Von Ailton bis Eilers: Warum jeder vierte Fußballer später pleite ist

Oft leben Fußballer auf der Sonnenseite. Doch der ehemalige Werder-Profi Justin Eilers ist nicht der einzige, der in die Privatinsolvenz abgerutscht ist.

Ailton im grünen Pullover und mit Baseball-Mütze auf dem Kopf gestikuliert mit beiden Händen.
Ailton und das Geld – diese Beziehung stand lange unter keinem guten Stern. "Ich habe in meinem Leben mehr als eine Million Euro verprasst", gestand Werders Kultstar ein. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Es gibt legendäre Sätze, die jeder kennt. Wie jenen Spruch von Fußball-Legende George Best: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben – den Rest habe ich einfach verprasst." Der Nordire war in den 1970er Jahren einer der ersten Medienstars im Fußball, der mit seiner rasanten Spielweise und seiner extravaganten Lebensart die Massen faszinierte. Und dieser lässige Satz passte natürlich zu einem wie Best, er fasste aber auch seine bittere Lebensbilanz zusammen: Best verstarb mit nur 59 Jahren als Alkoholiker und verschuldet.

Aber Best ist längst nicht der einzige Fußballer, der im Leben nach seiner Karriere scheiterte. Studien zufolge haben nur zehn Prozent der Profis am Karriere-Ende ausgesorgt. Mehr noch: "25 Prozent der Spieler sind nach der Karriere pleite oder überschuldet", sagt Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV).

Auch Ex-Werderaner Eilers kam "aus dem Gleichgewicht"

Justin Eilers mit schwarzer Baseball-Mütze auf dem Kopf vor dem Weser-Stadion.
Eilers kam im Sommer 2016 an die Weser und verließ die Bremer 2018 wieder Richtung Apollon Smyrnis in Griechenland. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Jüngstes Beispiel ist Justin Eilers, der gerade Privatinsolvenz anmelden musste. Drei Jahre lang stand der inzwischen 28-Jährige bei Werder Bremen unter Vertrag, spielte aber keine Minute in der Bundesliga für die Grün-Weißen. Eilers wurde vom Verletzungspech verfolgt, das hielt auch nach seiner Zeit in Bremen an. Nun gestand er via Facebook ein, dass diese Zeit ihn "nicht nur körperlich aus dem Gleichgewicht gebracht" hatte.

Details wollte Eilers nicht nennen, doch die Gründe, warum Fußballer in finanzielle Schieflage geraten, sind vielschichtig. Schlechte Berater, falsche Investitionen, Spielsucht, Alkoholismus, Depressionen, Unterhaltszahlungen, fehlende Perspektive nach der Karriere. Viele denken einfach nicht an die Zeit nach dem Abpfiff und bilden keine Rücklagen, andere können schlicht nicht mit Geld umgehen.

Ailton: "Habe mehr als eine Million verprasst"

Ailton jubelt bei seinem Abschiedsspiel mit ausgebreiteten Armen über einen Treffer.
So liebten und lieben in die Werder-Fans bis heute: Mit Emotionen und Tor-Riecher – den hatte Ailton sogar bei seinem Abschiedsspiel 2014 immer noch. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Ailton hat diesen Absturz auch erlebt. Werders "Kugelblitz", der nach dem Doublesieg Fußballer des Jahres 2004 wurde und dem die Fans zu Füßen lagen. 2010 musste Ailton eingestehen: "Ich habe in meinem Leben mehr als eine Million Euro verprasst." Luxus-Artikel, Darlehen für Freunde, exorbitante Handyrechnungen – der Brasilianer hatte den Überblick verloren.

Ich habe vielen Leuten vertraut, die mir dann in den Rücken gefallen sind. Ich weiß nicht einmal, wie viele dieser Bekannten nun Immobilien besitzen, die ich gezahlt hab.

Ailton über die Zeit seiner Verschuldung

Am Ende musste Ailton 2012 ins Dschungelcamp von RTL, um seine Schulden zu bezahlen. Damit war er nicht alleine. Auch andere Fußball-Kollegen warfen die letzten Hemmungen über Bord und quartierten sich im Ekel-Dschungel ein, als letzten Ausweg aus der Schuldenfalle. Thomas Häßler hatte seine Millionen verloren, "Icke" war ganz unten. Torhüter Eike Immel hatte seine Millionen schon während der Karriere verpokert und in Kokain investiert, die 70.000 Euro Gage aus dem Dschungelcamp kassierte der Insolvenzverwalter ein. Inzwischen hat Immel die zweite Insolvenz hinter sich. Auch für Jimmy Hartwig und Ansgar Brinkmann schienen die lukrativen Ekel-Prüfungen die letzte Chance zu sein.

"Jedes Foul kann Tag X bedeuten"

Baranowsky begegnen solche Schicksale beim VdV andauernd. "Sie wissen, dass sie auf eine Wand zurasen. Aber sie bremsen nicht", sagt er: "Irgendwann kommt der Tag X. Jeder weiß, dass jedes Foul den Tag X bedeuten kann." Viele seien dennoch nicht darauf vorbereitet, dass nach den maximal 20 Jahren einer Karriere das Leben danach kommt – das finanziert werden will. Dass der Applaus irgendwann verstummt und das Autogramm nicht mehr gefragt ist, macht es nicht leichter, wenn der Plan nach dem Abpfiff fehlt. Justin Eilers ist mit der Privatinsolvenz aber zumindest der erste Schritt gelungen, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Es gibt Situationen im Leben die man im Nachhinein anders bewertet und gern rückgängig machen möchte. Durch meine gesundheitliche Konstellation war ich 42 Monate getrieben von unzähligen Operationen und Rehas, die mich leider nicht nur körperlich aus dem Gleichgewicht gebracht haben.
Dieser jetzige Schritt fällt mir mächtig schwer, aber nur dadurch ist es möglich einen persönlichen Neuanfang zu starten. Die nächsten Monate werde ich intensiv nutzen, meine Balance wieder herzustellen, und auch meine sportliche Karriere wieder anzuschieben.
Mir ist bewusst, dass ich durch meinen Fehler auch Menschen in meinem engsten Umfeld und vor allem meine Familie stark enttäuscht und belastet habe. Ich möchte deshalb auch auf diesem Wege vor allem die wichtigsten Menschen in meinem Leben aufrichtig um Entschuldigung bitten.
Ich bin nicht pleite, sondern habe veranlasst, dass meine Schulden über die dafür gesetzlichen Möglichkeiten bereinigt werden.
Aufgrund des sehr privaten Sachverhaltes bitte ich zu akzeptieren, dass ich mich darüberhinaus zu diesem Thema in der Öffentlichkeit nicht weiter äußern werde.

Justin Eilers - 28. Juli 2019, 21:41 Uhr.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Der Tag, 30. Juli 2019, 23:30 Uhr