Europa-Funke glimmt: Werder zwischen beben und brennen

Werder bekommt sein Endspiel um Europa gegen Leipzig. Doch obwohl die Chance minimal ist, setzt Trainer Kohfeldt auf Macht des Grün-Weißen Rückhalts.

Pizarro mit leidenschaftlicher Geste inmitten seiner Teamkollegen nach dem Sieg gegen Hoffenheim.
Werders ultimativer Heißmacher: Claudio Pizarro (3. von rechts) will es unbedingt in die Europa League schaffen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Florian Kohfeldt konnte sich am späten Samstagnachmittag glücklich schätzen, denn sein Wunsch war in Erfüllung gegangen. Mit dem 1:0-Sieg gegen Hoffenheim hatten es die Bremer geschafft, sie bekommen am Samstag ihr Endspiel um Europa beim Saisonfinale gegen RB Leipzig.

Jetzt haben wir ein richtiges Endspiel. Ein Finale, in dem wir immer noch der absolute Underdog sind. Aber ich kann Ihnen versprechen, nächste Woche wird das Stadion in Bremen noch einmal beben.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Und Werder wird jede Unterstützung brauchen, die man bekommen kann. Denn die Ausgangslage hat sich nicht verbessert. Die Bremer sind Tabellenneunter mit 50 Punkten und einer Tordifferenz von acht. Nur noch Platz sieben wäre für Werder machbar, "auch wenn wir es nicht mehr in der eigenen Hand haben", meinte Torschütze Johannes Eggestein. Wolfsburg liegt mit 52 Punkten auf eben diesem siebten Rang und Hoffenheim als Achter mit 51 Punkten und einer weit besseren Tordifferenz von 20.

"Das Stadion wird brennen"

Florian Kohfeldt schreit und gestikuliert an der Seitenlinie.
Hat das Endspiel bekommen, das er sich gewünscht hat: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Imago | Thomas Frey

Selbst wenn Werder auch die Leipziger bezwingt, könnte es ein Sieg ohne Wert sein. Das ist Kohfeldt bewusst. Doch das ist für ihn nicht das Wichtigste. "Auf dem Zettel hatten sie uns alle nicht mehr, aber wir sind wieder da", betonte er, "wir sind die ganze Saison immer dran geblieben und immer wieder aufgestanden." Und der Lauf der Bremer in der Rückrunde ist bemerkenswert, doch Werder ließ auf diesem Wege auch regelmäßig gegen vermeintlich schwächere Teams wichtige Punkte liegen. Punkte, die in diesem Endspurt um die Europa League nun vielleicht fehlen.

Aber das Szenario könnte trotzdem kaum besser sein für die Bremer. "Wir wollten, dass es am letzten Spieltag noch um was geht", meinte Kevin Möhwald: "Solche Spiele sind einfach geiler und das Stadion wird brennen. Die Fans machen sicherlich ein Riesen-Theater." Die geballte Unterstützung der Werder-Fans haben sie natürlich, das ist so in Bremen. Und sie haben Spieler in ihren Reihen, die noch brennen. Wie einen Claudio Pizarro, ihren Chef-Motivator. Ihren Besser-Macher. "Heute kam es sehr auf die Mentalität an und die haben wir gezeigt", meinte der Peruaner, "jetzt sind wir wieder voll dran und voll drin und haben das Endspiel – wir werden alles geben." Der 40-Jährige sowieso, wenn man ihn lässt.

Ein letztes Aufbäumen

Doch viele Bremer Spieler sind angeschlagen, ausgepowert. Gegen Hoffenheim pfiff Werder am Ende auf dem letzten Loch. Doch die Mannschaft wird sich gegen Leipzig sicherlich noch einmal aufbäumen, die letzten Kräfte mobilisieren mit der grün-weißen Wand im Rücken. Zwischen beben und brennen. Davon ist auszugehen. Dass die Mühe aber noch reichen wird, ist trotzdem unwahrscheinlich. Es könnte nach einer Saison mit dem großen Ziel von Europa so sein, dass man zwar erst auf der Zielgerade daran scheitert. Aber mit einem Gefühl, als wäre einem der Bus vor der Nase weggefahren. Doch Kohfeldt will von Scheitern und Enttäuschung nichts hören.

Ich möchte bewusst am Anfang dieser Woche klarstellen: Selbst wenn es am Ende nicht für Europa reicht. Wir haben 50 Punkte gesammelt und standen im Halbfinale des DFB-Pokals. Ich würde mir wünschen, dass alle dieser Mannschaft nach dem Abpfiff nächsten Samstag gratulieren."

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 11. Mai 2019, 18:30 Uhr