Warum Werder sich nun den HSV als Vorbild nehmen sollte

Die Hamburger haben gleich zweimal gezeigt, wie man trotz eines Unentschiedens im Hinspiel als Sieger aus der Relegation hervorgeht.

Werders und Heidenheims Spieler liefern sich Wortgefechte.
Alles oder nichts: Im Hinspiel zwischen Werder und Heidenheim ging es im Weser-Stadion zwischenzeitlich hoch her. Bild: Gumzmedia | Marvin Ibo Güngör/GES/Pool/via gumzmedia/nordphoto

Immerhin keine Niederlage, immerhin zu Null: Will man etwas Positives aus Werders torlosem Unentschieden gegen den 1. FC Heidenheim im Relegations-Hinspiel ziehen, sind das wohl die beiden einzigen Aspekte. Spielerisch wussten die Bremer nämlich alles andere als zu überzeugen. Doch dass die Grün-Weißen am Donnerstag im Weser-Stadion ohne Gegentor geblieben sind, könnte im Rückspiel noch Gold wert sein. Ähnlich sieht es auch Werder-Coach Florian Kohfeldt.

Von uns war es zu wenig. Der einzige Vorteil ist, dass es 0:0 zur Halbzeit steht. Heidenheim hat kein Auswärtstor geschossen. Wir haben am Montag ein Finale. Wir müssen ein Auswärtstor schießen und uns unglaublich steigern.

Werder-Coach Florian Kohfeldt

Die Ausgangslage könnte also schlimmer sein: Gelingt Werder am Montag (20:30 Uhr) in Heidenheim nur ein eigener Treffer, reicht sogar ein Unentschieden für den Klassenerhalt. Ein Blick in die Relegations-Historie zeigt: Werder sollte sich ein Vorbild am Hamburger SV nehmen. Ausgerechnet der große Rivale der Bremer hat es gleich zweimal geschafft, trotz eines Unentschiedens im Hinspiel noch die Klasse zu halten – auch wenn sich die Hamburger dabei alles andere als mit Ruhm bekleckerten.

27 Punkte reichen zum Klassenerhalt

Mit nur 27 Punkten erreichte der HSV in der Saison 2013/14 so gerade noch die Relegation. Dort trafen sie auf die SpVgg Greuther Fürth. Im Hinspiel, das in der Hamburger Imtech-Arena stattfand, waren die Fürther zu Beginn das bessere Team. Nach der Pause drehte der HSV auf, am Ende trennten sich die Teams dennoch mit einem 0:0-Unentschieden. Im Rückspiel in Bayern ging der Favorit nach einem Kopfballtor von Pierre-Michel Lasogga bereits nach einer Viertelstunde in Führung. Zwar gelang Fürth nach einer knappen Stunde der Ausgleich, doch es blieb beim 1:1, was dank der mehr erzielten Auswärtstore den Klassenerhalt für den damaligen Bundesliga-Dino bedeutete. Für Aufsehen sorgte der so ausgelassene wie provokante Jubel von Lasogga vor der Fürther Ersatzbank nach Abpfiff.

Diaz rettet den HSV in allerletzter Sekunde

In der folgenden Saison sollte alles besser werden in Hamburg, der Abstiegskampf aus dem Vorjahr nur ein Ausrutscher gewesen sein. Doch es kam anders: Mit großem Glück rettete sich der HSV in die Relegation, wo das Team gegen den Karlsruher SC antrat. Schon nach vier Minuten ging der KSC im Hinspiel in der Imtech-Arena durch Rouwen Hennings in Front. Eine Viertelstunde vor Abpfiff glich Ivo Illicevic aus, aber für den HSV war die Ausgangslage vor dem Rückspiel angesichts des kassierten Auswärtstores alles andere als günstig.

HSV-Spieler Marcelo Diaz bejubelt sein Tor.
Hamburgs Marcelo Diaz traf im Relegations-Rückspiel gegen den Karlsruher SC in der Nachspielzeit zum umjubelten 1:1-Ausgleich. Bild: Imago | Sportfoto Rudel

Bei der zweiten Partie im Wildparkstadion passierte lange Zeit so gut wie nichts. Knapp zehn Minuten vor Abpfiff traf jedoch Karlsruhes Reinhold Yabo zum 1:0. Die Hamburger brauchten unbedingt einen Treffer und erhielten in der Nachspielzeit einen, gelinde gesagt, diskutablen Freistoß am gegnerischen Sechzehner. Der Chilene Marcelo Diaz nahm den Ball und machte Kapitän Rafael van der Vaart mit den Worten "Tomorrow, my friend, tomorrow" (auf Deutsch: „Morgen, mein Freund, morgen“) klar, wer den Freistoß ausführen würde, bevor er ihn in den Winkel zirkelte. Danach ging es in die Verlängerung, in der HSV-Stürmer Nicolai Müller das 2:1 und damit das entscheidende Tor zum Klassenerhalt erzielte. Auch einige Werder-Fans dürften sich noch gut an das Rückspiel und vor allem den umjubelten Ausgleichstreffer von Diaz erinnern – allerdings wohl mit eher gemischten Gefühlen.

Stündliches Werder-Glockenspiel vor dem letzten Heimspiel

Video vom 2. Juli 2020
Glockenspiel Böttcherstraße
Bild: Imago | Shotshop

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 3. Juli 2020, 18:06 Uhr