht offenbar hungrig und durstig. Kneipen und Restaurants verdienen jährlich 10,1 Millionen Euro an den Fußballfans. Kämen aufgrund eines Abstiegs in der kommenden Spielzeit weniger Zuschauer ins Stadion, hätte dies auch gravierende Konsequenzen für die Auslastung der Hotels der Stadt: Jährlich geben angereiste Fußballfans alleine für die Übernachtungen 2,2 Millionen Euro aus. Die Gesamtwertschöpfung des Vereins beziffert die Studie auf 319 Millionen Euro.

Verein bangt um Einnahmen

Sponsorengelder, Einnahmen durch Fernsehgelder, Zuschauerzahlen: Ein Abstieg der Mannschaft in die 2. Bundesliga hätte auch deutliche Auswirkungen auf die Einnahmen des Vereins: Die Fernseh-Einnahmen würden voraussichtlich von 65 Millionen Euro auf geschätzt 30 Millionen Euro schrumpfen. Nach Informationen von Radio Bremen zahlen auch Werders Sponsoren in Liga Zwei deutlich weniger. Statt 25 Millionen Euro gäbe es nur noch 16 Millionen Euro.

Das Weser-Stadion mit leeren Tribünen.
Was kommt nach den Geisterspielen? Werder bangt um Zuschauer.

Wer kommt für Spiele der 2. Liga noch ins Weser-Stadion? Der Verein selbst glaubt: deutlich weniger. Waren Werders Heimspiele bislang häufig ausverkauft, rechnet man bei Werder im Falle des Abstiegs durchschnittlich nur noch mit 35.000 anstatt 41.000 Zuschauern pro Spiel. Die Folge: Der Gesamtumsatz würde so von 157 Millionen Euro um ein Drittel auf 112 Millionen Euro sinken.

Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zumindest die von Bürgermeister Bovenschulte.

Was jetzt erstmal gilt für Samstag ist: Hintern zusammen kneifen, Köln wegputzen und für Union beten.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte im Interview.
Andreas Bovenschulte (SPD), Bremens Bürgermeister

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Yannick Lowin
  • Angela Weiß

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 26. Juni 2020, 18:06 Uhr