Darum ist Werder-Ikone Frings beim SV Meppen gelandet

Beim Drittligisten aus dem Emsland sucht der Ex-Bremer Torsten Frings seine Chance. Auf Schickimicki kann der "Lutscher" dabei durchaus verzichten.

Torsten Frings steht im Stadion des SV Meppen.
Torsten Frings ist der neue Cheftrainer des Drittligisten SV Meppen. Bild: Imago | Nordphoto

Als Torsten Frings die wohl beste Zeit seiner Karriere erlebte, spielte der SV Meppen in der Oberliga Nord noch gegen den BV Cloppenburg und den Brinkumer SV. Frings hingegen spielte bei der WM 2006 im zentralen Mittelfeld der Nationalmannschaft neben Michael Ballack. Mit Werder war er damals Dauergast in der Champions League. Und im Sommer 2007 wäre er beinahe zu Juventus Turin gewechselt. Keiner hätte damals wohl gedacht, dass der "Lutscher", wie er stets liebevoll genannt wurde, noch einmal im beschaulichen Emsland landet.

Torsten Frings auf dem Trainingsplatz vom SV Darmstadt 98.
Von Dezember 2016 bis Dezember 2017 arbeitete Torsten Frings als Cheftrainer beim SV Darmstadt 98. Bild: Imago | Jan Huebner

Doch seit dieser Woche ist Frings neuer Cheftrainer beim SV Meppen. Dies liegt zum einen daran, dass die Meppener sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt haben. Nach dem Aufstieg in die 3. Liga haben sie sich im Profifußball wieder etabliert und in der vergangenen Saison zeitweise sogar um den Aufstieg in die 2. Liga mitgespielt. Frings' Trainerkarriere hingegen ist ins Stocken geraten. Nachdem er zunächst bei Werder als Co-Trainer von Viktor Skripnik arbeitete, trainierte er als Chefcoach von Dezember 2016 bis Dezember 2017 den SV Darmstadt 98. Anschließend war er zweieinhalb Jahre ohne Job. Jetzt nimmt er in Meppen einen neuen Anlauf.

Frings: "Brauchen keine goldenen Wasserhähne"

Auf der Pressekonferenz zu seiner Vorstellung am Freitag machte Frings klar, dass er sich nach der langen Pause beweisen will. Angst, vom Trainerkarussell zu rutschen, hatte er allem Anschein nach seit seinem Aus in Darmstadt nicht.

Ich habe einfach auf das richtige gewartet, das mir ein gutes Gefühl gegeben hat. Und das war eben jetzt der Fall. Ich wollte nicht ins Ausland gehen, um da einen schnellen Euro zu verdienen. Das war es mir nicht wert. Deswegen habe ich viele Sachen nicht gemacht.

Der ehemalige Werder-Profi Torsten Frings im Fußballstadion von SV Meppen.
Torsten Frings

Für Meppen habe jetzt auch sein "super Bauchgefühl" gesprochen. Dieses habe ihm gesagt, dass der Klub für ihn der ideale Wiedereinstieg sei. Außerdem sei die kurze Entfernung nach Bremen ein wichtiger Faktor gewesen. Falls zu Hause Not am Mann sei, könne er schnell zu seiner Familie fahren. Für seinen neuen Job werde er sich zudem eine Wohnung im Emsland nehmen. Dass es dort in Sachen Infrastruktur noch etwas spartanischer zugeht, ist kein Problem für den Vize-Weltmeister von 2002. "Ich finde es super hier", sagte Frings. "Es ist alles da, was man braucht. Um erfolgreich Fußball zu spielen, braucht man keine goldenen Wasserhähne." Wichtig war ihm zudem klarzustellen, dass er zu den Gesprächen in Meppen nicht mit einem Ferrari gekommen sei. Dies habe er in den Foren gelesen.

Frings tritt in große Fußstapfen

Thomas Schaaf spricht mit Torsten Frings.
Thomas Schaaf hat Torsten Frings an der Weser geprägt. Das erklärte Frings am Freitag auf der Pressekonferenz in Meppen. Bild: Imago | Sven Simon

In Meppen will der 43-Jährige auch an seinem Trainerprofil pfeilen. Kein Geheimnis macht er daraus, dass vor allem Thomas Schaaf ihn während der gemeinsamen Zeit bei Werder geprägt hat. Den Trainingsstart in Meppen kann er kaum erwarten. Frings will endlich wieder loslegen. "Ich zähle schon die Tage und bin unglaublich heiß, wieder auf dem Platz zu stehen", so Frings. Auf dem Meppener Trainingsplatz tritt er allerdings in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Christian Neidhart trainierte den SVM in den vergangenen sieben Jahren und führte den Klub aus der Tristesse der Regionalliga in die 3. Liga, wo er ihn anschließend etablierte. Auf eigenen Wunsch wechselte Neidhart in diesem Sommer zu Rot-Weiß Essen – und machte damit die Bahn für Frings frei. Dieser will die Chance beim Kultklub nutzen und sich nach der Pause als Cheftrainer einen Namen machen.

Torsten Frings offiziell beim SV Meppen als Trainer vorgestellt

Video vom 17. Juli 2020
Der ehemalige Werder-Profi Torsten Frings im Fußballstadion von SV Meppen.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 17. Juli 2020, 18:06 Uhr