Werders schwieriger Spagat beim streikenden Friedl

Werders Friedl will sich wegstreiken

Video vom 29. August 2021
Marco Friedl trägt einen grünen Kapuzenpullover.
Im Streik: Marco Friedl will Werder verlassen und hat deswegen am Sonntag einen Einsatz im Spiel gegen Hansa Rostock verweigert. Bild: Imago | Nordphoto
Bild: Imago | Nordphoto

Marco Friedl will weg aus Bremen und streikt. Coach Markus Anfang und Sportchef Frank Baumann tadeln sein Verhalten – können aber nicht wirklich durchgreifen.

Am Ende fiel sein Fehlen kaum auf. Auch ohne den streikenden Marco Friedl gewann Werder am Sonntag souverän mit 3:0 gegen Hansa Rostock. Das Fehlverhalten des Österreichers, der zu Union Berlin wechseln möchte, war natürlich aber auch nach dem Spiel noch ein Thema. Bereits vor dem Anpfiff hatte Sportchef Frank Baumann bei "Sky" angekündigt, dass Friedl eine Strafe aufgebrummt werden soll.

"Wir werden das intern klären, es wird natürlich auch eine Strafe geben", sagte Baumann nach der Partie im Gespräch mit dem Sportblitz. Auch Coach Markus Anfang sprach über Friedl und erklärte den Ablauf. Am Samstagabend um 19 Uhr, so Anfang, habe er mit dem Spieler telefoniert. "Dabei hat Marco mir gesagt, dass er sich nicht in der Lage sieht, zu spielen und er seine Leistung nicht abrufen kann." Dass der Streik die Idee des Spielers gewesen ist, glaubt Anfang nicht. Vielmehr, ließ Anfang durchklingen, sei Friedl aktuell durch sein Umfeld nicht optimal beraten.

Marco ist kein schlechter Junge. Marco ist ein guter Junge. Aber was er da gemacht hat, das passt nicht. Ich glaube, er hat sich damit keinen Gefallen getan. Er hat in meinen Augen jetzt einen Fehler gemacht. Das habe ich ihm auch so gesagt. Es ist schwierig, damit umzugehen, weil er Leute um sich herum hat, die ihn beraten. Vielleicht ist es ganz gut, auf sein eigenes Gefühl zu hören.

Werder-Trainer Markus Anfang blickt skeptisch an der Kamera vorbei.
Markus Anfang in einer Medienrunde

Mehr als ein Rüffel geht nicht

Anfang wünscht sich, dass Friedl sich auf das Wesentliche, nämlich das Fußballspielen, konzentriert. "Der Weg, den er jetzt gegangen ist, ist nicht der richtige", machte er deutlich. Zugleich möchte er aber nicht den Stab über Friedl brechen. "Er ist 23 Jahre alt", betonte der Bremer Coach, "ich glaube, wir haben alle mit 23 den ein oder anderen Fehler gemacht." Ebenso verwies er darauf, dass der Spieler ihm direkt nach dem Spiel auch geschrieben und zum Sieg gratuliert habe.

Klar ist, dass Anfang den Spieler nicht öffentlich an die Wand nageln kann. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass der Wechsel nach Berlin platzt und Friedl auch nach dem Ende der Transferphase noch bei den Bremern unter Vertrag steht. Gleichzeitig muss Werder allerdings auch demonstrieren, sich von den Spielern nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Daher bedarf es eines öffentlichen Rüffels. Komplett zerschneiden kann der Klub das Tischtuch jedoch nicht. Allein schon, weil dies die Verhandlungsposition im Poker mit den Berlinern eklatant schwächen würde.

Baumann rechnet aktuell nicht mit einer Einigung

Ein Verbleib in Bremen könnte aber schon jetzt schwierig sein. Viele Bremer Spieler legten sich in den vergangenen Monaten öffentlich nicht fest, ob sie bleiben oder gehen werden. Gerne garniert waren die Statements mit der Floskel, dass es im Fußball stets sehr schnell gehen könne und man nie wisse, was passiere. Friedl hingegen hat sich nun klar positioniert und durch sein Verhalten auch große Teile der Fans gegen sich aufgebracht. Baumann betonte am Sonntagnachmittag allerdings, bis zum Transferende am Dienstagabend um 18 Uhr derzeit nicht mehr mit einer Einigung für einen Transfer von Friedl zu rechnen.

Wir haben klare Vorstellungen, unter welchen Bedingungen der Transfer zustande kommt. Da ist noch einiges zu erfüllen. Deswegen gehe ich aktuell eher davon aus, dass es da keine finale Einigung geben wird und Marco bei uns bleiben wird. Das ist nach wie vor unser Ziel. Trotz der Geschichte heute.

Werder-Sportchef Frank Baumann gibt ein Interview nach Spielende.
Frank Baumann am Sonntag in einer Medienrunde

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Autor

  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 29. August 2021, 19:30 Uhr