Auf einmal läuft bei Werder wenig

Der schöne Lauf der Bremer, er ist dahin. Trainer Florian Kohfeldt will die Länderspielpause dazu nutzen, Werders Lage nach dem erneuten Rückschlag zu analysieren.

Kohfeldt brüllt und gestikuliert mit weit ausgebreiteten Armen an der Seitenlinie.
Konnte nicht fassen, wie leicht die Gegentore fielen: Für Florian Kohfeldt ist es die erste Niederlagenserie als Bundesliga-Trainer. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Noch bevor Florian Kohfeldt am frühen Samstagabend zur Pressekonferenz in den Katakomben des Weser-Stadions erschien, hatte er seine Spieler in der Kabine zu einer Besprechung zusammengeholt. Es war keine Standpauke, das betonte Kohfeldt später deutlich. Das wäre nach der verdienten 1:3-Schlappe gegen Borussia Mönchengladbach eigentlich gar nicht so abwegig gewesen. Doch Kohfeldt wird lieber dann mal etwas lauter, wenn seine Spieler denken, es sei doch alles in Ordnung. Kohfeldt geht immer seinen eigenen Weg. Und so wollte er nach der dritten Niederlage in Folge auch kein Straftraining verordnen oder ähnliche Sanktionen verhängen. "Das wäre völliger Humbug", meinte der Werder-Trainer, "ich wollte einfach kurz ein paar Dinge besprechen, bevor alle auseinander laufen."

Denn ab Sonntag wartet die nächste, leidige Länderspielpause, in der viele Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind. Doch dieses Mal sagte Kohfeldt: "Ich bin gar nicht so unfroh darüber: mal durchatmen, die Situation analysieren." Und es gibt vieles zu analysieren, der schöne Schwung vom Saisonstart ist dahin. Werder ist nach elf Spielen Siebter der Tabelle mit 17 Punkten, und das ist "immer noch eine gute Situation", betonte Kohfeldt. Doch die drei Niederlagen in Serie mit insgesamt elf Gegentoren sind alarmierend, Werder ist irgendwie aus dem Tritt gekommen. Statt nach der Klatsche gegen Leverkusen doppelt wachsam zu sein, kassierten die Bremer am Samstag laut Kapitän Max Kruse "drei dumme Gegentore", bei denen sie sich "schlafmützig" angestellt hatten.

"Können es schaffen – aber nur über das Kollektiv"

Moisander, Rashica und Johannes Eggestein schauen enttäuscht nach der Niederlage.
Enttäuschung pur: Niklas Moisander (von links), Milot Rashica und Johannes Eggestein mit hängenden Köpfen nach dem Abpfiff. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Fatale individuelle Fehler häufen sich bei Werder, die Defensive steht mitunter so wackelig wie zu den schlimmsten Bremer Zeiten. "Heute wurde uns sehr genau aufgezeigt, was uns in bestimmten Phasen noch fehlt", sagte Kohfeldt. Drei Gegentore innerhalb von 15 Minuten hatte seine Mannschaft eingesteckt: "So etwas darf uns nicht passieren. Diese Momente killen uns." Werder benötigt zu hohen Aufwand, um sich Torchanden zu erarbeiten und agiert oft unbedarft beim Verteidigen. Alassane Pléa, Gladbachs Neuzugang, kaufte Werder mit seinen drei Treffer quasi im Alleingang den Schneid ab. An die individuelle Klasse des 23-Millionen-Euro-Mannes kommt man bei den Grün-Weißen nicht ganz heran. Doch Kohfeldt bleibt fest überzeugt vom Kurs auf Europa: "Ich will, dass wir das Ziel beibehalten, denn wir können das schaffen – aber nur über das Kollektiv."

Zusammenhalten, zusammenbleiben, das sei jetzt entscheidend, sagte Kohfeldt. Gemeinsam "hinter der Idee stehen". Der Idee, dass sie es nach Europa schaffen können, wenn sie mutig sind und ans Limit gehen. Momentan gelingt ihnen das nicht. Komisch sei das, fügte der Werder-Coach etwas nachdenklich hinzu, man spiele mit einer Spitzenmannschaft wie Gladbach auf Augenhöhe und liegt trotzdem 0:3 zurück. Warum das so ist, gilt es für ihn nun zu ergründen. Denn wissen tut es Kohfeldt nicht. Auch für ihn ist die Situation neu. Erstmal hat er als Bundesliga-Trainer drei Spiele am Stück verloren. Der Druck wird langsam größer, doch Kohfeldt will sich nicht verrückt machen lassen. "Auch ich muss jetzt bei mir bleiben", sagte er, "übertriebene Emotionen bringen nichts." Und dann erzählt er, wie er schon einmal mit Werders U23 zehn Spiele in Folge nicht gewonnen hatte. "Der Unterschied ist: Da habe ich mit Baumi geredet habe und nicht mit 15 Journalisten." Nicht nur für Werder ist diese Phase ist eine Bewährungsprobe, auch für Florian Kohfeldt.

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 10. November 2018, 18:45 Uhr