Nur Fliegen ist schöner: Johannes Eggestein besiegelt Werder-Sieg

Werder-Profi Johannes Eggestein gilt als großes Talent. Wie groß hat er bei seinem Kurzauftritt gegen Wolfsburg wieder bewiesen – mit seinem ersten Bundesliga-Treffer.

ein Bild des Werder-Spielers Johannes Eggestein.

Und dann hob er ab. Johannes Eggestein breitete seine Arme aus und rannte los. Der 20 Jahre junge Werder-Profi wusste gar nicht wohin mit sich und seiner übersprudelnden Freude. Er hatte getroffen, zum ersten Mal in seiner noch so frischen Karriere. Sein anderthalb Jahre älterer Bruder Maximilian fing ihn schließlich ein und teilte diesen wichtigen Moment mit ihm. "Mein Bruder hatte mir schon erzählt, wie das so ist, in der Bundesliga zu treffen", erzählte Johannes Eggestein später, "ich bin froh, dass ich mir dieses Gefühl jetzt auch erarbeitet habe – es fühlt sich einfach superschön an."

Pizarro legt perfekt in den Lauf vor

Maximilian Eggestein bejubelt Arm in Arm mit seinem Bruder Johannes Eggestein dessen erstes Bundesliga-Tor gegen Wolfsburg.
Brüderlicher Torjubel: Maximilian (links) und Johannes Eggestein. Bild: Imago | Nordphoto

Erst in der 83. Minute war Johannes Eggestein am Freitagabend gegen Wolfsburg eingewechselt worden, da verteidigten die Bremer gerade noch mit Mühe die knappe 1:0-Führung. Keine drei Minuten später legte ihm Claudio Pizarro den Ball perfekt in den Lauf und der Youngster schob ihn an VfL-Keeper Koen Casteels vorbei ins Netz. Das Duo aus ältestem und halb so altem Werder-Profi hatte das 2:0 und den Sieg über die "Wölfe" besiegelt. Pizarro war zwei Tage nach seinem 40. Geburtstag in der 75. Minute ins Spiel gekommen und hatte sofort frischen Wind in Bremer Spiel gebracht. Umso mehr freute auch Pizarro sich über seinen Assist und Eggesteins Debüt-Treffer.

Claudio hat mich direkt danach in den Arm genommen und mir gesagt, dass ich es gut gemacht habe. Und ich habe mich natürlich für den super Pass bei ihm bedankt.

Johannes Eggestein über Claudio Pizarro
Pizarro und Johannes Eggestein liegen sich nach dem Treffer in den Armen.
Dank vom 20-jährigen Eggestein (links) an den 40-jährigen Pizarro. Bild: Imago | nordphoto

Werder-Trainer Florian Kohfeldt freute sich besonders mit seinem Schützling. "Das ist einfach schön, ich habe mich extrem gefreut", meinte er, "er hat sich belohnt für ganz viele Stunden, die er hart gearbeitet hat. Den Tag soll er genießen. Er ist einfach ein toller Junge."

Und dieser tolle Junge, der so extrem fleißig und akribisch arbeitet, gilt als großes Talent des Vereins. Dass Johannes Eggestein schnell dieses Etikett verpasst bekam und somit hohe Erwartungen an den Youngster gestellt wurden, gefiel Kohfeldt jedoch nicht. "Es wurde erwartet, dass er in seinem zweiten A-Jugend-Jahr bei den Profis die Bundesliga zerschießt. Das ist Schwachsinn", betonte der Trainer: "Vor dieser Erwartungshaltung wollte ich den Jungen ein bisschen schützen."

"Das Rampenlicht hat er sich verdient"

Doch Kohfeldt hatte den Eindruck, dass Johannes Eggestein nun soweit ist. Drei Kurzeinsätze hatte er bereits vor dem Wolfsburg-Spiel und stand in allen Partien der Saison im Kader. Und das sei, wie Kohfeldt extra betonte, "bei uns inzwischen gar nicht mehr so einfach". Der Coach hatte den 20-Jährigen von seiner angestammten Position als Mittelstürmer in den vergangenen Wochen umgeschult, damit er auf der Außenbahn spielt – und gegen Wolfsburg untermauerte Johannes Eggestein, dass er sich auf der neuen Position richtig wohl fühlt und dazu torgefährlich ist.

Er ist einer für die Zukunft, aber auch einer, der jetzt schon aufblitzen lässt, was in ihm steckt. Dass Johannes Eggestein auf diesem Weg nicht die Bodenhaftung verliert, da ist sich Kohfeldt absolut sicher: "Jetzt steht er mal im Rampenlicht und das hat er sich verdient. Und wie ich ihn kenne, wird er morgen trotzdem hier im Kraftraum sein, obwohl frei ist."

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Bundesliga, 5. Oktober 2018, 20 Uhr