Verliert Werder bei Geisterspielen seinen Heimvorteil?

Der Gastgeber-Bonus falle durch die fehlende Unterstützung der Fans weg, glaubt Bremens Trainer Florian Kohfeldt. Eine Studie widerspricht jedoch seiner Annahme.

Werder-Fans halten ihre Schals hoch und singen.
Seit Pandemie-Beginn waren einzig bei Werders 1:4-Niederlage gegen Herthas BSC Berlin Zuschauer im Weser-Stadion zugelassen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Vor Beginn der Corona-Pandemie galt das Weser-Stadion als Hexenkessel. Gegnerische Teams reisten auch wegen des lauten Anhangs eher ungern in den hohen Norden. Durch die seit knapp einem Jahr ausgetragenen Geisterspiele sind es inzwischen aber zumeist nur noch die Betreuer und Ersatzspieler der Bremer, die im Stadionrund für Stimmung sorgen. "Das hat schon einen großen Einfluss auf die sportliche Situation", sagt Werder-Trainer Florian Kohfeldt. "Der Vorteil, dass man zu Hause spielt, ist nicht mehr da."

Man sieht, dass 40.000 Fans, die hinter einem stehen, schon Einfluss auf das Spiel haben

Werder-Trainer Florian Kohfeldt

Heimvorteil auch vor leeren Rängen

Laut Kohfeldt sei die berühmt-berüchtigte Heimstärke, die der Gastgeber für sich verbuche, bei allen Vereinen "kein großes Thema" mehr. Nach einer Studie der Deutschen Sporthochschule und der Universität Paderborn ist diese Annahme jedoch falsch. Denn auch bei Partien vor leeren Rängen sei die Mannschaft, die im heimischen Stadion aufläuft, im Vorteil.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt jubelt den Fans zu.
Vermisst die Unterstützung von den Rängen: Werder-Trainer Florian Kohfeldt. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Dass das gastgebende Team häufiger als Sieger vom Platz geht als der angereiste Kontrahent, ist durch viele Statistiken und Studien belegt. Fast in jeder zweiten Begegnung stellt die Heimmannschaft den Gewinner. Daran habe auch die Austragung der Partien ohne Zuschauer nichts geändert, sagt Professor Daniel Memmert, einer der Durchführenden der Studie. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich zwar spielrelevante Parameter wie Torschüsse sowie gelbe und rote Karten angleichen." Im direkten Vergleich zwischen Spielen mit Zuschauern und den Geisterspielen wirke sich dies aber nur begrenzt auf das Ergebnis aus.

Die Annahme, dass sich der Heimvorteil allein durch die Unterstützung von den Rängen speise, greife daher zu kurz. Die Wissenschaftler vermuten vielmehr, dass weitere Aspekte den Ausschlag dafür geben, dass der Gastgeber mit einem Bonus ins Spiel geht. Etwa die Tatsache, dass das Heimteam in gewohner Umgebung aufläuft, also keine Anpassungsschwierigkeiten an die äußere Umgebung hat, sowie das Wegfallen der Reisestrapazen.

Maue Heimbilanz für Werder

Ob Vorteil oder nicht: Werders Heimbilanz ist in beiden Spielzeiten, die von der Corona-Pandemie betroffen sind, eher mau. So holten die Bremer in der aktuellen Saison im Weser-Stadion nur 13 Zähler, womit sie das fünftschwächste Heimteam der Liga sind. Und bei der einzigen Partie, die mit Publikum stattfand, verloren die Bremer, nämlich mit 1:4 gegen Hertha BSC Berlin vor rund 8.500 Zuschauern.

In der vergangenen Spielzeit wies Werder mit insgesamt nur neun Punkten sogar die zweitschlechteste Heimbilanz der Liga auf. Einen ihrer beiden Heimerfolge (3:2 gegen Augsburg) zu Beginn der Saison bejubelten die Grün-Weißen noch mit ihren Fans. Beim anderen Sieg am letzten Spieltag (6:1 gegen Köln), der das Erreichen der Relegation bedeutete, mussten die Fans hingegen bereits draußen bleiben.

Mehr zum Thema:

Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 25. Mai 2020, 18:06 Uhr