Abwehrchef statt Werder-Buhmann: Friedl fühlt sich wohl in neuer Rolle

Seit Saisonbeginn ist der Neu-Nationalspieler erste Wahl bei den Bremern. Die teils heftige Kritik aus dem Vorjahr ging jedoch nicht spurlos an ihm vorbei.

Marco Friedl wirft sich in den Zweikampf.
Inzwischen Stammspieler bei Werder: Innenverteidiger Marco Friedl. Bild: Imago | Noah Wedel

Obwohl die Saison noch jung ist, hat sie Werder-Spieler Marco Friedl bereits ein absolutes Karriere-Highlight beschert: In der vergangenen Woche lief der 21-Jährige erstmals für die A-Nationalmannschaft seiner österreichischen Heimat auf. "Es war mein Kindheitstraum und ich habe lange darauf hingearbeitet. Ich hoffe, dass noch einige Spiele kommen werden", sagte Friedl am Mittwoch. Zudem handelte es sich um ein erfolgreiches Debüt: Österreich gewann mit 2:1 gegen Griechenland, der Bremer spielte die 90 Minuten durch.

Erste Wahl in der Innenverteidigung

Während er im Nationaldress auf Linksaußen verteidigte, ist Friedl bei Werder als Innenverteidiger gesetzt. Nachdem er in den Vorjahren zweite Wahl war und oft nur bei Verletzungen seiner Kontrahenten zum Einsatz kam, stand er an den ersten drei Bundesliga-Spieltagen jeweils die gesamte Spieldauer über auf dem Rasen. Mehr noch: Weil Kapitän Niklas Moisander seinen Stammplatz vorerst an den 21-Jährigen verloren hat, ist Friedl aktuell erste Wahl im Defensiv-Zentrum der Grün-Weißen.

Ich habe immer gesagt, dass ich am liebsten in jedem Spiel auf dem Platz stehe und mich als Innenverteidiger am wohlsten fühle. Ich weiß, dass wir einen großen Konkurrenzkampf haben und versuche Gas zu geben. Ich will auch die nächsten Spiele von Anfang an spielen.

Werder-Verteidiger Marco Friedl

Insgesamt streiten sich bei Werder momentan vier Innenverteidiger um die beiden Plätze in der Startelf. Neben dem aktuell ebenfalls gesetzten Milos Veljkovic und dem abgesetzten Moisander hat auch der wieder fitte Ömer Toprak Ambitionen auf einen Stammplatz. Laut Friedl sei es das erste Mal, dass alle vier Spieler fit seien. Entsprechend hat Coach Florian Kohfeldt die Qual der Wahl. "Natürlich wird der Trainer schauen, wer am besten zusammenpasst", betont Friedl. "Fakt ist: Wir kennen uns untereinander alle sehr gut. Jeder weiß von den Stärken des Anderen."

Auf Kritik folgte mehr Selbstvertrauen

In der vergangenen Saison war Friedl überwiegend zweite Wahl. Und wenn er auflief, wusste er nur selten zu überzeugen. Immer wieder setzte es heftige Kritik. Für Teile der Öffentlichkeit musste er sogar als Buhmann herhalten, was nicht spurlos an ihm vorbeiging. "Natürlich war es am Anfang schwierig für mich", erzählt Friedl. "Als junger Spieler hatte ich schon damit zu kämpfen, weil es mich getroffen hat." Schließlich sei es für ihn das erste Mal in seiner Zeit als Profi gewesen, dass er öffentlich "angezählt" wurde.

Inzwischen hat sich die Wahrnehmung gewandelt, was sich auch bei Friedl bemerkbar machte. "Das Standing ist ein anderes geworden", so der Österreicher. "Ich fühle mich wohler und bin reifer geworden." Dass auch sein Selbstvertrauen einen enormen Schub erhalten hat, zeigt sich in dieser Saison auch auf dem Platz: Friedl redet viel mit den Mitspielern, dirigiert, organisiert – und das trotz seines noch jungen Alters. Kurzum: Friedl schwingt sich nicht nur zum Stammspieler, sondern in gewisser Weise auch zum Abwehrchef auf.

Ich glaube, dass es egal ist, wie alt du bist: Wenn du in der Abwehr spielst, musst du Verantwortung übernehmen und Kommandos geben. In der Innenverteidigung ist die Kommunikation mit den Mitspielern das Wichtigste.

Werder-Verteidiger Marco Friedl

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Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Oktober 2020, 18:06 Uhr