Interview

Ex-Bremer Diekmeier: "Spiele gegen Werder bleiben für mich Derbys"

Was macht Ex-Werderaner und Sandhausen-Kapitän Dennis Diekmeier?

Video vom 22. Oktober 2021
Sandhausen-Spieler Dennis Diekmeier gibt seinen Mitspielern Instruktionen.
Bild: Imago | Pressefoto Baumann
Bild: Imago | Pressefoto Baumann

Am Sonntag trifft der Sandhausen-Kapitän auf seinen Ex-Klub aus Bremen. Wir haben mit Diekmeier über das Leiden mit Werder, die Tücken der 2. Liga und "Asi-Fußball" gesprochen.

Werder, der Hamburger SV und der 1. FC Nürnberg – gleich drei Vereine, für die Dennis Diekmeier in seiner Karriere aufgelaufen ist, mischen in der 2. Liga mit. Mit seinem aktuellen Verein, dem SV Sandhausen, läuft der 32-Jährige ebenfalls im Bundesliga-Unterhaus auf. Mehr noch: Der Rechtsverteidiger, der in der Werder-Jugend das Fußballspielen erlernte, ist sogar Kapitän der Baden-Württemberger, die sich momentan aber im Tabellenkeller befinden. Wenn Diekmeier am Sonntag mit seinem Team auf Werder trifft (13:30 Uhr), handelt es sich also um alles andere als eine gewöhnliche Partie für den gebürtigen Thedinghauser.

Herr Diekmeier, Sandhausen steht auf Relegationsrang 16, Werder auf Platz zehn – sind Sie überrascht, dass die Bremer nur Mittelmaß sind?
Die Tabelle sieht momentan schon etwas anders aus, als man sich das vorgestellt hat. Ich denke aber, dass sich das irgendwann einpendeln wird und die Topklubs da oben reinrutschen werden. Aber ich muss auch sagen: Werder und der Hamburger SV gehören für mich in die 1. Liga. 
In Bremen herrscht schon reichlich Unruhe, Werder hat gerade Niclas Füllkrug für drei Tage vom Training freigestellt. Inwieweit verfolgen Sie das?
Ich kenne das ja gerade auch aus Hamburg, einer Pressestadt, in der sich viele für Fußball interessieren. In Bremen, wo viele fußballbegeisterte Leute leben, ist das ähnlich. Dass irgendwann Druck reinkommt, ist klar. Die Fans wollen den direkten Wiederaufstieg und man hat mit dem Nordkonkurrenten aus Hamburg gesehen, dass es anders laufen kann, als man sich das vorgestellt hat. Und das wollen die Bremer auf keinen Fall. 
Wie haben Sie den Abstieg der Bremer wahrgenommen? 
Einerseits hat mir das natürlich leid getan, aber andererseits freue ich mich auf die Spiele gegen Werder. Ich bin ein Spieler, der sehr mit seinen Emotionen im Spiel abgeht, deswegen freue ich mich umso mehr auf diese Duelle. Für mich bleiben die Spiele gegen Werder einfach Derbys.
Sie haben als HSV-Profi den Niedergang eines Traditionsvereins mit dem Abstieg in die 2. Liga bereits erlebt. Ist es so eine harte Umgewöhnung, wie auch die Bremer Verantwortlichen immer wieder betonen?
Ich spiele jetzt seit drei Jahren in der 2. Liga, das ist einfach komplett anders als in der Bundesliga. Jeder kann jeden schlagen, was man auch bei den Ergebnissen sieht. Schon damals, als Bremen abgestiegen ist, habe ich gesagt, dass es kein Spaziergang sein wird, bis Werder wieder in der 1. Liga spielt. Die 2. Liga ist deutlich kampfbetonter, es wird viel mehr 'Asi-Fußball' gespielt – darauf muss man sich erst einmal einstellen.
Ex-Werderaner Dennis Diekmeier gibt seinen Mitspielern Anweisungen.
Insgesamt sechs Jahre lang lief Dennis Diekmeier im Werder-Dress auf. Bild: Imago | Ulmer
Mit Sandhausen kämpfen Sie wieder gegen den Abstieg. Wie gehen Sie damit um?
Sandhausen ist ein kleiner Verein, hier leben 15.000 Menschen. Das ist natürlich ganz anders als vorher in Hamburg, wo über eine Millionen Menschen wohnen. Hier herrscht ein ganz anderes Selbstverständnis. Momentan geht es für uns darum, aus dem Keller zu kommen. Jetzt wollen wir gegen Werder endlich mal wieder zu Hause einen Dreier holen. Seit ich hier bin, waren wir eine Heimmacht, das war unsere Stärke. Dass es hier eklig für die Gegner ist, da müssen wir wieder hinkommen.
Inwieweit steckt denn noch Werder in Ihnen? Oder ist das nach acht Jahren in Hamburg abhanden gekommen?
Bei meinen acht Jahren in Hamburg war jedes Spiel gegen Werder ein Highlight für mich. Die Derbys waren einfach die geilsten Spiele, auch weil ich ja aus Achim komme und meine Eltern dort immer noch leben. Ich habe auch noch viele Freunde in der Region. Deswegen würde ich mich auch mega freuen, wenn beide Vereine bald wieder erstklassig sind.
Wer gewinnt am Sonntag: Sandhausen oder Werder?
Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit aller Macht rocken werden. Wenn uns das gelingen würde, wäre das optimal. Wir brauchen endlich wieder einen Heimsieg – gerade auch für die Fans.

(Das Interview führte Niko Schleicher. Aufgezeichnet von Helge Hommers.)

Werder-Stürmer Füllkrug nach Suspendierung zurück im Training

Video vom 21. Oktober 2021
Werder-Stürmer Niclas Füllkrug nimmt beim Training einen Ball mit ausgestrecktem Bein an.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autor

  • Niko Schleicher Redakteur und Autor

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 22. Oktober 2021, 18:06 Uhr