Gekommen, um zu bleiben? Toprak könnte Werders Glücksfall werden

Werder-Sportchef Frank Baumann bezeichnet den Transfer als einen seiner kompliziertesten. Dennoch könnte der BVB-Verteidiger genau das sein, was den Bremern gefehlt hat.

Ömer Toprak mit breitem Lächeln auf dem Weg zu seinem ersten Werder-Training.
Gut gelaunt am ersten Arbeitstag: Ömer Toprak wurde am Sonntag offiziell bei Werder vorgestellt und stieg sofort in den Trainingsbetrieb ein. Bild: Imago | Nordphoto

So recht wollte Ömer Toprak nicht mit der Sprache heraus, wie es denn nun genau zustande gekommen war, dass er von Borussia Dortmund zu Werder Bremen gewechselt war. Wie das tagelange Tauziehen zwischen den konkurrierenden Interessenten mal zur einen, mal zur anderen Seite ausgeschlagen war. Und wie das Hin und Her der vergangenen Woche schließlich beendet wurde.

Toprak schaute vielsagend hinüber zu Werders Sportchef Frank Baumann und sagte dann: "Werder hat sehr um mich gekämpft – das hat mir gefallen", meinte der 30 Jahre alte Verteidiger. Nun ist Toprak also in Bremen, für ein Jahr erst einmal von Dortmund ausgeliehen. Doch es ist gut möglich, dass der gebürtige Ravensburger gekommen ist, um zu bleiben.

Manchmal ist es einfach ein Bauchgefühl. Wenn man das Gefühl hat, die Verantwortlichen meinen es wirklich ehrlich und man im Gefühl hat, sie bemühen sich wirklich um einen – genau das Gefühl hatte und habe ich. Deswegen habe ich mich bewusst für Werder Bremen entschieden.

Werders Neuzugang Ömer Toprak über seine Entscheidung für den Verein

Achterbahn-Transfer für Baumann

Ömer Toprak erscheint gut gelaunt neben Frank Baumann zum ersten Fototermin.
Entspannte Mienen nach dem komplizierten Verhandlungsmarathon: Toprak (links) und Baumann (rechts). Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Hinter Baumann liegt dagegen eine äußerst schwierige Woche, eine chaotische Achterbahn der Gefühle quasi, bei der der Sportchef dauernd fürchten musste, bei voller Fahrt aus dem Looping geschleudert zu werden. Einer der kompliziertesten Transfers seiner Amtszeit sei das gewesen, deutete Baumann an und schien nicht zu übertreiben. Allein in den vergangenen sieben Tagen habe es mal morgens so ausgesehen, als sei man schon "sehr, sehr weit". Doch dann sah es nachmittags plötzlich nicht mehr danach aus, "als ob es überhaupt klappen würde" – und umgekehrt. "Ich würde nicht sagen, dass Ömers Transfer der schwierigste war", sagte Baumann: "Aber schon der mit den größten Schwankungen und Richtungsänderungen."

Kompliziert sei es gewesen, weil eben immer mehr als nur zwei Parteien bei solchen Verhandlungen mitsprechen. Doch nun hat sich Topraks Bauchgefühl für Werder entschieden. Für das Gesamtkonzept, für die Art Fußball im Stile eines Topklubs, den Trainer Kohfeldt so mutig spielen lässt. Und für dessen Handschrift, die Toprak klar erkennt und die ihm gefällt: "Ich hatte das Gefühl, dass es passen wird." Die leise Stimme in seinem Bauch hat entschieden und sie dürfte wohl deutlich nach Nuri Sahin klingen. Die beiden sind dicke Kumpels aus gemeinsamer Dortmunder Zeit und natürlich hatte sich Toprak bei ihm ein paar finale Tipps für seine Entscheidung geholt. "Nuri hat mir nur Positives erzählt und gesagt, dass es mir hier gefallen würde", erzählte Toprak: "Natürlich hat Nuri auch eine Rolle gespielt, er ist glücklich hier."

Päppelt Werder auch Toprak wieder auf?

Ömer Toprak dehnt sich bei seinem ersten Training neben seinen Mitspielern.
Am Sonntag nahm Ömer Toprak (Mitte) bereits an Werders Training der Reservisten teil. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

An die zuletzt trüberen Zeiten in Dortmund, als er nach Verletzungen nur noch zweite Wahl und oft Bankdrücker war, möchte Toprak nicht mehr denken. Er will nur noch nach vorne schauen, am liebsten sofort loslegen mit Werder, "Vollgas geben". Seine beste Leistung will er bringen, sich als Führungsspieler etablieren: "Dafür hat man mich schließlich geholt." Erfahrung hat er genug, in der Bundesliga bei Topvereinen und auf internationaler Bühne. Und wäre es in der vergangenen Saison sportlich nicht so schief in Dortmund gelaufen, wäre Toprak jetzt nicht in Bremen. Das wissen sie auch bei Werder. Doch es gehörte zu den Erfolgsjahren der jüngeren Vergangenheit bei Werder dazu, dass man gestrauchelte Leistungsträger wieder aufpäppelte oder verkannte Talente zur vollen Blüte führte. Valerien Ismael, Johan Micoud, Diego oder auch Ailton – sie alle erlebten ihre beste Zeit in Bremen.

Auch von Toprak dürften sie sich erhoffen, dass diese Saison eine Win-Win-Situation für beide Seiten wird. Dass sich Toprak von seinem kleinen Tief schnell erholt und an der Seite von Kapitän und Abwehrchef Niklas Moisander das neue starke Bollwerk der Bremer Defensive bilden wird. Und dass er dann eben nicht nach Dortmund zurückkehrt, sondern den Werder-Weg weiter mitgeht. "Wir stellen uns alle darauf ein, dass er über die Saison hinaus bei uns bleibt", betonte Baumann, es gibt offenbar eine "Kaufverpflichtung". Doch Papier ist geduldig in der Fußballbranche. Werder wird Toprak mit Taten überzeugen müssen, damit er sein Gastspiel tatsächlich verlängert. Beim Transfer ist den Bremern die Überzeugungsarbeit ja offenbar schon gelungen. "Man hat mich hier sehr herzlich willkommen geheißen", freute sich Toprak, "auch die Mannschaft. Alles ist sehr freundlich, sehr familiär". Gleich nach dem ersten Training nahm er sich schon viel Zeit für Selfies und Autogramme, war schnell mittendrin. Es schien, als wäre er wirklich gekommen, um zu bleiben.

Toprak schon mittendrin bei Werder

Neuzugang Ömer Toprak macht nach seinem ersten Werder-Training Selfies mit den Fans.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 11. August 2019, 19:30 Uhr