Besondere Geste — Friedl widmet Werder-Tor seinem toten Freund

Video vom 2. Oktober 2021
Marco Friedl bejubelt mit Romano Schmid seinen Treffer gegen Heidenheim und zeigt mit der Hand dabei den Buchstaben "L" an.
Bild: Nordphoto / Kokenge / Gumzmedia
Bild: Nordphoto / Kokenge / Gumzmedia

Eben noch der Buhmann, nun söhnte sich Marco Friedl mit seinem 1:0-Treffer gegen Heidenheim endgültig mit den Werder-Fans aus — dachte dabei aber an jemand anderen.

Falls jemand für den Freitagabend im Weser-Stadion ein Drehbuch geschrieben hatte, dann hätte man wohl kein besseres Happyend dafür finden können. Marco Friedl, jener Spieler, der sich vor einem Monat noch von Werder wegstreiken wollte und in Ungnade gefallen war, schoss gegen Heidenheim das wichtige 1:0 in der 50. Minute — und das direkt vor der Ostkurve.

Ein allerletzter Akt der endgültigen Versöhnung also mit den Bremer Fans, die erstmals wieder in voller Stärke ins Stadion kommen durften. Doch der 23-jährige Österreicher gedachte mit diesem erlösenden Treffer seinem verstorbenen Freund: Beim Torjubel griff sich Friedl ans Herz und formte mit seiner linken Hand den Buchstaben "L".

Das ist für einen guten Freud in Österreich, der leider vor etwa zehn Tagen von uns gegangen ist. Er hieß Lucas und deshalb war der Anfangsbuchstabe 'L' für ihn.

Werder-Torschütze Marco Friedl in der ARD

"Super Timing, super Tor"

Ein wunderbares Tor mit besonderer Widmung, und es war wie perfekt einstudiert. Marvin Ducksch lupfte den Freistoß direkt auf Friedls linken Fuß und der brauchte nur noch abzuziehen und direkt durchzulaufen zum gemeinsamen Jubel mit den Werder-Fans in der Ostkurve.

Ich habe gesehen, dass Milos einen Laufweg angetäuscht hat und ich habe kurz Augenkontakt mit Marco gehalten — super Timing, super Tor.

Werder-Spieler Marvin Ducksch bei Sky über das 1:0 von Marco Friedl

Vorbereiter Ducksch betonte nach der Partie, dass Friedl innerhalb der Mannschaft voll akzeptiert sei und niemand ein Problem mit seiner Wechselabsicht hatte. Dafür hatte sich der Österreicher längst entschuldigt, auch bei den Fans. Umso mehr konnte sich Friedl über sein wichtiges Tor freuen, für das er im Weser-Stadion mit Sprechchören gefeiert wurde. "Es ist schön, dass ich nach den turbulenten Wochen mit dem 1:0 ein bisschen das Eis brechen konnte."

Auch Anfang hat Friedl verziehen

Marco Friedl wirft sein Werder-Trikot nach dem Spiel gegen Heidenheim einem Fan im Weserstadion zu.
Einen Werder-Fan noch glücklicher gemacht: Marco Friedl verschenkte nach dem Spiel sein Trikot. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Auch für Trainer Markus Anfang ist der Fall Friedl schon länger abgehakt, obwohl er ihn erst in der Vorwoche gegen Dresden wieder spielen ließ. "Marco ist 23 Jahre alt. Dass der nicht alles richtig macht, muss man akzeptieren", sagte Anfang in der ARD: "Er hat sich mehrfach dafür entschuldigt und es heute mit Leistung zurückgezahlt. Manchmal ist es auch Schicksal, dass etwas so passiert. Mich freut das Tor für ihn, aber noch mehr für die Mannschaft." Friedl selbst sah das ähnlich.

Die Geschichte war für mich schon unter der Woche durch. Ich habe offen darüber gesprochen, mich auf Instagram entschuldigt und die Fans haben mir eine gute Rückmeldung gegeben. Da war das Ding für mich gegessen.

Werder-Torschütze Marco Friedl in der ARD

Der schwache Auftritt gegen Dresden war im Freudentaumel des Weser-Stadions vergessen und die Fans hatten den Buhmann mit offenen Armen wieder aufgenommen. Ein Happyend für Friedl und Werder, man darf auf das nächste Kapitel im Drehbuch gespannt sein.

Werder-Trainer Anfang: "Das war wichtig für alle Bremer im Stadion"

Video vom 2. Oktober 2021
Werder-Trainer Markus Anfang im Interview nach dem Spiel gegen Heidenheim.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 1. Oktober 2021, 18:30 Uhr