Interview

Werder-Durchstarter Gruev: "Habe die Qualität, Stammspieler zu werden"

Video vom 4. Oktober 2021
Werder-Spieler Ilia Gruev schlägt eine Flanke.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nach zwei Startelfeinsätzen in Folge hofft Ilia Gruev auf seinen Durchbruch bei Werder. Wie er das schaffen will, verrät er im Interview mit dem Sportblitz.

In der Ostkurve des Weser-Stadions fühlt sich Iliva Gruev zu Hause. Als Jugendspieler hat er im Werder-Internat gewohnt, direkt unterm Kurvendach. Nun, als 21-Jähriger, ist er bei den Profis angekommen: Nach mehreren Kurzeinsätzen und einem längeren Einsatz im Derby gegen den Hamburger SV stand Gruev sowohl gegen Dynamo Dresden als auch gegen den 1. FC Heidenheim in der Startelf. Der Bulgare hat also geschafft, wofür er einst nach Bremen gekommen ist: Er ist Stammspieler bei Werder. Wie sich das anfühlt und was seine weiteren Ziele mit den Grün-Weißen sind, erzählt er im Interview mit dem Sportblitz.

Herr Gruev, beim 3:0-Heimerfolg gegen Heidenheim haben Sie erstmals von Beginn an im Weser-Stadion gespielt. Was war das für ein Gefühl, als Sie vor 30.000 Zuschauern eingelaufen sind?
Es war ein mega Moment für mich. Ich weiß noch genau, wie ich die Spiele von oben immer angeguckt und mitgefiebert habe. Jetzt dort selber zu spielen, ist ein ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. 
Sie sind in den letzten fünf Spielen zum Einsatz gekommen, in den letzten beiden über 90 Minuten. Inwieweit haben Sie das eigentlich schon verarbeitet?
Noch nicht so ganz. Das wird noch ein bisschen dauern, bis man das alles versteht und wertschätzen kann. Heutzutage geht im Fußball alles so schnell, von daher wird wohl erst in ein paar Wochen der Moment kommen: Okay, jetzt geht das los!
Haben Sie mal daran gezweifelt, dass es für Sie bei Werder nicht klappen könnte?
Gezweifelt nicht, auf keinen Fall. Ich glaube, in diesem Geschäft darfst du das auch gar nicht, weil es dich sonst runterzieht. Aber es gab auf jeden Fall den Gedanken, mir etwas Neues zu suchen. Deswegen freut es mich umso mehr, dass es geklappt hat und ich momentan viele Spielminuten bekomme.
Welchen Anteil trägt Werder-Trainer Markus Anfang daran, dass Sie jetzt so richtig zum Zuge kommen?
Der Trainer hat mir einfach eine faire Chance gegeben. Nach dem Ausfall von Grosso (Christian Groß, Anm. d. Red.) hat er gesagt: 'Du wirst jetzt spielen, es wird an dir liegen, du musst dich zeigen.' Und darum ging es mir immer: Dass mir jemand eine Chance gibt, mich zu beweisen. Und die Chance muss ich jetzt nutzen. 
Werder-Spieler Ilia Gruev grätscht einen Ball weg.
Kam in der laufenden Saison schon fünfmal zum Einsatz: Ilia Gruev (links). Bild: Gumzmedia/Nordphoto | Andreas Gumz
Wie steht der Kontakt zu ihrem Vater, der Co-Trainer bei Arminia Bielefeld ist? Meldet er sich bei Ihnen nach Ihren Einsätzen?
Ich habe einen sehr, sehr engen Kontakt zu meinem Papa. Wir telefonieren täglich und natürlich rede ich mit ihm nach den Spielen über meine Situationen. Er sagt mir, was gut, was nicht so gut war. Das ist für mich ein riesiger Vorteil.
Wie war das eigentlich für Sie, als Ihr Vater als Co-Trainer bei Werder gearbeitet hat: Hilfreich oder belastend?
Dadurch dass ich schon seit fünf Jahren hier war, als er dazukam, kam nie der Gedanke, dass ich wegen meines Vaters hier bin. Er hat mir im Training viel geholfen, aber am Anfang war es schon merkwürdig. Ich kannte das nicht, mit meinem Papa zusammen zu arbeiten, aber das hat sich sehr schnell gelegt. 
Sie haben jetzt die Chance, sich bei Werder festzuspielen. Wie wollen Sie das schaffen?
Indem ich aggressiv und mutig bin, und zeige, was ich kann. Ich bin der Überzeugung, dass ich die Qualität habe, mich langfristig zu etablieren und Stammspieler zu werden. Das ist mein Ziel. 
Was glauben Sie, was ist drin für Werder in dieser Saison?
Wir wollen auf jeden Fall oben mitspielen, im besten Fall aufsteigen, denn wir sind Werder Bremen. Die letzten zwei Jahre waren sehr, sehr schlecht, das muss man einfach so sagen, aber Werder ist immer noch ein riesiger Verein und so müssen wir auch auftreten. Jeder hat Angst, wenn er hier ins Weser-Stadion kommt oder wenn wir irgendwo hinfahren.

(Das Interview führte Dino Bernabeo. Aufgezeichnet von Helge Hommers.)

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Autor

  • Dino Bernabeo Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 3. Oktober 2021, 19:30 Uhr