Interview

Fan-Anleihen bei Werder? "Eigentlich ist diese Idee nur positiv"

Die Bremer planen, im Worst Case bei ihren Anhängern Kredite aufzunehmen. Experte Marc Tüngler erklärt, warum Vereine auf solche Anleihen setzen und wie Fans davon profitieren.

Werder Bremen begeht das erste Heimspiel der Saison mit 8.500 Zuschauern im Weserstadion.
Durch dick und dünn: Viele Werder-Fans leiden und freuen sich mit ihrem Verein auch in der Corona-Pandemie. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Finanziell drückt bei Werder der Schuh. Und das schon seit geraumer Zeit. Die Folgen der Corona-Pandemie belasten die Vereinskasse so sehr, dass die Grün-Weißen sich auch auf den finanziellen Super-GAU vorbereiten. Nach einem Bericht des Portals "Deichstube" ziehen die Bremer sogar eine Fan-Anleihe in Erwägung. Auch wenn dies nur "die allerletzte Option" sei, wie Werder-Finanzchef Klaus Filbry der "Deichstube" mitteilte.

Fakt ist aber: Werder braucht Geld. Einen Kredit in Höhe von 20 Millionen Euro hat der Klub bereits erhalten. Eine Fan-Anleihe wäre ein für die Bremer neuer, aber in der Branche nicht unüblicher Weg, um eine Finanzspritze zu erhalten. Im Interview mit buten un binnen erklärt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, was Fan-Anleihen sind, warum Bundesliga-Vereine auf sie setzen und was die Risiken für die Anhänger sind.

Herr Tüngler, allgemein gefragt: Was sind Fan-Anleihen überhaupt?
Im Endeffekt geht es dabei um die Finanzierung eines Klubs. Eine Fan-Anleihe ist ein großer Kredit, der in Scheiben geschnitten wird. Ein Anhänger des Vereins kann eine Scheibe kaufen oder, genauer gesagt, zeichnen. Wer sich dafür entscheidet, wird Kreditgeber und finanziert so den Klub. Das Geld muss natürlich zurückgezahlt werden, so wie jeder andere Kredit auch. Und für die Zeit, in der man das Geld verliehen hat, bekommt man Zinsen. Das Modell ähnelt einer Genossenschaft: Die Fans, die gerne ins Stadion gehen und mit ihrem Team mitfiebern, helfen dem Klub nicht mehr nur durch emotionale Unterstützung, sondern auch darüber hinaus.
Sollte sich Werder für Fan-Anleihen entscheiden: Was versprechen sich die Bremer davon?
Der Verein hofft, auf einfachem und elegantem Wege Geld zu erhalten. Bei der Bank würde er einen solchen Kredit nämlich nur für sehr viel mehr Zinsen bekommen. Insofern hätte Werder Bremen dadurch einen finanziellen Vorteil. Die Anleihe würde dem Klub zudem eine weitere Option verschaffen, wie er zu Geld kommt. Und das hilft auch bei Verhandlungen mit Banken. Eine Fan-Anleihe kann daher ein Baustein der Finanzierung sein, sollte aber auch nicht die letzte Option sein.
Und was haben Fans davon, wenn sie Anleihen kaufen?
Durch die Anlage wird der Fan Gläubiger des Vereins. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Man gibt Geld und kriegt – zumindest im Vergleich zu eher gewöhnlichen Anlagen – recht hohe Zinsen, das war's. Die Fans besitzen den Verein nicht, haben kein erhöhtes Mitspracherecht und sind auch keine Eigentümer. Man spielt also nicht auf dem Platz mit, aber man steht an der Seitenlinie.
Was sind die Risiken, die ein Anleger trägt?
Die meisten Fans unterstützen ihren Klub gern. Sie helfen ihm also wegen der Bindung und nicht, weil sie das Geld im Blick haben. Das ist ein Vorteil für den Verein, aber ein Nachteil für die Fans, weil man dadurch im Hinblick auf Risiken blind ist. Die will man nämlich nicht sehen, da man dem Klub ja etwas Gutes tun will. Das ist auch der Grund, warum die Klubs sicherlich auch ein wenig darauf spekulieren, dass die Leute ihr Geld gar nicht wiederhaben wollen.
Inwiefern?
Die Fans, die eine Anleihe zeichnen, bekommen dafür meistens eine Urkunde. Und die ist oft genau die Motivation, warum sich ein Fan überhaupt zu einer Anleihe entschließt. Der Fan fühlt sich dadurch noch mehr mit seinem Klub verbunden. Viele Anhänger werden sich von der Urkunde gar nicht trennen wollen, weil eine so große emotionale Bindung besteht. Eine solche Schmuck-Anleihe kann man gut verschenken, sie sieht schick aus und man kann sie sich auch im Wohnzimmer aufhängen. Und wenn sie da erst einmal hängt, löst man sie auch nicht mehr ein.
Was für Erfahrungen haben andere Vereine mit Fan-Anleihen gemacht?
Die meisten Klubs eher gute. Eigentlich ist diese Idee nur positiv, auch wenn man sich im Klaren darüber sein muss, dass ein Risiko besteht. Es haben auch schon mal Anleger den Kürzeren gezogen, weil sie das Geld nicht zurückgezahlt bekommen haben. So etwas kann passieren, in Bremen, glaube ich, wäre das aber nicht der Fall. Je größer und treuer die Fangemeinde, desto eher funktioniert ein solches Konzept. Bei Werder würde ich mir daher gar keine Sorgen machen.

(Das Gespräch führte Helge Hommers.)

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Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Helge Hommers Autor

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, der Tag, 15. Februar 2021, 23:30 Uhr