Grün-Weiße Finanzkrise: Ab Montag vergibt Werder Anleihen an Jedermann

Werders Mittelstands-Anleihen sind bald für Privatanleger erhältlich. Der Verein musste dafür seine Finanzen offen legen – die Lage ist noch ernster als man dachte.

Herangezoomter, unscharfer Blick auf die Werder-Raute über der Geschäftsstelle des Weser-Stadions.
Nicht nur die sportliche Lage von Werder Bremen ist prekär, die wirtschaftliche macht den Verantwortlichen ebenso große Sorgen. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ab dem 17. Mai können auch Privatanleger die von Werder Bremen aufgelegten Mittelstands-Anleihen erwerben. Ab 1.000 Euro kann jeder dabei sein, der ein Wertpapierdepot besitzt. Der Verein hatte in der ersten Zeichnungsphase, die sich an Kreditinstitute und Versicherungen richtete, bereits zehn Millionen Euro generiert. Nun soll noch einmal mindestens die gleiche Summe hinzukommen – und die braucht Werder mehr als dringend.

Denn wie schlecht es wirklich um die Grün-Weißen steht, zeigt nun der so genannte Wertpapierprospekt, den der Verein zur Anleihe erstellte – und darin seine Finanzlage schonungslos offenlegen musste. Jetzt ist klar: Werders wirtschaftliche Situation ist sogar noch schlechter, als bisher bekannt war.

Das Insolvenz-Risiko ist real

Dort heißt es "aufgrund des erzielten Fehlbetrags von 17,33 Millionen Euro zum 31.12.2020" habe sich die Unterdeckung im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2020/21, also der Hinrunde, "auf 30,58 Millionen Euro im Zwischenkonzernabschluss zum 31.12.2020 erhöht". Im Sommer 2019 verfügte Werder über ein Eigenkapital von rund zehn Millionen Euro, doch damit konnten die Verluste von damals rund 23,8 Millionen Euro bereits nicht gedeckt werden und führten zu einem Fehlbetrag von circa 13,3 Millionen Euro.

Werder muss das Minus im Eigenkapital zwingend bis zum Sommer drücken, ansonsten droht die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit Sanktionen wie einem Abzug von sechs Punkten oder schlimmstenfalls mit dem Lizenzentzug. Die Bremer sind also gezwungen, Spieler zu verkaufen, um die Liquidität zu sichern. Und sie müssen auf ihre Mittelstands-Anleihe hoffen, die nach dem 20-Millionen-Euro-Kredit über die Landesbürgschaft nun der letzte Rettungsanker für Werder ist.

Doch ein sehr umfangreicher Teil des 219-Seiten-starken Prospekts zur Anleihe dreht sich um die Risiken, die Anlegern blühen können. Und das liest sich wie ein ellenlanger Beipackzettel eines Medikaments für Schwerkranke. "Im Fall der Insolvenz der Emittentin kann es zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen." Das Risiko einer Insolvenz, einer Zahlungsunfähigkeit, ist längst nicht mehr nur ein theoretisches für Werder. Und dabei ist der Fall eines Abstiegs aus der Bundesliga noch gar nicht eingerechnet.

Werder geht das Geld aus – der Verein greift auf Anleihen zurück

Video vom 18. April 2021
Der Geschäftsführer von Werder Bremen Klaus Filbry im Interview. Im Hintergrund sieht man das Weserstadion.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 18. April 2021, 19:30 Uhr