Wird Werders Keeper zum "Pannen-Pavlenka"?

Bisher war Jiri Pavlenka Werders großer Rückhalt im Tor. Doch nun bröckelt die Fassade des Tschechen und es häufen sich die Patzer – auch gegen Gladbach.

Jiri Pavlenka springt Gladbachs Marcus Thuram an und dabei am Ball vorbei.
Komplett verschätzt: Werder-Torhüter Jiri Pavlenka rannte vor dem 0:2-Gegentor Gladbachs Marcus Thuram um. Bild: Imago | Moritz Müller

In Bremen hatten sie schon immer ein besonderes Faible für Torhüter. Da standen jahrelang Typen wie Dieter Burdenski, Oliver Reck, Frank Rost oder Tim Wiese zwischen den Pfosten. Allesamt kernige Kerle mit Herz und Schnauze, die von den Werder-Fans genau dafür geliebt und verehrt wurden. Auch wenn die Beziehung nicht immer einfach war. Mal waren sie Helden, mal Dösbaddel.

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"Fehler macht jeder mal", sagte Reck einst und er musste es wissen. Denn ganz gleich, dass er zwei Mal deutscher Meister und vier Mal Pokalsieger in seiner langen Karriere wurde und den Europapokal der Pokalsieger gewann – in Bremen wird Reck immer "Pannen-Olli" bleiben. Es kam vor, dass ihm der Ball schon mal durch die Hände, die Beine, sogar den Hosenbund rutschte. Mitunter waren die Patzer reiner Slapstick, irrwitzig spektakulär.

Noch keine Großchance vereitelt

Jiri Pavlenka fasst sich nach der Niederlage nachdenklich ins Gesicht.
Konnte sich bisher kaum auszeichnen: Jiri Pavlenka kassierte in dieser Saison bereits 24 Gegentore. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Solche Einlagen kannte man von Jiri Pavlenka, der nun seit 2017 das Werder-Tor hütet, eigentlich nicht. Nach Jahren haben die Bremer wieder einen richtig guten Torwart. Doch nach einer herausragenden vergangenen Saison spielt der 27 Jahre alte Tscheche bisher eine mäßige. Pavlenka kassierte schon 24 Gegentore – so viele wie Augsburg. Nur Mainz und Paderborn stehen noch schlechter da. In keiner Partie spielte Werder zu null.

In der vergangenen Saison war Pavlenka noch ein Spielentscheider im besten Sinne. 21 Großchancen vereitelte er, das war Ligabestwert. In dieser Spielzeit aber hat Pavlenka noch keine einzige Hundertprozentige abgewehrt. Zudem parierte er bisher nur 60 Prozent der Bälle auf seinen Kasten. Schlimmer noch: Pavlenka patzt.

Kohfeldt nimmt Pavlenka in Schutz

Gegen Gladbach passierte es am Sonntag fast mit Ansage, besser gesagt, mit Anlauf. Matthias Ginter schlug einen langen Ball aus der eigenen Hälfte nach vorne – und Pavlenka verschätzte sich beim Herauslaufen komplett. Der Tscheche rannte Marcus Thuram um und segelte dabei am Ball vorbei, den Patrick Herrmann ins leere Tor lupfte. Es war der zweite Gegentreffer für Werder, schon zwei Minuten zuvor, bei der Führung der Gladbacher, hatte sich Pavlenka bei der Freistoß-Flanke nicht recht entscheiden können, ob er sich von der Torlinie bewegen sollte oder nicht und machte dabei keine souveräne Figur.

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Die Verunsicherung war kaum verwunderlich nach seinem unglücklichen Auftritt gegen Freiburg vor einer Woche. Da hatte er sich eine Rückgabe zu weit vorgelegt und sich von Nils Petersen den Ball von Fuß spitzeln lassen, der ihn dann zum 1:1 ins Tor chippte. Beim späten Kopfballtor zum 2:2 in der Nachspielzeit kam Pavlenka nicht raus und wirkte wieder unsicher. Danach hatte sich Trainer Florian Kohfeldt schützend vor seine Nummer eins geworfen und den ersten Patzer sogar auf seine Kappe genommen. Auch nach den Unsicherheiten gegen die "Fohlen" verteidigte er Pavlenka.

Pavlas ist nicht mental angeschlagen. Ich will es auch nicht auf ihn reduzieren.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt gegenüber Bremer Medien

Pavlenka braucht ein Erfolgserlebnis

Für Sportchef Frank Baumann war nach dem Spiel klar, dass eine ganze Fehlerkette zum zweiten Gegentreffer geführt hatte. "Der Ball ist 30 Meter in der Luft, da müssen wir besser verteidigen, sodass Jiri gar nicht in Not kommt", so Baumann gegenüber Bremer Journalisten: "Er hat eine Entscheidung getroffen, die nicht optimal, nicht die richtige war. Aber er war da auch nicht komplett alleine."

Doch Pavlenka strahlt nicht die gewohnte Sicherheit aus, wackelt inzwischen genauso oft wie seine ständig wechselnden Vorderleute. Gelegenheit zu glänzen hatte Pavlenka bisher nicht. Mit einer Großtat Werder wichtige Punkte zu retten, das könnte die angeschlagene Nummer eins jetzt gut gebrauchen – genau wie Werder. Und ein Pannen-Keeper in der Vereinshistorie reicht schließlich auch.

Werder-Sportchef Baumann: "Spüre keine Verunsicherung"

Frank Baumann im Interview

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: NDR, Bundesliga am Sonntag, 10. November 2019, 21:45 Uhr