Werders Finanzkrise: Punktabzug droht, aber Filbry beschwichtigt

Die Grün-Weißen mussten ihre Finanzen offenlegen und die Aussicht ist alarmierend: erhöhtes Insolvenzrisiko. Dennoch will Klaus Filbry Sicherheit ausstrahlen.

Video vom 14. Mai 2021
Werders Finanzchef Klaus Filbry steht mit weißer FFP2-Maske alleine auf einer grünen Tribüne im Weser-Stadion.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Nun hat es die Öffentlichkeit grün auf weiß: Werders trübe Finanzlage. Im Wertpapier-Prospekt, in dem der Verein zur Mittelstands-Anleihe seine Zahlen offenlegen musste, ist nun offensichtlich: erhöhtes Insolvenzrisiko, der Bestand des Vereins ist gefährdet.

Besonders das negative Eigenkapital von geschätzten 26 Millionen Euro ist viel zu hoch. 2019 hatte Werder noch zehn Millionen Euro auf der hohen Kante, dann fehlten 13 Millionen Euro, nun steht das Minus bei 26 Millionen Euro. Und das ist ein Problem, denn die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat den Bundesliga-Klubs harte Vorgaben auferlegt. Bis zum 15. September muss das negative Eigenkapital auf eine bestimmte Summe gedrückt sein, ansonsten drohen sechs Punkte Abzug oder gar der Lizenzentzug.

Filbry zuversichtlich für die DFL-Auflagen

Doch Werders Finanzchef Klaus Filbry ist im Gespräch mit dem Sportblitz bemüht, Sicherheit auszustrahlen: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Punktabzug abwenden können." Die Liquidität werde im September vorhanden sein, erklärte Filbry weiter. Dafür sollen der Bank-Kredit über 20 Millionen Euro, der durch eine Landesbürgschaft abgesichert ist, und die Mittelstandsanleihen sorgen, die noch einmal Einnahmen von "20 bis 25 Millionen Euro" bringen sollen.

"Damit haben wir das Thema Liquidität bis zum 30. Juni 2022 abgesichert", sagt Filbry. Dennoch sind die roten Zahlen erdrückend, Werders Umsatz ist durch die Pandemie von 157 Millionen Euro im Jahr 2019 eingebrochen auf geschätzte Einnahmen von 113 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten betragen rund 76 Millionen Euro. Das sind neue Dimensionen in der grün-weißen Geschäftswelt.

"Müssen keinen Ausverkauf starten"

Die leeren Kassen sind einerseits den leeren Sitzen geschuldet, die sich ab Herbst im Weser-Stadion wieder füllen sollen. Daher ist Filbry zuversichtlich "für ein positives Ergebnis im neuen Geschäftsjahr". Doch Tickets alleine reichen nicht, Transfers sind unerlässlich. Im Wertpapier-Prospekt sind Nettotransfererlöse von 9,4 Millionen Euro eingerechnet.

"Wir haben immer gesagt, dass wir Transfers benötigen und hoffen, dass der Markt wieder anspringt", erklärt Filbry: "Wir müssen keinen Ausverkauf starten, aber wir müssen sicher den ein oder anderen Spieler noch verkaufen." Spieler also wie Milot Rashica oder Ludwig Augustinsson. Doch sie werden die Bremer sportlich schwächen, das ist die Krux. Leichter wird die Lage für Werder auf absehbare Zeit nicht, schon gar nicht, wenn es zum Abstieg kommt. Werder kämpft, um den Klassenerhalt und seine wirtschaftliche Existenz.

Werder geht das Geld aus – der Verein greift auf Anleihen zurück

Video vom 18. April 2021
Der Geschäftsführer von Werder Bremen Klaus Filbry im Interview. Im Hintergrund sieht man das Weserstadion.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autoren

  • Yannick Lowin Redakteur und Autor
  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 14. Mai 2021, 18:06 Uhr