Warum die Gegner Werder immer häufiger überraschen

Wenn Mannschaften ihre Spielweise dem Gegner anpassen, zeugt das von Respekt vor dem Kontrahenten. Gegen Bremen kommt das zunehmend vor – und sorgt für Probleme.

Durch die Maschen des Freiburger Tores sieht man Davy Klaassen beim Kopfball zum 1:0 umringt von gegnerischen Spielern
Freiburg lief im Weser-Stadion mit den Schlotterbeck-Brüdern (links und rechts von Torwart Schwolow) in der Dreierkette auf. Klaassens Tor konnten sie nicht verhindern. Bild: Imago | Nordphoto

Als Werder vor einer Woche in Gladbach antreten musste, war die Überraschung bei den Bremern groß: Der Gegner lief mit einer Dreierkette auf, dabei hatte Trainer Dieter Hecking in dieser Saison immer dem 4-3-3-System vertraut. Zudem ließ er seinen Kapitän Lars Stindl auf der Bank – so hatte Hecking nie spielen lassen und damit genau den richtigen Effekt erzielt. "Das System von Gladbach hat uns überrascht", musste Werder-Kapitän Max Kruse nach dem hart erkämpften 1:1 eingestehen. In der ersten Halbzeit waren die Bremer mit dem Taktik-Coup der Gladbacher überhaupt nicht zurecht gekommen, Hecking hatte mit der Umstellung also alles richtig gemacht.

Zum wiederholten Male hat sich damit ein Gegner in seiner grundsätzlichen Spielweise verändert, um sich auf Bremen einzustellen. Auch der SC Freiburg hatte sich im Vorfeld zum Gastspiel an der Weser am vergangenen Samstag seine Gedanken gemacht.

Wir haben die ganze Woche überlegt, wie wir's machen da in Bremen. Wie wir uns auf den Max (Kruse, Anm. d. Red.) einstellen, weil wir schon oft gegen ihn gespielt haben – auch in Gladbach, nachdem er bei uns war. Und haben uns dann überlegt, dass wir über's 3-5-2 vielleicht den halb-linken Raum von Bremen zukriegen. Das hat ganz gut funktioniert.

Freiburgs Trainer Christian Streich

Nicht oft passt sich ein Team dem Gegner an

Streich und Kohfeldt begrüßen sich herzlich vor dem Anpfiff.
Herzliche Begrüßung vor dem Anpfiff: Trainer Kohfeldt (links) mit seinem Freiburger Kollegen Streich. Bild: Imago | Nordphoto

Streichs "Streich" ging zumindest in der ersten Halbzeit auf, denn Werder tat sich erneut schwer. Am Ende blieb für die Breisgauer zwar die knappe 1:2-Niederlage, doch sie hatten die Bremer vor eine knifflige Herausforderung gestellt, indem sie zusätzlich sehr tief verteidigten und den Werder-Spielern sehr dicht auf den Füßen standen. Die Idee war richtig, die konsequente Umsetzung hatte Freiburg nicht bis zum Ende durchgehalten.

Natürlich analysieren alle Teams im Vorfeld eines Spieles ihre Gegner, legen deren Stärken und Schwäche frei. Und passen ihr eigenes Spiel und ihre Ausrichtung daran. Aber dass ein Team wie Gladbach – immerhin ein Anwärter auf einen Champions-League-Platz – seine Spielweise komplett ändert, ist schon ungewöhnlich.

Nun ist es im Falle der Fohlen-Elf vielleicht ein besonderer Fall gewesen. Denn Hecking hatte mit seinem Team zuvor nur fünf Punkte aus sieben Spielen geholt. Dass es Hecking mit der Umstellung nur um eine frische Spielidee für seine Mannschaft ging, ist aber sicher auch nicht der Fall gewesen.

Wertschätzung für Werder

Werders Trainer Florian Kohfeldt sieht das als eine Art von Wertschätzung. Viele Gegner halten die in diesem Jahr noch ungeschlagenen Bremer für derart stark, dass sie reagieren müssen. "Das ist uns schon ein paar Mal passiert", sagte Kohfeldt nach der Partie gegen Freiburg. Im Gegensatz zur Hinrunde habe seine Mannschaft nun aber Lösungen dazu parat. "Man muss sagen, dass wir das jetzt flexibler spielen." Doch die Spiele gegen Gladbach und Freiburg zeigten auch, dass Werder mindestens eine Halbzeit benötigt, um sich auf die unerwartete Taktik des Gegners einzustellen.

Kohfeldt vermutet jedoch, dass solche Überraschungen an den letzten fünf Spieltagen der Saison nicht mehr vorkommen werden. Einzig gegen Düsseldorf könne es noch einmal dazu kommen. Die restlichen Begegnungen aber müssen die Bremer gegen Mannschaften bestreiten, die versuchen werden, Werder ihr eigenes Spiel aufzudrücken: Bayern, Dortmund, Hoffenheim und Leipzig. Zumindest Werders Chefanalyst möchte in dieser Saison keine Überraschungen mehr bei der Aufstellung erleben – so wie es Freiburg-Coach Streich mit den Schlotterbeck-Brüdern gelungen war.

Ich freue mich auch besonders für Mario Baric, unseren Chefanalysten. Der ist immer völlig fertig, wenn die Aufstellung rauskommt: 'Das kann nicht wahr sein, die beiden Schlotterbecks. Was macht der da?'

Werder-Trainer Kohfeldt zur überraschenden Aufstellung der Freiburger Schlotterbeck-Brüder

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Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 13. April 2019, 18:45 Uhr