Auf nach Berlin – so liefen die 5 letzten Pokal-Halbfinals von Werder

Elfer-Drama, Wiese-Sprint, Schwalben-Festival: Im Kampf um den Einzug ins Endspiel des DFB-Pokals ging es bei den Bremern stets hoch her. Wir blicken zurück.

Werder-Torhüter Tim Wiese sprintet lachend über den Platz.
Im Pokal-Halbfinale 2009/10 schlug die große Stunde von Werder-Keeper Tim Wiese. Nach dem Spiel rannte der Bremer Goalie quer über den Platz in die Fankurve. Bild: DPA | Marcus Brandt

Endstation oder Pokal-Sensation? Für die Bremer geht es im DFB-Pokal-Halbfinale gegen RB Leipzig (Freitag, 20:30 Uhr, live in der ARD) um Alles oder Nichts. Entweder scheidet Werder aus – und Werder-Coach Florian Kohfeldt vielleicht auch aus seinem Amt – oder die Grün-Weißen fahren zum Endspiel nach Berlin. Zwar sind die Bremer krasser Außenseiter, doch bekanntlich schreibt der Pokal seine eigenen Gesetze – wie auch ein Blick in die grün-weiße Historie des Wettbewerbs zeigt. Wir schauen zurück auf die letzten fünf Partien, in denen Werder um den Einzug ins Pokalfinale kämpfte. Vorab sei verraten: Oft ging es dramatisch zu.

1 2004/05: Schalke 04 – Werder Bremen 7:6 (nach Elfmeterschießen)

Werder-Spieler Tim Borowski scheitert mit einem Strafstoß an Schalke-Keeper Frank Rost.
Im Halbfinal-Elfmeterschießen 2004/05 war kein Vorbeikommen an Schalke-Keeper Frank Rost. Auch Werder-Spieler Tim Borowski (rechts) scheiterte mit seinem Elfmeter. Bild: Imago | ActionPictures

Die Halbfinal-Partie zwischen den Bremern und Schalke war ein Aufeinandertreffen vieler alter Bekannter. So liefen bei den Gelsenkirchenern mit Frank Rost sowie den vor der Saison zu S04 gewechselten Ailton und Mladen Krstajic gleich drei Ex-Werderaner auf – und zwei von ihnen sollten noch eine besondere Rolle spielen. Bis zur Pause aber plätscherte die Partie vor sich hin. Erst nach dem Seitenwechsel näherten sich die Teams, vor allem die Schalker, dem gegnerischen Gehäuse an. Folgerichtig erzielte "Köngisblau" durch Torjäger Ebbe Sand nach einer guten Stunde die Führung. Fünf Minuten vor Schluss gelang jedoch den Grün-Weißen der umjubelte Ausgleich durch Verteidiger Valerien Ismaël.

Das Spiel musste in die Verlängerung, in der die Bremer schnell durch Tim Borowski in Front gingen (94. Minute). Doch die Freude hielt nur kurz: Zwei Zeigerumdrehungen später schoss ausgerechnet Ailton das 2:2. So kam es zum Elfmeterschießen, in dem Rost drei (!) Werder-Strafstöße parierte, bevor er den entscheidenden Elfmeter selbst verwandelte – und seinen Ex-Klub aus dem Pokal warf.

2 2008/2009: Hamburger SV – Werder Bremen 2:4 (nach Elfmeterschießen)

Vier Derbys in 19 Tagen – der Fußballgott meinte es im April 2009 gut mit den Anhängern von Werder und dem HSV. Das Aufeinandertreffen im Pokal-Halbfinale war das erste während der Festspiel-Wochen zwischen den Kontrahenten. Und es ging gut los für die Bremer: Schon nach elf Minuten drückte Per Mertesacker nach einer Parade von Keeper Rost, der inzwischen nach Hamburg gewechselt war, den Ball über die Linie. Die 1:0-Führung hielt aber nur eine knappe Stunde. Dann streckte HSV-Stürmer Ivica Olic den Schlappen hin und lenkt einen Schuss ins Bremer Tor.

Schließlich ging es in die Verlängerung, die Werder nach einer roten Karte gegen David Jarolim in Überzahl absolvierte. Ein Treffer sprang jedoch nicht mehr heraus, sodass die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel. Es war die Sternstunde von Werder-Keeper Tim Wiese: Der Publikumsliebling parierte drei Strafstöße und hievte die Grün-Weißen ins Endspiel. Unvergessen sein anschließender Sprint in die Werder-Kurve. Auch das folgende Endspiel gewannen die Bremer: Der 1:0-Erfolg gegen Bayer Leverkusen bedeutete den bislang letzten Titelgewinn der Vereinshistorie.

3 2009/10: Werder Bremen - Augsburg 2:0

Die Werder-Spieler Marko Marin, Claudi Pizarro und Hugo Almeida bejubeln einen Treffer.
Hatten im Halbfinale 2009/10 leichtes Spiel mit Augsburg: Werders Marko Marin (Links), Claudio Pizarro und Hugo Almeida. Bild: Imago | Sven Simon

Die Losfee meinte es in der anschließenden Saison gut mit den Bremern. Sie bescherte dem Bundesliga-Topklub ein Halbfinal-Duell mit dem FC Augsburg. Eine halbe Stunde lang bestürmte Werder erfolglos das Tor des Zweitligisten, dann schlug Marko Marin zu. Nach einem Doppelpass mit Mesut Özil schob der Neu-Bremer zur Führung ein. Fünf Minuten vor Spielende setzte Werder-Legende Claudio Pizarro mit dem 2:0 den Deckel drauf. Die Grün-Weißen zogen somit erneut ins Endspiel ein, wo sie aber mit einem deutlichen 0:4 dem Rekordsieger Bayern München unterlagen.

4 2015/16: Bayern München – Werder Bremen 2:0

Werder-Verteidiger Janek Sternberg schaut zu, wie Bayern-Spieler Arturo Vidal abspringt.
Bayern-Spieler Arturo Vidal (rotes Trikot) fliegt, Werder-Verteidiger Janek Sternberg (links) schaut ungläubig. Trotzdem gab es Elfmeter im Pokal-Halbfinale 2015/16. Bild: Imago | MIS

Auch im Halbfinale der Saison 2015/16 trafen die Bremer auf die Münchner. Mittlerweile gehörte Werder aber längst nicht mehr zu den Schwergewichten im deutschen Fußball, sondern kämpfte gegen den Abstieg. Die Rollen gegen das Team von Startrainer Pep Guardiola waren daher klar verteilt. Doch die Bremer hielten gut mit, gerieten allerdings nach einer halben Stunde durch einen Treffer von Bayern-Stürmer Thomas Müller in Rückstand.

Mitte der zweiten Halbzeit hatten die Bremer ihre beste Phase und drängten auf den Ausgleich. Aus dem Nichts kam jedoch Bayerns Arturo Vidal im Werder-Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Tobias Stieler zeigte auf den Punkt, obwohl Vidals Gegenspieler Janek Sternberger deutlich am Chilenen vorbeigegrätscht war. Den unberechtigten Strafstoß setze erneut Müller zum 2:0-Endstand in die Maschen.

5 2018/19: Werder Bremen – Bayern München 2:3

Auch in der ersten kompletten Saison von Werder-Trainer Kohfeldt schafften die Bremer den Einzug ins Pokal-Halbfinale. Und wieder einmal trafen sie auf die übermächtigen Bayern. Beide Teams gingen mit offenem Visier in die Partie, Chancen hüben wie drüben waren die Folge. In Führung gingen allerdings – wieder einmal – die Münchner nach einem Abstauber von Robert Lewandowski (36.). Als – wieder einmal – Müller nach einer knappen Stunde auf 2:0 erhöhte, schien die Partie entschieden. Doch Werder kämpfte.

Werder-Verteidiger Theodo Gebre Selassie im Zweikampf mit Bayern-Stürmer Kingsley Coman.
Lieferten sich im Halbfinale 2018/19 den entscheidenden Zweikampf des Spiels: Werders Theodor Gebre Selassie (links) und Bayern-Stürmer Kingsley Coman. Bild: Imago | MIS

Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff erzielte Yuya Osako den Anschlusstreffer. Noch bevor der Jubel im Weser-Stadion verklungen war, schloss Milot Rashica keine 60 Sekunden später ein Solo zum 2:2-Ausgleich ab. Werder schien obenauf, bekam aber gleich darauf die kalte Dusche: Bayern-Angreifer Kingsley Coman ging im Zweikampf gegen Theodor Gebre Selassie allzu leicht zu Boden, trotzdem zeigte Referee Daniel Siebert auf den Punkt. Den umstrittenen Strafstoß brachte Lewandowski im Werder-Kasten unter. Begraben waren die letzten Endspiel-Träume der Bremer.

Kohfeldt: "Bin in der Lage, solche Situationen zu bewältigen"

Video vom 30. April 2021
Florian Kohfeldt sitzt bei der Pressekonferenz vor dem Halbfinale im DFB- Pokal gegen Leipzig auf dem Podium.
Bild: Radio Bremen
Bild: Radio Bremen

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Autor

  • Helge Hommers Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 29. April 2021, 18:06 Uhr