Sonnenbrand, Schnee, Solidarität: So lief Werder-Fan Mohr nach Bremen

Florian Mohr hat es geschafft: Der Hesse ist die 466 Kilometer aus seiner Heimat zum Weser-Stadion gepilgert und hat dabei rund 43.000 Euro an Spenden gesammelt.

Video vom 10. April 2021
Florian Mohr steht mit Hubertus Hess-Grunewald und seinem Hund vor dem Weser-Stadion. Beide halten gemeinsam einen Werder-Schal.
Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Die letzten Meter musste er nicht allein gehen. Als Florian Mohr am Samstagmittag den Osterdeich entlang schlenderte, begleitete ihn Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Sein großes Ziel, das Weser-Stadion, hatte Mohr da schon im Blick. Die vergangenen 14 Tage ist der Werder-Fan aus seiner südhessischen Heimat Dornheim nach Bremen gelaufen, um bei seiner "Zu Fuß zu Werder"-Aktion Spenden für karitative Einrichtungen zu sammeln.

Pünktlich vor dem Leipzig-Spiel kam der 41-Jährige an. "Viele haben gesagt: 'Das kannst du nicht schaffen'", erzählte Mohr buten un binnen. Doch der dreifache Familienvater hat es einfach durchgezogen und ist die 466 Kilometer bis in die Hansestadt gepilgert. "Ich bin geschlaucht und geschafft, aber glücklich", sagte er im Ziel. Kein Wunder, schließlich waren die vergangenen zwei Wochen keinesfalls immer einfach.

Labrador Diego hat ihn begleitet

Hubertus Hess-Grunewald, Florian Mohr und Hund Diego laufen am Weser-Stadion entlang.
Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald begleitete Florian Mohr und Labrador Diego auf dem letzten Stück zum Weser-Stadion. Bild: Nordphoto / Gumzmedia

Mohr hatte unterwegs zu kämpfen. Zum einen mit den Wetterkapriolen. Zu Beginn hatte er sich in Hessen bei 25 Grad noch einen Sonnenbrand zugezogen. Wenige Tage später schneite es dann und er musste aufpassen, nicht auszurutschen. Zum anderen gingen die durchschnittlich 35 Kilometer pro Tag auch an die körperliche Substanz. Füße, Schienbeine, Rücken – zwischendurch tat alles mal weh.

Entmutigen ließ Mohr sich davon aber nicht. Und dies auch dank seines Partners. Labrador Diego, benannt nach dem einstigen Spielmacher von Werder, begleitete ihn auf seinem Weg. Ansonsten hatte er nur einen kleinen Rucksack dabei, um Wechselwäsche, eine Powerbank für das Handy, eine Zahnbürste und Magnesium für die Muskeln transportieren zu können. Das Futter für Diego hatte er vorausschauend an Stationen auf dem Weg geschickt, um es dort abholen zu können.

Mohr erfährt viel Solidarität

Kein Problem waren in den vergangenen zwei Wochen die Übernachtungen. Und dies trotz oder gerade wegen Corona. Freunde fuhren den umfunktionierten Familienbus an die Übernachtungsorte. Davon musste Mohr aber nur dreimal Gebrauch machen. Ansonsten suchte er über Facebook nach möglichen Schlafplätzen und erfuhr dabei viel Solidarität. Ein Wohnwagen, eine leerstehende Ferienwohnung oder ein leerstehendes Hotelzimmer – irgendwas ergab sich fast immer.

Ebenjene Solidarität gibt Mohr zurück. Rund 43.000 Euro sind auf seiner Pilgertour an Spenden für die Werder Bremen Stiftung, die Kinderkrebshilfe in Mainz, das Kinderhospiz "Bärenherz" aus Wiesbaden, die Opferhilfeeinrichtung "Darmstäder Hilfe" und den Tiergnadenhof "Kellerranch" aus Weiterstadt zusammengekommen.

Zum Werder-Spiel geht es anderes Mal

Lange in Bremen bleiben konnte Mohr allerdings nicht, denn in der hessischen Heimat herrscht aktuell ab 21 Uhr eine Ausgangssperre. Rasch ging es daher, dieses Mal natürlich motorisiert, auf den Rückweg. Aufgrund der Corona-Beschränkungen durfte Werder ihn gegen Leipzig ohnehin nicht ins Stadion lassen. Der Bremer Auftritt beim 1:4 wäre wohl auch alles andere als eine tolle Belohnung gewesen. In Nach-Corona-Zeiten möchte der Klub dies allerdings nachholen und ihn einmal einladen.

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Autoren

  • Anke Plautz Redakteurin und Autorin
  • Karsten Lübben Autor

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 10. April 2021, 19:30 Uhr