Kohfeldt über Füllkrug: "Eine sehr schwierige Situation für ihn"

Nach dem Knatsch stärkt der Werder-Coach Niclas Füllkrug demonstrativ den Rücken. Gleichzeitig bremst er die sportlichen Erwartungen an den Bremer Stürmer.

Niclas Füllkrug kniet auf dem Boden im Testspiel gegen Linz.
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug ist in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen geraten. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Niclas Füllkrug machte am Dienstag gleich in doppelter Hinsicht von sich reden. Beim Training knallte es mit Werder-Coach Florian Kohfeldt, der den Stürmer vom Platz schmiss. Zugleich wurde öffentlich, dass ein Mitglied des berühmt-berüchtigten Abou-Chaker-Clans aus Berlin mit Füllkrugs Auto durch die Hauptstadt gefahren war.

Was auf Füllkrug einprasseln würde, wusste Kohfeldt beim Training am Dienstag noch nicht, erzählte dieser nach dem 4:1-Sieg im Testspiel gegen den Linzer ASK. "Mir war das Ausmaß im Training noch nicht bewusst", erklärte der Werder-Coach. An seiner Reaktion auf Füllkrugs Verhalten hätte dies aber nichts geändert. "Regeln gelten für alle", stellte Kohfeldt klar. Er hätte ihn also so oder so vom Platz gestellt. Dass die Situation Füllkrug derzeit auf den Magen schlägt, ist ihm allerdings klar.

Es ist eine sehr schwierige Situation für einen jungen Menschen, in die er nach unseren Informationen vollkommen unverschuldet reingeraten ist.

Florian Kohfeldt

Kohfeldt stellt sich hinter Füllkrug

Seinen Zögling lässt er dabei nicht im Stich. Kohfeldt und Füllkrug kennen sich bereits seit gemeinsamem Tagen in der Bremer U14, in der Kohfeldt ihn einst schon trainierte. Der Coach setzt auf das Vertrauensverhältnis zwischen den beiden und stärkt ihm öffentlich den Rücken.

Die Situation ist für ihn im Moment vielleicht nicht nur Sonnenschein. Umso wichtiger ist, dass er grundsätzlich weiß, dass bei gewissen Meinungsverschiedenheiten, die manchmal einfach da sind, wir auch für ihn da sind. Und ich auch für ihn da bin. Das ist wichtig, dass er das weiß.

Florian Kohfeldt

Dank für die vergangene Saison

Und Kohfeldt weiß, dass auch er sich auf Füllkrug verlassen kann. So war es auch im Schlussspurt der vergangenen Saison. Rund neun Monate fiel der 27-Jährige nach einem Kreuzbandriss aus. Als Werder im Abstiegskampf das Wasser bis zum Hals stand und ein Knipser im Sturm fehlte, sprang Füllkrug in die Bresche. "Ich rechne es Lücke unheimlich hoch an", verriet Kohfeldt, "dass er im letzten Jahr gesagt hat: 'Wenn du mich für 15 Minuten brauchst, dann bin ich da!'" Davon machte Kohfeldt allzu gern Gebrauch. Füllkrug erzielte in den letzten Spielen der Saison noch zwei Tore und avancierte im Kampf um den Klassenerhalt vor allem zum emotionalen Leader der Bremer. Füllkrug opferte sich für Werder auf. Medizinisch sei dies, betonte Kohfeldt noch einmal, kein Risiko gewesen. Physisch war Füllkrug aber natürlich noch nicht auf seinem einstigen Level.

Niclas Füllkrug deutet nach seinem Treffer grinsend mit dem ausgestreckten rechten Arm auf jemanden.
Niclas Füllkrug erzielte im Schlussspurt der vergangenen Saison noch zwei Tore für Werder. Bild: Marvin Ibo Güngör/GES/Pool/via gumzmedia/nordphoto

Dass er trotzdem rasch den Unterschied machte, schürt natürlich Erwartungen. Füllkrug gilt als einer der Hoffnungsträger in der neuen Saison. Hier tritt Kohfeldt aber eifrig auf die Bremse. "Er ist jetzt nicht wieder der Alte, nur weil eine Sommerpause dazwischen lag", betonte der Coach. Auch ein Füllkrug muss sich seine Gala-Form, die ihn einst gar in den Dunstkreis der Nationalmannschaft brachte, erst wieder erarbeiten. Aufgrund seiner Verletzungsgeschichte setzt er dabei bei einigen Einheiten allerdings auch aus. Schwer schuften muss er trotzdem. Wie Kohfeldt betonte, beginnt der körperliche Aufbau nach der langen Verletzung erst jetzt so richtig. Die Sprint- und Ausdauerwerte seien bereits gut, am Fußballspezifischen fehle es aber noch ein wenig. "Das ist aber vollkommen normal." Dass Füllkrug derweil zumindest seinen Torinstinkt auch in der Sommerpause nicht verloren hat, zeigte er am Mittwoch gegen Linz. Nachdem er zur 2. Halbzeit ins Spiel kam, scheiterte er in der 64. Minute mit einem tollen Kopfball nur an der Latte.

Füllkrug macht im Werder-Training auf Trotzkopf

Video vom 18. August 2020
Niclas Füllkrug steht mit verschränkten Armen und mit einigen Metern Abstand hinter Florian Kohfeldt beim Pressegespräch.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 19. August 2020, 18:06 Uhr