Interview

Heidenheims Busch: "Ich habe bei Werder meine Chance verpasst"

Marnon Busch – in Bremen herangezogen, blüht in Heidenheim auf

Bild: Imago | Sportfoto Rudel

Marnon Busch stammt aus der Bremer Jugend, hat an der Weser aber nicht den Durchbruch geschafft. Am Samstag (20:30 Uhr) spielt er gegen seinen Ausbildungsklub.

Herr Busch, bei Werder haben Sie unter Robin Dutt zunächst regelmäßig gespielt, doch unter seinem Nachfolger Viktor Skripnik waren Sie außen vor. Weshalb hat es in Bremen für Sie auf Dauer nicht geklappt?
Ich glaube, dass ich damals vom Kopf her noch nicht genug Profi war. Ich hatte auch ein bischen Pech mit Verletzungen, aber das war nicht der Hauptgrund. "Werder Bremen, Bundesliga-Verein und mit allem was man hat, den Profi-Lifestyle zu leben" – dafür war ich noch nicht bereit. Man muss es so sagen: Die Chance, die ich damals in Bremen hatte, habe ich verpasst.
Sie kommen aus Stade und somit aus einer Stadt, in der auch der HSV viele Fans hat. Weshalb hat es Sie dennoch nach Bremen gezogen?
Der HSV hat mich damals als Gastspieler zu einem Turnier in Luzern eingeladen. Das hat mir auch viel Spaß gemacht. Danach hatte ich noch die Möglichkeit, mit Werder zu einem Turnier nach Südkorea zu fliegen. Das habe ich auch gemacht, und das war auch richtig geil. Beim Nord-Cup habe ich dann als Gastspieler für Werder gegen den HSV gespielt und wir haben mit 7:0 oder 8:0 gewonnen. Das war für mich der Moment, an dem ich gesagt habe: "Okay, ich will nicht bei denen spielen, die wir so hoch geschlagen haben." Das Drumherum bei Werder war einfach viel besser.
Gibt es noch Kontakte zu Werder-Spielern?
Den ein oder anderen kenne ich. Mit Niclas Füllkrug habe ich noch zusammengespielt. Wir haben uns zuletzt noch im Urlaub auf Kreta getroffen. Da lief er mir am Pool über den Weg (lacht).
Marnon Busch grätscht im Spiel gegen den VfB Lübeck 2013. Niclas Füllkrug schaut zu.
Marnon Busch (bei der Grätsche) und Niclas Füllkrug haben einst zusammen für Werder gespielt. Hier liefen sie im September 2012 für die 2. Mannschaft gegen den VfB Lübeck auf. Bild: Imago | ZweiKameraden
Mittlerweile sind Sie in Heidenheim gelandet. Wie würden Sie dort Ihre Rolle im Team beschreiben?
Ich bin ein Teil der Viererkette. Ich glaube, dass das starke Verteidigen bei uns die Basis ist. Das ist uns in den letztem Jahren immer gut gelungen. In der Mannschaft bin ich zudem der Kassenwart, also der Geldeintreiber in der Kabine. Das ist ein undankbarer Job, weil du den Jungs die Kohle aus den Taschen ziehen musst (lacht). Meine Rolle ist ansonsten die wie von jedem anderem bei uns auch. Hier steht keiner besonders im Vordergrund. Jeder muss sein Maximales in die Waagschale werfen. Das hat jeder verstanden. Wenn wir das Woche für Woche tun, haben wir die Chance, erfolgreich zu sein. Anders geht es einfach nicht.
Gegen Werder haben Sie sowohl 2020 in der Relegation als auch beim 0:3 im Hinspiel in dieser Saison verloren. Gibt es Revanchegelüste?
Nein, auf gar keinen Fall, ich will einfach nur das Spiel gewinnen. Die Relegation ist für mich abgehakt. Werder ist damals wegen der Auswärtstorregelung in der Bundesliga geblieben. Fertig, aus, das ist Geschichte. Im Hinspiel haben wir ein gutes Spiel gemacht, uns dann aber in drei Minuten drei Dinger gefangen. Mit dem Schwung, der dann auch kam, sind wir ein bisschen untergegangen. Das gilt es, dieses Mal zu verhindern. Aber Revanchegelüste habe ich nullkommanull. Seit ein paar Spielen haben wir keinen Dreier mehr geholt. Das wollen wir am Wochenende unbedingt machen.
Kribbelt es bei Ihnen bereits?
Natürlich ist es immer etwas Besonderes gegen Werder, also gegen meinen Ausbildungsverein, zu spielen. Aber einfach nur aus dem Grund, dass Werder auch einfach ein geiler Verein ist. Es ist ein großer Verein, gegen den wir zu Hause spielen dürfen. Oliver Hüsing (stammt auch aus der Werder-Jugend, Anm. d. Red.) hat es in einem Interview perfekt beschrieben: "Der Tabellenführer kommt, abends, Flutlicht und dann auch noch der Ausbildungsverein." Mehr Kribbeln kann es gar nicht. Ich habe richtig Bock auf das Spiel.
Ist das Spiel für Ihr Team richtungsweisend, weil ohne einen Sieg der Anschluss nach oben verloren geht?
Da müssen wir aktuell auf die Bremse treten. In Hamburg haben wir eine richtig gute Leistung abgeliefert und kriegen zwei Dinger, darunter einen ungerechtfertigten Elfmeter und zack, verlieren wir das Ding mit 0:2. In Darmstadt führen wir mit 2:0 und fangen uns in wenigen Minuten drei Tore und verlieren. Wir belohnen uns nicht für die Arbeit und die Energie, die wir in die Spiele investieren. Am Wochenende geht es für uns darum, uns für unseren Aufwand zu belohnen. Wir wollen ein geiles Heimspiel abliefern.
Marlon Busch im Zweikampf gegen Darmstadt 98.
Bittere Partie für Marnon Busch und sein Team: Gegen Darmstadt gab es nach einer Führung noch eine Niederlage. Bild: Imago | Hmb-Media
Glauben Sie, dass Werder am Ende der Saison aufsteigt?
Ja, diese Serie kommt ja nicht von irgendwo her. Der Kader ist schon sehr, sehr gut. Auch die beiden Jungs da vorne machen sehr, sehr viel richtig. Wenn sich nicht der ein oder andere verletzt, glaube ich, dass Werder den Aufstieg schafft. Aber die 2. Liga ist verrückt. Und die 2. Liga ist eng. In jedem Spiel müssen 100 Prozent Bereitschaft und Leistung da sein. Wenn du das mal nicht mehr auf den Platz bekommst, wird es schwierig. Dann kannst du auch mal in Aue böse auf die Fresse kriegen. Für den Verein, die Stadt und die Fans würde ich mir wünschen, dass die Jungs den Aufstieg schaffen.
Werder hat schon einige Male Spieler zurückgeholt. Wäre es für Sie ein Traum, mit den Bremern nochmal in der Bundesliga spielen?
Jeder Spieler hat den Traum, in der Bundesliga zu spielen. Es wäre gelogen wenn ich sage: "Nein, das wünsche ich mir nicht." Aber ich bin jetzt hier und fühle mich in Heidenheim sehr wohl. Es ist eher ein Traum, mit diesem Klub aufzusteigen. Das wäre mit diesem gallischen Dorf ein Fußballwunder, ein Stück Geschichte.

(Das Interview führte Dino Bernabeo. Aufgezeichnet von Karsten Lübben.)

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  • Dino Bernabeo Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 11. März 2022, 18:06 Uhr