Bundesliga gegen 2. Liga: Die Statistik spricht für Werder

Für gewöhnlich setzt sich in der Relegation der Erstligist durch. Auch Werder ist gegen Heidenheim der Favorit. Dennoch sollten die Bremer gewarnt sein.

Mehrer Werder-Spiele liegen sich jubelnd in den Armen.
Für Werders Spieler geht es in den Relegations-Duellen gegen den 1. FC Heidenheim um alles: Entweder steigen sie ab oder sie halten die Klasse. Bild: Gumzmedia | Marvin Ibo GŸngšr/GES/Pool/via gumzmedia/nordphoto

Ein einziges Mal ist Werder in seiner Vereinsgeschichte abgestiegen. Das war im Jahr 1980. In der Saison darauf stiegen die Bremer gleich wieder in die Bundesliga auf, wo sie – trotz einiger Tiefen – in den folgenden vier Jahrzehnten jede Spielzeit aufs Neue die Klasse hielten. Der lange als "Provinzklub" belächelte 1. FC Heidenheim wiederum schaffte im Jahr 2013 erstmals den Aufstieg in die 2. Liga. Seitdem etablierten sich die Baden-Württemberger Jahr für Jahr mal mehr, mal weniger im Mittelfeld der Tabelle. Wenn die beiden Vereine nun in der Relegation aufeinander treffen, sind die Bremer nicht nur wegen des größeren Namens der Favorit: Im Kampf um die Bundesliga behält in der Regel der Erstligist die Oberhand – allerdings gilt auch in diesem Fall: Ausnahmen bestätigen die Regel.

1982 bis 1991

Erstmals ausgetragen wurden die Entscheidungs-Spiele im Jahr 1982, als man die beiden Staffeln der bis dahin zweigleisigen 2. Liga zu einer Spielklasse zusammenlegte. Zuvor hatten die Vizemeister der Nord- und der Südstaffel den dritten Aufsteiger noch unter sich ausgespielt. Mit der Zusammenlegung erfolgte die Einführung der Relegation, die bis zum Jahr 1991 über Aufstieg und Abstieg entschied.

Zehnmal trafen der 16. der Bundesliga und der Dritte der 2. Liga in diesem Zeitraum aufeinander. Siebenmal setzte sich der Erstligist durch, nur dreimal jubelte der Außenseiter. Besonders häufig war der 1. FC Saarbrücken vertreten: Gleich dreimal forderten die Saarländer als Zweitliga-Vertreter den Bundesliga-16. heraus, nur ein einziges Mal stiegen sie auf. Letzter Relegations-Gewinner waren die Stuttgarter Kickers, die im Jahr 1991 gegen den Erstligisten FC St. Pauli sowohl im Hin- als auch im Rückspiel ein Unentschieden erkämpften. Im Entscheidungsspiel gewannen sie schließlich mit 3:1 und machten den Aufstieg perfekt.

2009 bis heute

Nach Abschaffung der Relegation stiegen am Ende jeder Saison aus der Bundesliga drei Mannschaften ab, während aus der 2. Liga drei Teams den Aufstieg feierten. Zur Saison 2008/09 führte die Deutsche Fußball Liga die Relegation wieder ein. Nicht alle Klubs – und vor allem Fans – waren glücklich damit: Zum einen gibt es zwischen den Ligen ein enormes Leistungsgefälle, weshalb die beiden Partien meistens David-gegen-Goliath-Duelle sind. Zum anderen können die Alles-oder-Nichts-Spiele den Ausgang der Saison komplett ins Gegenteil verkehren. Davon profitiert häufig der Erstligist, der so aus einer schlechten eine annehmbare Spielzeit macht. Für den unterlegenen Zweitligisten endet hingegen eine tolle Saison mit einem Negativerlebnis.

HSV-Spieler Marcelo Diaz bejubelt sein Tor.
Ein in der Nachspielzeit verwandelter Freistoß von Marcelo Diaz (links) brachte den HSV im Jahr 2015 in die Verlängerung des Relegations-Rückspiels. Bild: Imago | Sportfoto Rudel

Seit der Wiedereinführung der Relegation setzte sich in acht von elf Duellen der Erstligist durch. Jeweils zweimal profitierten der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg von der Chance, eine Katastrophen-Saison über Umwege wieder gerade zu biegen. In Erinnerung blieb vor allem das Relegations-Rückspiel zwischen dem HSV und dem Karlsruher SC aus dem Jahr 2015. In der Nachspielzeit erhielt der mit einem Tor zurückliegende HSV einen unberechtigten Freistoß, den der selten überzeugende Marcelo Diaz über die Mauer ins Netz schlenzte. In der Verlängerung traf der damalige Bundesliga-Dino erneut und hielt die Klasse.

Werder sollte sich aber nicht zu sicher fühlen, dass die Relegation für den Erstligisten ein Selbstläufer ist. Bestes Beispiel dafür ist der VfB Stuttgart: In der vergangenen Saison war der mit diversen aktuellen oder ehemaligen Nationalspielern gespickte Ex-Meister haushoher Favorit gegen Union Berlin. Doch der Underdog trotzte den Stuttgartern auswärts ein 2:2 ab. Ein torloses Remis im eigenen Stadion reichte für die Überraschung, die Eisernen stiegen erstmals ins Fußball-Oberhaus auf. Die Bremer sind also gewarnt.

Relegation: Werder trifft auf Heidenheim

Video vom 28. Juni 2020
Ein Pullover-Ärmel mit dem Logo des FCH Heidenheim Fußballclubs.

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. Juni 2020, 18:06 Uhr