Dieser Sieg tat Werder richtig weh

Werder gewann gegen Hoffenheim mit 1:0, aber pfiff am Ende auf dem letzten Loch. Etliche Spieler holten sich Beulen und Blessuren – Gebre Selassie fällt wohl ganz aus.

Theodor Gebre Selassie liegt rücklings auf dem Rasen und hält sich das schmerzende rechte Knie.
Bitter: Nach 24 Minuten war die Partie für Gebre Selassie nach einer Knieverletzung wieder beendet. Bild: Imago | Eibner

Die Hiobsbotschaft hatte Trainer Florian Kohfeldt bereits am Freitagnachmittag nach dem Abschlusstraining erreicht. Sein Kapitän Max Kruse meldete sich ab, er würde nicht mitfahren können nach Sinsheim. Der lädierte Oberschenkel, der den 30-Jährigen seit dem Liga-Spiel gegen Bayern München plagte, streikte nun endgültig.

Es sind die Nachwirkungen des Tritts, den er gegen die Bayern abbekommen hat. Das Hämatom drückt immer noch auf den Muskel, er konnte nicht sprinten. Und ohne Sprints geht es nicht.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt über Max Kruses Verletzung

Ausgerechnet sein bester Mann fehlte Kohfeldt also im schweren Auswärtsspiel gegen Hoffenheim. Ein Spiel, das Werder unbedingt gewinnen musste.

Und die schlechten Nachrichten mehrten sich: Nachdem Spielmacher Davy Klaassen bereits gelb-gesperrt ersetzt werden musste, meldete sich auch noch Stürmer Martin Harnik erkrankt ab. Der Ausflug in den Kraichgau stand unter keinem guten Stern.

Gebre Selassie verletzt sich früh

Milot Rashica wird von Werder-Betreuern vom Platz geführt.
Für Stürmer Milot Rashica ging es nach einer Stunde nicht mehr weiter. Die Ursache seines Unwohlseins ist noch unklar. Bild: Imago | Nordphoto

Und es sollte ein schmerzlicher Auftritt für die Bremer werden. Nicht nur, weil Hoffenheim den viel besseren Start in die Partie erwischte und Werder bloß Glück hatte, dass die Hausherren diverse Torchancen ungenutzt ließen. Denn nach nur 24 Minuten war die Partie für Theodor Gebre Selassie bereits beendet. Der tschechische Außenverteidiger hatte zuletzt an beiden Knien mit Stabilitätsproblemen gekämpft, nachdem der 32-Jährige bis auf den vergangenen Spieltag in allen Pflichtspielen der Saison im Einsatz gewesen war. Die Patellasehne schmerze ihn, ließ Werder verlauten. Denn Gebre Selassie war im Zweikampf unglücklich im Rasen hängen geblieben. Ob er für das Saisonfinale gegen Leipzig wieder fit wird, ist fraglich. Der Tscheche ist ohnehin ausgepowert, hatte es gegen Hoffenheim noch einmal unbedingt versuchen wollen, weil es um so viel ging. Doch dann ging es nicht mehr.

Auch bei Milot Rashica nicht. Nach einer Stunde war der Akku leer beim Kosovaren, der sich im Vorfeld der Partie wohl einen Virus oder eine leichte Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte. Für die kluge Vorlage auf Johannes Eggestein, der den entscheidenden Siegtreffer zum 1:0 (39. Minute) besorgte, reichte Rashicas Kraft noch. Dann schleppte er sich vom Feld und Claudio Pizarro kam für ihn rein. Die gute Nachricht war: Der 40-Jährige hielt problemlos durch.

Am Ende wurde es ruppig

Osako liegt mit Schmerzen auf dem Rasen und hält sich den linken Fuß.
Machte ein gutes Spiel, doch wurde auch hart vom Gegner attackiert: Yuya Osako. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Doch die Partie wurde nickliger, härter und teilweise unschöner. Maximilian Eggestein und Joelinton gerieten an der Seitenlinie aneinander. Je näher der Abpfiff kam, desto dünnhäutiger wurden die Spieler – und umso ruppiger wurde es. Schiedsrichter Bastian Dankert verteilte auf beiden Seiten reihenweise Gelbe Karten. Yuya Osako, der Kruses Part sehr achtbar übernahm, blieb in der zweiten Halbzeit dauernd auf dem Rasen liegen. Der Japaner wurde von den Hoffenheimern hart angegangen.

Ein "wildes Spiel" sei es am Ende gewesen, analysierte Kohfeldt später, der seine Emotionen am Spielfeldrand auch nur schwer bändigen konnte. Aber Werder hing sich rein in dieses Spiel, wollte es scheinbar mehr, als die Männer von Julian Nagelsmann. Es war eine hauchdünne Führung, die leicht zum Unentschieden hätte kippen können. Doch die Bremer stemmten sich dagegen. Mit letzter Kraft. Angeschlagen, mit Beulen an den Beinen. Aber am Ende mit drei Punkten in der Tasche.

Die letzten zehn, zwanzig Minuten war es nur noch ein leidenschaftliches Kämpfen. Wir sind einfach sehr glücklich.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Auch Kevin Möhwald hielt bis zum Ende durch. Nach einer Stunde war er umgeknickt, humpelte, doch Kohfeldt hatte sein Wechselkontingent bereits ausgeschöpft. Möhwald biss auf die Zähne. "Ich bin heute wirklich stolz", sagte er: "Dass wir das Fehlen von Max Kruse gut aufgefangen haben, zeigt, dass wir als Mannschaft intakt sind." Und obwohl die Bremer nach dem Abpfiff auf dem letzten Loch pfiffen, hatten sie doch sehr viel mehr Glück als der Hoffenheimer Nadiem Amiri: Er wurde am Ende der ersten Halbzeit auf einer Trage vom Platz gebracht, später bestätigte sich der Verdacht eines Bänderrisses.

Werder-Angreifer Max Kruse mit Werder-Trainer Florian Kohfeldt auf dem Trainingsplatz.
Beim Abschlusstraining teilte Max Kruse (links) Trainer Florian Kohfeldt mit, dass er gegen Hoffenheim passen musste. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 11. Mai 2019, 18:30 Uhr