Kommentar

Werder braucht Kohfeldt und Kohfeldt braucht Werder – noch

Momentan dürfte der 38-Jährige zufrieden mit seiner Aufgabe in Bremen sein, meint unser Autor Yannick Lowin. Künftig könnten Kohfeldts Ansprüche aber steigen.

Video vom 16. Februar 2021
Sportblitz-Reporter Lowin steht vor dem Weser-Stadion
Bild: Radio Bremen

Die Werder-Geschäftsführung sollte sich die Spekulationen um Gladbach und Kohfeldt entspannt ansehen. Denn Werder braucht zwar Kohfeldt, aber Kohfeldt braucht auch Werder.

Klar, die Bremer häufen gerade Millionenschulden an wegen der Corona-Pandemie. Also müssen Spieler verkauft werden. Niemand ist unverkäuflich. Aber was ist mit dem Trainer? Und wieviel würde Werder für Kohfeldt bekommen? Zwei, drei Millionen? Unwahrscheinlich, dass der Club seinen Trainer-Musterschüler für ein paar Milliönchen abgibt. Werder-Boss Klaus Filbry sagt dementsprechend auch in der "Bild"-Zeitung: "Wir gehen davon aus, dass wir noch lange zusammenarbeiten."

Diese Sicherheit hat Werder im Sommer 2019 geschaffen: da haben sie Kohfeldt mit einem Vertrag bis 2023 ausgestattet. Der war gerade Trainer des Jahres geworden, hätte das Team fast in die Europa League geführt und weckte schon erste Begehrlichkeiten. Kohfeldt sagte damals: "Aber ich bin kein Typ, der einen Vertrag unterschreibt und dann ein Jahr später sagt: das war's. Ich würde gerne bis 2023 den Vertrag erfüllen, wenn Werder Bremen es auch möchte."

Kohfeldt weiß den Vertrauensbeweis zu schätzen

Werder wollte das bisher und hat an Kohfeldt festgehalten, selbst nach der desaströsen Hinrunde in der vergangenen Saison. Damals hatte Werder im letzten Heimspiel des Jahres mit 0:5 zu Hause gegen Mainz verloren und stand zur Winterpause auf dem vorletzten Tabellenplatz. Ein riesiger Vertrauensbeweis, den Kohfeldt zu schätzen weiß.

Werder-Finanzchef Klaus Filbry lächelt.
Ist überzeugt, dass Florian Kohfeldt den Bremern noch lange erhalten bleibt: Werder-Finanzchef Klaus Filbry. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach dem Fast-Abstieg in der letzten Saison käme Kohfeldt angeschlagen nach Gladbach. Und auch aktuell ist er nur Trainer einer mittelmäßigen Mannschaft, die mittelmäßigen Fußball spielt und deshalb zurecht irgendwo im Mittelfeld der Tabelle steht. In Gladbach wäre der Druck ein anderer, das klare Ziel dort: die Champions League. Die anderen Kandidaten bei der Borussia kämen da mit besseren Argumenten: Jesse Marsch, Trainer von Red Bull Salzburg, hat den Club bereits zweimal in die Champions League geführt. Oder Gerardo Seoane, amtierender Meister und Pokalsieger mit den Young Boys Bern in der Schweiz. Und Kohfeldt sagt ohnehin, dass er kein Kandidat ist.

Ich bin Trainer von Werder Bremen. Das bin ich sehr gerne und aus vollem Herzen. Und alles andere muss man nicht kommentieren.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Florian Kohfeldt ist ehrgeizig, hat immer einen klaren Plan im Fußball, aber sicher auch, was die Karriere anbelangt. Im Moment dürfte ihm das Projekt Werder reichen. Hier kann er sein Team, aber auch sich selbst weiterentwickeln. Nach 2023 sieht es schon anders aus. Da wäre er mit 40 Jahren zwar immer noch jung für einen Trainer, aber schon reif für einen neuen Club. Und erst dann dürfte es heißen: Werder braucht Kohfeldt, aber Kohfeldt braucht Werder nicht mehr.

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Autor

  • Yannick Lowin Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 16. Februar 2021, 18:06 Uhr