Kohfeldts Fehler und die Konsequenzen für Werders Zukunft

Werder-Coach Florian Kohfeldt hat auf der Pressekonferenz am Freitag Fehler eingestanden. Doch was könnte sich in der kommenden Saison bei den Bremern wirklich ändern?

Kohfeldt steht am Spielfeldrand.
Werder-Coach Florian Kohfeldt hat auf der Bremer Pressekonferenz am Freitag Fehler in der vergangenen Saison eingestanden. Bild: Imago | Pressefoto Rudel/Robin Rudel/Pool/gumzmedia/nordphoto

Was am Freitagmittag im Pressekonferenz-Raum von Werder vonstatten ging, war durchaus bemerkenswert. Vor allem, als nach knapp 30 Minuten Florian Kohfeldt sein Statement abgab. In einer Branche, die für gewöhnlich kaum Fehler verzeiht, druckste der Bremer Coach nicht lange rum. Offen gab der Coach zu, in der vergangenen Saison den ein oder anderen Bock geschossen zu haben. Die Trainingssteuerung, räumte Kohfeldt ein, habe er in der Sommervorbereitung falsch betrieben. Daher sei es in der Folge zu den vielen Verletzungen gekommen. Zugleich verschaffte er seinen Zuhörern einen kleinen Einblick in die internen Querelen bei Werder und gestand, seiner Mannschaft nicht immer die richtigen Mittel mit auf den Platz gegeben zu haben. Doch welche Konsequenzen könnte Kohfeldt für die Zukunft aus seinen Fehlern ziehen?

1 Verletzungen durch eine falsche Trainingssteuerung

Der Werder-Kader glich in der vergangenen Saison lange einem Lazarett. Oftmals stand Kohfeldt bei der Aufstellung seines Teams vor einem Puzzle. Wichtige Leistungsträger musste er immer wieder ersetzen. Zugleich stellten sich Fans, Ex-Spieler und Journalisten in Bremen die Frage, weshalb Werder so von Verletzungen geplagt wird? Mit Pech allein konnte dies nicht mehr begründet werden. Für die Misere übernahm der Coach am Freitag die Verantwortung. In der Vorbereitung, so Kohfeldt, habe er versucht, den athletischen Status der Mannschaft zu verbessern, "um gewisse Dinge im Spiel besser umzusetzen". Dabei sei es zu einer Fehleinschätzung gekommen. Kohfeldt war davon ausgegangen, dass die Mannschaft dafür bereit sei. Schnell zeigte sich, dass diese es nicht war.

Die Trainingssteuerung und die daraus folgende Überbelastung liegt in der letzten Verantwortung immer bei mir. Dementsprechend ist die Trainingssteuerung etwas, insbesondere die in der Vorbereitung im Sommer, das mir als verantwortlichem Trainer in der Form nicht mehr passieren darf.

Werder-Coach lächelt in die Kamera.
Florian Kohfeldt

Mögliche Konsequenzen:

Max Kruse und Florian Kohfeldt laufen zusammen auf den Trainingsplatz.
Max Kruse war bei Werder das Sprachrohr der Mannschaft. Brauchte das Team eine Pause, teilte er dies laut Sportchef Frank Baumann dem Coach Florian Kohfeldt mit. Bild: Imago | Nordphoto

Aus diesem Fehler des Übereifers dürfte Kohfeldt rasch lernen. Dieser machte bisher ohnehin nie den Eindruck, beratungsresistent zu sein. Sportchef Frank Baumann erklärte bereits vor einigen Monaten, dass mit Max Kruse nicht nur ein Ausnahmespieler, sondern ein Sprachrohr der Mannschaft den Klub verlassen hatte. Kruse habe Kohfeldt auch mal darauf hingewiesen, wenn des Team eine kleine Pause benötigte. Neben dem üblichen Monitoring zur Belasterungssteuerung dürfte der Coach also auch noch aktiver Rückmeldungen aus der Mannschaft einfordern. Diese könnten zukünftig an Kohfeldt auch durch eine Art Teammanager übermittelt werden. Ein solcher würde als Schnittstelle zwischen dem Team und den Verantwortlichen agieren. Den Bremern schwebt dabei ein Posten vor wie ihn bei Borussia Dortmund Ex-Profi Sebastian Kehl besetzt.

2 Grabenkämpfe im "Team um das Team"

Kohfeldt ließ deutlich durchblicken, dass es im "Staff", also im "Team um das Team" lange nicht gepasst hat. Gemeinsam mit Sportchef Baumann habe er dabei zuvor versucht, "maximale Fachkompetenz" zu Werder zu holen. Hierbei sei zu Beginn der Saison die Teamfähigkeit des Teams um das Team aber auf der Strecke geblieben. Zu Veränderungen kam es dabei schon im Laufe der Saison.

Der neue Teamarzt Dr. Benjamin Schnee kam erst im Sommer, verließ Bremen Ende Oktober aber bereits wieder. Laut Vereinsangaben waren private Gründe hierfür ausschlaggebend. Getrennt hat Werder sich Ende Februar zudem von Chef-Physiotherapeut Uwe Schellhammer, der ebenfalls erst vor der Saison zu Werder kam. Auch Sportpsychologe Andreas Marlovits musste nach vier Jahren gehen. Athletiktrainer Axel Dörrfuß wurde in den Jugendbereich versetzt. Diese steten Nebenkriegsschauplätze zerrten am Coach, wie dieser am Freitag zugab.

Mich persönlich hat dies unheimlich viel Kraft gekostet. Es gab sehr, sehr viele Runden, Momente und Gespräche, um zu schlichten. Die haben vielleicht in einigen Momenten den Fokus von dem abgelenkt haben, was meine Hauptaufgabe ist – Trainer einer Bundesliga-Mannschaft zu sein.

Werder-Coach lächelt in die Kamera.
Florian Kohfeldt

Mögliche Konsequenzen:

Ilia Gruev senior spielt im Training einen Pass.
Ilia Gruev kam erst vor der Saison als neuer Co-Trainer zu Werder. Bild: Imago | Nordphoto

Mit seinen 37 Jahren ist Kohfeldt noch ein junger Trainer. Und Werder ist ein Klub, in dem es prinzipiell deutlich harmonischer zugeht als an manch anderem Bundesliga-Standort. Der aufreibende Zank dürfte daher dafür sorgen, dass Kohfeldt zukünftig bei der Verpflichtung neuer Mitarbeiter nicht nur auf die fachliche Qualifikation, sondern vermehrt auch auf die menschliche Kompatibilität achten wird. Spannend wird daher sein, zu welchen Änderungen es im Sommer noch im Trainerteam kommt. "Wir werden mögliche Umverteilungen und Umbesetzungen in meinem engsten Team besprechen", so Kohfeldt. Der erste Kandidat für einen Abgang ist dabei wohl Co-Trainer Ilia Gruev. Dieser kam vor der Saison mit der Reputation, als Cheftrainer bereits in der 2. Liga beim MSV Duisburg gearbeitet zu haben. Gruev sollte sich bei Werder um die Standardsituationen kümmern. Eine Aufgabe, die Kohfeldt ihm nach steten Gegentoren nach ruhenden Bällen wieder abnahm.

3 Zu zaghaft in den Strafräumen

Die Kritik an den fußballerischen Darbietungen seines Teams fiel Kohfeldt schwer. Die Bremer, erklärte er, würden auf dem Platz von ihrer taktischen Flexibiliät leben. Voraussetzung für diese sei allerdings die körperliche Fitness. Ebenjene Flexibilität habe aufgrund der Verletztenmisere aber über weite Strecken gefehlt.

Wir hatten mehrere Spiele, wo wir für uns gesagt haben: 'Wir würden gerne andere taktische Herangehensweisen wählen.' Aufgrund unserer Situation waren sie aber nicht möglich. Das war ein großes Problem.

Werder-Coach lächelt in die Kamera.
Florian Kohfeldt

Sobald Kohfeldt den Kader hingegen "einigermaßen zur Verfügung hatte", befand dieser sein Team im Spiel gegen den Ball als "solide Bundesliga-Mannschaft". Nicht gut sei allerdings das Verteidigen im eigenen Strafraum gewesen. "Das ist ein Thema, das wir dringend angehen müssen. Und das vielleicht auch für meine Trainingsplanung eine höhere Bedeutung haben sollte", so Kohfeldt. Zugleich monierte dieser, dass seinem Team im gegnerischen Strafraum zu häufig die Effektivität gefehlt habe.

Mögliche Konsequenzen:

Florian Kohfeldt und Niclas Füllkrug verlassen gemeinsam den Trainingsplatz und unterhalten sich.
Bleibt Niclas Füllkrug (rechts) in der kommenden Saison fit, ist der Stürmer ein Kandidat für zehn bis 15 Saisontore. Bild: Imago | Nordphoto

Eine erhöhte Flexibilität dürfte bereits mit einer verringerten Anzahl an Verletzungen einhergehen. Gelingt Kohfeldt eine bessere Trainingssteuerung, wird er auch über mehr taktische Waffen auf dem Platz verfügen. In der Innenverteidigung wäre die Verpflichtung eines zweikampfstarken Verteidigers mit guter Antizipation ratsam. Zumal der 34-jährige Kapitän Niklas Moisander in der Saison deutlich an Qualität eingebüßt hat. Bleibt Niclas Füllkrug fit, ist dieser im Angriff beinahe eine Garantie für zehn bis 15 Tore. Eine interessante Personalie wird Davie Selke sein. Gelingt den Bremern kein kreatives Transfermodell, bei dem sie ihren Verlust minimieren, muss Kohfeldt den Stürmer zwingend wieder in Form bringen. Zur Bremer Flexibilität könnte dann auch gehören, ein Modell mit zwei klassischen Mittelstürmern einzustudieren.

Werders Misere: "Kohfeldt übernimmt die komplette Verantwortung"

Video vom 10. Juli 2020
Sportblitz-Reporter Jan-Dirk Bruns als Gesprächsgast im Studio von buten un binnen.
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 10. Juli 2020, 18:06 Uhr