Dirigent Sahin stellt Kohfeldt vor ein echtes Luxus-Problem

Bei Werder gehört Philipp Bargfrede eigentlich zu den klaren Stammspielern. Doch am bärenstarken Nuri Sahin kann der Bremer Trainer aktuell einfach nicht vorbeikommen.

Nuri Sahin gibt im Spiel gegen Hertha BSC Kommandos.
Beim 1:1 gegen Hertha BSC war Nuri Sahin der beste Bremer auf dem Platz. Defensiv verteidige er geschickt, offensiv leitete er clever die Angriffe ein. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Lange hatte er seine Wahl offen gelassen. Selbst auf der Pressekonferenz am Donnerstag hatte Florian Kohfeldt noch nicht entschieden, ob er gegen Hertha BSC Nuri Sahin oder Philipp Bargfrede im defensiven Mittelfeld in die Startelf stellen würde. "Ich will euch ja auch nicht anlügen", sagte er mit einem Augenzwinkern in Richtung der Journalisten. Für eine Überraschung sorgte er am Samstag allerdings nicht. Sahin, der bisher eine klasse Saison spielt, durfte beginnen. Bargfrede, der lange verletzt fehlte, saß zunächst auf der Bank.

Und schnell zeigte sich, dass Kohfeldt mit seiner Entscheidung richtig lag. Sahin lieferte wieder mal eine starke Partie ab. Wenn die Berliner den Ball hatten, dachte er defensiv. Rasch ließ er sich dann zwischen die Innenverteidiger Milos Veljkovic und Christian Groß fallen und machte damit die Mitte dicht. Hatte Werder den Ball, schaltete er sich in die Offensive ein. Durch kluge Pässe dirigierte der Türke das Bremer Spiel und bereitete damit auch die Chance von Leonardo Bittencourt in der 22. Minute vor.

Nuri hat sehr gut gespielt. Mit dem Ball hat er viele Aktionen für uns initiiert. Gegen den Ball war er sehr wach.

Florian Kohfeldt nach dem 1:1 gegen Hertha BSC

Sahin hat aktuell die Nase vorn

Trotzdem wechselte Kohfeldt in der 81. Minute Sahin für Abräumer Bargfrede aus. Das 1:1 wollte er damit aber nicht absichern. Stattdessen sollte noch einmal etwas für die Offensive getan werde, wie Werders Trainer nach dem Spiel erklärte. Das hörte sich im ersten Moment kurios an, ist aber nachvollziehbar. Da Bargfrede jetzt als klarer Sechser verteidigte, konnten sich Maximilian Eggestein und Davy Klaassen mehr um das Spiel nach vorne kümmern.

Philipp Bargfrede wird für Nuri Sahin eingeechselt.
Schichtwechsel: Nach 81 Minuten kam Philipp Bargfrede für Nuri Sahin ins Spiel. Bild: Imago | Nordphoto

Dieses Jobsharing kann auf Dauer aber weder Sahin noch Bargfrede zufriedenstellen. Sahin dürfte es nach seinen bisherigen Leistungen kaum zu erklären sein, wieder auf der Bank Platz nehmen zu müssen. Bargfrede wiederum war bisher immer Stammspieler bei Werder. Jetzt nimmt er eine ungewohnte Rolle ein. Für Kohfeldt ergibt sich dadurch ein echtes Luxus-Problem. Mit einem Fingerzeig stellt er aber klar, dass Sahin auch in den kommenden Wochen häufig die Nase vorn haben wird.

Mit Sicherheit wird Bargi (Philipp Bargfrede, Anm. d. Red.) in den nächsten Wochen mal von Anfang an spielen. Nuri wird ziemlich sicher sehr häufig von Anfang an spielen. Er spielt bisher eine Top-Saison.

Florian Kohfeldt nach dem 1:1 gegen Hertha BSC

Spielen gegen Leverkusen beide?

Ein großes Fass möchte Kohfeldt deswegen nicht aufmachen. Das Thema möchte er bewusst kleinhalten. Am liebsten, erklärt er, würde er ohnehin immer mit beiden spielen. Aber er spiele eben auch gerne mit Maximilian Eggestein, Davy Klaassen, Milot Rashica oder einem Benjamin Goller. Dennoch ist ihm klar, dass das Thema eine gewisse Brisanz besitzt. Bereits zu Wochenbeginn habe er deshalb mit Bargfrede gesprochen.

Und für diesen könnte bereits am Samstag (18:30 Uhr) gegen Bayer Leverkusen wieder die Startelf locken. Dann nicht für, sondern mit Sahin. Taktisch könnte dies durchaus Sinn ergeben. Gegen die hoch verteidigenden Leverkusener könnte Sahin mit klugen Bällen aus der Tiefe für die wichtigen Umschaltmomente sorgen. Bargfrede wiederum könnte sich mit seiner Zweikampfstärke um Bayers Ausnahmespieler Kai Havertz kümmern. Gegen viele Gegner in diese Bundesliga macht diese Kombination aber weniger Sinn. Kohfeldt wird sich also noch häufig entscheiden müssen.

Werder und das Plus an Qualität

Die Werder-Spieler beim gemeinsamen Warmlaufen vor dem Training.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 19. Oktober 2019, 18:45 Uhr