Wie Ex-Werderaner Kevin Schindler auf den Färöer für Furore sorgt

Als spielender Co-Trainer holte der Delmenhorster mit dem "FC Bayern der Inselgruppe" das Double. Mit seiner Karriere ist er zufrieden, auch ohne großem Bundesliga-Durchbruch.

Video vom 8. Dezember 2020
Eine Nahaufnahme von Ex-Werder Profi Kevin Schindler.
Bild: Importer

Anfang Mai 2007 ist Werder mittendrin im Titelkampf. Die Konkurrenten heißen Stuttgart und Schalke, Bayern liegt abgeschlagen hinter den drittplatzierten Bremern. Zwei Spieltage vor Saisonende treffen die Grün-Weißen auf Hertha und schlagen die Hauptstädter deutlich mit 4:1. In der Schlussphase leistet Trainer Thomas Schaaf sich sogar den Luxus, seinen Torjäger Miroslav Klose zu schonen und wechselt ihn aus. Herein kommt Nachwuchs-Stürmer Kevin Schindler. Zwar sollte dem damals 18-Jährigen der große Durchbruch bei Werder verwehrt bleiben, dafür sorgt der gebürtige Delmenhorster inzwischen abseits der großen Fußball-Bühne für Furore: Als Co-Trainer feierte er mit seinem Team HB Torshavn, dem "Bayern München der Färöer-Inseln", wie Schindler sagt, sowohl den Gewinn der Meisterschaft als auch des Pokal.

Das ist schon etwas Außergewöhnliches, egal wo es ist. Ob auf den Färöer-Inseln, in Holland oder in Deutschland. Dass es gleich auf Anhieb geklappt hat, freut mich umso mehr.

Kevin Schindler im Gespräch mit dem Sportblitz

Auch in anderer Funktion hat der 32-Jährige seinen Anteil am Erfolg des Teams: Weil seiner Mannschaft zwischenzeitlich die Spieler ausgingen, schnürte Schindler, der seine Karriere eigentlich bereits beendet hatte, selbst noch mal die Fußballschuhe. In acht Partien kam er zum Einsatz. Einmal war er sogar als Torschütze erfolgreich für das Team, bei dem er seit Anfang des Jahres an der Seitenlinie steht. Zustande gekommen ist der Kontakt über Mike Tullberg, den Trainer der U23-Auswahl von Borussia Dortmund. Tullberg wollte Schindler eigentlich für die zweite BVB-Mannschaft verpflichten, doch der Wechsel zerschlug sich. Stattdessen vermittelte er den Ex-Bremer zum färischen Topklub, mit dessen Trainer er bekannt ist.

Ich wollte im Fußball bleiben, das war das Wichtigste, um den Spielern die Erfahrung, die ich gesammelt hatte, weiterzugeben. Ich bin immer recht abenteuerlustig und für vieles offen gewesen und fand die Aufgabe sehr spannend.

Kevin Schindler im Gespräch mit dem Sportblitz

In seiner Spielerlaufbahn war Schindler ein klassischer Wandervogel: Für neun verschiedene Mannschaften war er am Ball, unter anderem auch in den USA und den Niederlanden. Zudem spielte er in mehreren Junioren-Auswahlteams, etwa in der deutschen U21, für die er in zwölf Partien zwei Treffer erzielte. Obwohl er zu Beginn seiner Karriere für Werder sogar auf internationalem Parkett mitmischte, war er in seiner Heimat vor allem in der 2. und 3. Liga aktiv. Enttäuscht ist er darüber jedoch nicht, im Gegenteil: "Ich blicke frohen Mutes darauf zurück, dass alles, was ich gemacht habe, positiv war", erzählt Schindler. Zwar gebe es immer wieder Momente, in denen er sich die "Was wäre wenn-Frage" stelle. Jedoch wisse er auch: "Man kann sehr schnell sehr hochgejubelt werden, aber auch schnell wieder fallen." Gerade an seine Werder-Jahre erinnere er sich mit Freude: "Wenn ich am Weser-Stadion vorbeifahre, blicke ich auf viele tolle Momente zurück."

Ex-Werderaner Kevin Schindler lächelt in die Kamera
Wechselte im Alter von elf Jahren zu Werder und blieb bis 2011 bei den Grün-Weißen: Kevin Schindler. Bild: Radio Bremen

Mittlerweile fühlt er sich aber auch auf den Färöer pudelwohl. "Es ist alle idyllischer und ruhiger hier", erzählt Schindler, der in seinem neuen Umfeld ruhiger und reflektierter geworden sei. Zudem sei er von der färöischen Landschaft, der Kultur und von den Menschen, sowie ihrem familiären Umgang fasziniert. "Jeder hilft jedem, das mag ich", sagt der 32-Jährige, der mit Angeln und Wandern auch zwei neue Hobbys für sich entdeckt hat. Das Wetter hingegen macht ihm immer noch zu schaffen: "In Norddeutschland ist es ja immer nasskalt, aber auf den Färöer-Inseln ist es schon noch ein bisschen härter", so Schindler. Alle Trainer zögen sich daher stets zwei Trainingsanzüge über und gingen nie ohne Schal und Handschuhe auf den Platz. "Man friert sich den Allerwertesten ab, aber es macht unglaublich viel Spaß."

Reich werde man auf den Färöer nicht

Vom Niveau her sei die höchste färöische Spielklasse mit dem unteren Bereich der 3. Liga in Deutschland zu vergleichen, sagt Schindler. Kurzum: "Man wird dort nicht reich", so Schindler, der bereits die deutsche C-Lizenz als Trainer vorweisen kann. Als nächstes nimmt er den A-Schein ins Visier, mit dem er auch einen Bundesligisten trainieren dürfte. Auch eine Rückkehr zu Werder könne er sich vorstellen: "Warum nicht? Ich bin offen für vieles", wiederholt Schindler und lächelt.

Kurswechsel bei Werder: Der Blick geht nach unten

Video vom 7. Dezember 2020
Werders Ersatzspieler auf dem Weg zum Trainingsplatz.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Mehr zum Thema:

Autoren

  • Janna Betten Redakteurin und Autorin
  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. Dezember 2020, 18:06 Uhr