Die grün-weiße Welle rollt wieder: Werder schwimmt sich frei

Audio vom 1. Oktober 2021
Die Spieler von Werder Bremen stehen aufgereiht vor der vollbesetzten Ostkurve des Weserstadions und bedanken sich bei den Fans.
Bild: Imago | Foto2Press
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Mit 30.000 Fans im Rücken drehte Werder gegen Heidenheim in der 2. Halbzeit richtig auf. Der wichtige 3:0-Sieg wurde mit "La Ola" wie in besten Bremer Zeiten gefeiert.

Als schließlich die Welle aus grün-weißen, überglücklichen Fans durch die fast vollen Ränge des Weser-Stadions schwappte, da war die große Sehnsucht spürbar, die beide nacheinander gehabt hatten: Die Mannschaft nach ihrem treuen Anhang und die Werder-Fans nach den Glücksgefühlen beim Fußball-Abend im Weser-Stadion.

Die Stimmung gerade hinten raus war sensationell. Das ist Balsam auf die Wunden. Ich hatte das Gefühl, dass sich bei den Werder-Fans viel gelöst hat. Das brauchten wir mal.

Werder-Trainer Markus Anfang

Lange 587 Tage hatten beide aufeinander verzichten müssen, bis am Freitagabend endlich wieder jeder Platz im Weser-Stadion besetzt werden durfte. Und die Energie, mit der die 30.000 Fans die Atmosphäre elektrisierten, war genau das, was die verunsicherte Werder-Truppe gebraucht hatte.

"Absolute Gänsehaut-Atmosphäre"

Blick auf die Tribüne des Weserstadions, wo etliche Fans zur "La Ola" aufspringen.
Prächtige Stimmung auf den Rängen des Weser-Stadions nach der 3:0-Führung in der 2. Halbzeit gegen Heidenheim. Bild: Gumzmedia / Nordphoto

"Die Stimmung war der Wahnsinn, absolute Gänsehaut-Atmosphäre", beschrieb es Stürmer Marvin Ducksch hinterher, der die Bremer mit seinem Treffer zum 2:0 mit in die Erfolgsspur gebracht hatte. 80 Sekunden nach dem Führungstor von Marco Friedl stand das Weser-Stadion auf einmal Kopf: "Wir wollten den Fans etwas zurückgeben, das haben wir geschafft", freute sich Ducksch.

Die "Werder! Bremen!"-Rufe echoten durch das weite Rund und für einen Moment schien es, als seien die guten alten Zeiten der Grün-Weißen wieder angebrochen. Oder zumindest schwelgte man ein wenig in der Erinnerung. Denn die Realität sah nach zwei Niederlagen in Folge gegen Hamburg und Dresden mit 0:5 Toren gar nicht rosig aus für die Anfang-Truppe.

Der Funke sprang über

Für Werder ist es bisher ein Auf und Ab in der 2. Liga und mit Hilfe der Fans gelang gegen Heidenheim nun zumindest der Sprung von Platz zehn auf sechs. Von den einst großen Zeiten des Vereins ist man derzeit weit entfernt, aber nach anderthalb Jahren mit Geisterspielen, internen Streitigkeiten und der Unzufriedenheit über die schleppende Kaderzusammenstellung schienen zumindest die Fans im Weser-Stadion versöhnt. Mitsamt den drei Ultra-Gruppen, die ihr Comeback gaben.

"Wir haben die Fans sehr vermisst über die lange Zeit", betonte auch Friedl und diese hatten in der ersten Halbzeit viel Geduld mit ihrer Mannschaft bewiesen, die wieder partout das Tor nicht treffen wollte. Nach der Pause schaffte es Werder dann aber, "den Funken überspringen zu lassen", wie Trainer Markus Anfang es nannte.

"Wenn die Spieler wollen, können sie ein Bier trinken"

Mit dem Doppelpack und einem unglücklichen Eigentor der Gäste war der grün-weiße Party-Abend dann perfekt. Was der 3:0-Sieg wert gewesen ist, muss sich in zwei Wochen nach der Länderspielpause erweisen, doch für Anfang hatte dieser befreiende Abend mehr als nur eine sportliche Ebene: "Es hat auch etwas Gesellschaftliches, dass wir alle wieder etwas mehr leben können."

Die Rückkehr der Fans, die innige Beziehung, die so lange in der Ferne ausgelebt werden musste. Ein Stück Normalität war ins Weser-Stadion zurückgekehrt. Und das feierten die Fans und auch die Mannschaft ausgiebig - mit Erlaubnis des Trainers: "Wenn die Spieler heute ein Bier trinken wollen, können sie ein Bier trinken."

Werder-Trainer Anfang: "Das war wichtig für alle Bremer im Stadion"

Video vom 2. Oktober 2021
Werder-Trainer Markus Anfang im Interview nach dem Spiel gegen Heidenheim.
Bild: Radio Bremen
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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Die Fußball-Bundesliga, 1. Oktober 2021, 18:30 Uhr