Johannes Eggestein: "Es ist kein richtiges Endspiel"

Gegen Hoffenheim war Johannes Eggestein der Matchwinner. Doch vor dem Saisonfinale gegen Leipzig hat das Werder-Talent nur noch wenig Hoffnung auf das Europa-Ticket.

Johannes Eggestein feiert mit ausgebreiteten Armen seinen Treffer.
Gegen Hoffenheim steuerte Johannes Eggestein den entscheidenden Treffer zum 1:0.Sieg für Werder Bremen bei. Bild: Imago | Uwe Anspach

Am Tag danach spürte Johannes Eggestein jeden einzelnen Knochen seines Körpers. Und wenn das einem im zarten Alter von 21 Jahren schon so ergeht, dann sagt das viel über die Kraftanstrengung aus, die ihn der Sieg gegen Hoffenheim gekostet hatte. "Ich bin auch etwas überrascht gewesen, was ich da abgespult habe", wunderte sich der Werder-Profi im Interview mit dem Sportblitz: "Hinterher habe ich gesagt: 'Puh, das war schon richtig anstrengend.'"

Stattliche zwölf Kilometer war Eggestein gelaufen und hatte viel in der Defensive mitgeschuftet. Schließlich mussten die Bremer allesamt den Ausfall von Kapitän Max Kruse kompensieren. Die Mühe hatte sich für Johannes Eggestein allerdings gelohnt, ihm gelang der entscheidende Siegtreffer zum 1:0 – und das per Kopf.

Ansporn durch den großen Bruder

Die Eggestein-Brüder umarmen sich auf dem Spielfeld nach dem Treffer.
Freude über den Treffer: Maximilian Eggestein (rechts) gratuliert Johannes zum 1:0 gegen Hoffenheim. Bild: DPA | Uwe Anspach

Die kleinen Sticheleien seines Bruders Maximilian hatten wohl den nötigen Ansporn gebracht. "Er meinte vorher zu mir: 'Du bist jetzt mal dran, aufzuholen!'" Schließlich hatte Maximilian Eggestein seinen ersten Bundesligatreffer gegen Schalke 04 per Kopf erzielt, zudem auch auch mit dem linken und dem rechten Fuß schon ein Tor erzielt. "Mit dem Kopf hat es ja sofort geklappt", meinte Johannes Eggestein und musste grinsen. Kleine Rivalitäten unter Brüdern.

Und er ist längst auf bestem Wege, seinem großen Bruder nachzueifern, ihn bald einzuholen. 22 Einsätze hat er mit seinen 21 Jahren in dieser Saison schon bekommen, dabei vier Mal getroffen. Der kleine Eggestein ist flügge geworden und selbstbewusster. Doch zu Kopf steigt ihm der Rummel um ihn bisher nicht. Er sei nicht der Matchwinner gegen Hoffenheim gewesen, betonte er, "das Team war der ausschlaggebende Faktor – ich sehe uns alle als Matchwinner". Das kommt gut an, heißt aber nicht, dass er nicht genauso ehrgeizig wäre, wie alle aufstrebenden jungen Spieler. Vielleicht sogar noch ein bisschen mehr.

Chance auf Europa nicht mehr in der eigenen Hand

Johannes Eggestein will den Erfolg, doch er ist am Ende dieser Bundesliga-Saison auch Realist. Die Konstellation am kommenden Samstag gegen Leipzig, da könne man "nicht wirklich über eine Chance reden", meinte er. Sie müssten als Mannschaft ihr Soll erfüllen, fügte er hinzu, "und dann können wir nur noch hoffen, dass Hoffenheim und Wolfsburg Punkte lassen. Vielleicht ist dann eine kleine Chance da." Werder kann nur noch von Schwächen der Konkurrenz profitieren, wenn Europa noch klappen soll.

Ich glaube, man kann es gegen Leipzig nicht als richtiges Endspiel bezeichnen, weil wir es nicht mehr in der eigenen Hand haben. Natürlich müssen wir es gewinnen. Aber selbst wenn, kann es sein, dass ein Sieg nicht für Europa reicht.

Werder-Profi Johannes Eggestein
Johannes und Maximilian Eggestein bejubeln den Treffer für Werder gegen Hoffenheim.
Werders Erfolgsduo: Johannes (links) und Maximilian Eggestein. Bild: Imago | Kadir Caliskan

Wichtig sei vor allem "unseren Fans einen schönen Abschied" zu bereiten, sagte Johannes Eggestein, denn: "Auf unsere Fans ist immer Verlass." Andere Mannschaften fänden es immer "ekelig gegen uns zu spielen", fügte er mit einem verschmitzten Grinsen hinzu, eben wegen der bedingungslosen Unterstützung im Weser-Stadion. Doch vielleicht bleibt am Ende nicht mehr als eine rauschende grün-weiße Party ohne Happy End. Und Johannes Eggestein würde gerne in der Europa League spielen, keine Frage. Doch er hat noch Zeit. Er ist noch nicht 31 Jahre alt wie Max Kruse, dem die Zeit langsam etwas enteilt, um sich die Karrierewünsche noch zu erfüllen. "Für mich ist es wichtig, in der nächsten Saison viele Einsätze zu bekommen", sagte Johannes Eggestein: "Und das vor allem in der Bundesliga." Er will sich etablieren, Erfahrungen sammeln und natürlich zu seinem Bruder Maximilian aufschließen. Klappt es noch mit Europa, wäre das ein Bonus für ihn – aber kein zwingender.

Johannes Eggestein: "Auf unsere Fans können wir uns verlassen"

Johannes Eggestein applaudiert neben Niklas Moisander nach dem Spiel den Werder-Fans.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 12. Mai 19:30 Uhr