Was sagt die Talfahrt in Wolfsburg über Werders Ex-Coach Kohfeldt aus?

Florian Kohfeldt schaut frustriert am Spielfeldrand
Bisher glücklos in Wolfsburg: Florian Kohfeldt hat mit dem VfL wettbewerbsübergreifend die letzten acht Spiele verloren. Bild: Imago | Revierfoto

Acht Niederlagen in Folge und ein noch schlechterer Punkteschnitt als in der vergangenen Saison in Bremen. Ist Florian Kohfeldt überschätzt oder einfach ein Pechvogel?

Florian Kohfeldt hat in Bremen schon für viele Diskussion gesorgt und mit der Zeit schieden sich an ihm die Geister. Wurde Kohfeldt an der Weser einfach lange maßlos überschätzt, weil viele den Coach sympathisch fanden? Oder waren die Bedingungen bei Werder am Ende so schlecht, dass selbst ein überaus talentierter Trainer wie Kohfeldt nicht mehr rausholen konnte? Auch buten un binnen ging im vergangenen April dieser Frage nach.

Damals zeichnete sich ab, dass Kohfeldt in Bremen keine Erfolgsgeschichte mehr schreiben wird. Bei einem anderen Klub mit besseren Möglichkeiten, so glaubten viele, könnte es aber besser laufen und er sein ganzes Potenzial entfalten. Diese Chance kam für Kohfeldt am 26. Oktober, als der VfL Wolfsburg ihn als neuen Trainer vorstellte. Dieser ist ein Topklub, der in dieser Saison in der Champions League gestartet ist und über einen mit zahlreichen Nationalspielern gespickten Kader verfügt.

Einbruch nach Aufbruchstimmung

Bis jetzt läuft es bei den Niedersachsen mit Kohfeldt überhaupt nicht. Dabei verlief der Start verheißungsvoll. "Zu Beginn war die Stimmung durchaus positiv, weil Kohfeldt eloquent und sehr offen an die Aufgabe herangegangen ist", erzählt Thomas Hiete, der für den "kicker" über den VfL Wolfsburg berichtet. "Er hat Aufbruchstimmung erzeugt und ist mit drei Siegen gestartet." Zum Auftakt gelang Kohfeldt mit dem VfL ein 2:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen. Auch in der Champions League gegen Salzburg (2:1) und in der Bundesliga gegen Augsburg (1:0) gewannen die Wolfsburger, ehe sie brachial einstürzten. Wettbewerbsübergreifend haben sie nun acht Spiele in Folge verloren. Sechs in der Bundesliga und zwei in der Champions League, aus der sie mittlerweile ausgeschieden sind.

Kohfeldt bejubelt den Sieg in Leverkusen.
Auftakt geglückt: Das erste Spiel mit dem VfL gewann Kohfeldt in Leverkusen. Bild: Imago | Horstmüller

Die Zahlen schauen desaströs aus. Kohfeldts Vorgänger Mark van Bommel holte mit dem Team in der Bundesliga immerhin noch 1,44 Punkte pro Spiel. Der Ex-Bremer kommt nur auf 0,78 Punkte pro Partie. Selbst bei Werder (0,94) hatte er in der vergangenen Saison noch einen besseren Schnitt. "Wir werden einen anderen VfL Wolfsburg sehen", hatte Kohfeldt vor der Winterpause angekündigt. Mit etwas Vorbereitung sollte der Turnaround gelingen. Am Sonntag enttäuschten die Wolfsburger aber erneut und verloren mit 0:1 beim Aufsteiger VfL Bochum. Werden aktuell also alle bestätigt, die schon bei Werder lange nicht mehr an Kohfeldts Können geglaubt haben?

Die Probleme in Wolfsburg bestanden wohl schon vorher

Damit machen es sich einige vielleicht zu einfach. Kohfeldt wies in Wolfsburg rasch darauf hin, dass es Schwierigkeiten gibt, die bereits vor seinem Start in der Autostadt bestanden. "Kohfeldt ist die Aufgabe nicht blauäugig angegangen, sondern hat die Probleme sehr frühzeitig aufgezeigt", erklärt "kicker"-Experte Hiete. Diese seien das Wegbrechen von Intensität und Mentalität in dieser Saison und die offenbar mangelnde Hierarchie im Team.

Vieles, was schiefläuft, hat Kohfeldt nicht zu verantworten. Er hat es aber auch noch nicht geschafft, die Wende einzuleiten.

Thomas Hiete, Experte für den VfL Wolfsburg beim "kicker"

Folgt schon bald das Aus?

Die Niederlagenserie sorgt natürlich auch beim VfL für Diskussionen über Kohfeldt. Spekuliert wird, dass seine Zeit dort im Falle einer Niederlage am Samstag gegen Hertha BSC bereits nach nicht einmal drei Monaten wieder enden könnte. Für Hiete wäre dies der falsche Schritt, denn in der Vorbereitung habe der Coach dem Team seine Spielidee nochmal nähergebracht. "Es käme einer Selbstaufgabe des Klubs gleich", falls die Wolfsburger sich nun bereits wieder von Kohfeldt trennen. "Sie müssen es jetzt erst einmal mit ihm durchziehen", so Hiete.

Kohfeldt trägt weiter ein W auf der Brust: Wolfsburg statt Werder

Bild: Imago | Regios24

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Autor

  • Karsten Lübben Redakteur und Autor