Werder verteidigt so gut wie seit 6 Jahren nicht

Ihre neue Defensivstärke haben die Bremer vor allem Spielern zu verdanken, die lange Zeit außen vor waren – und überraschenden Wechseln des Trainers.

Jiri Pavlenka und Christian Groß beglückwünschen sich nach Werders Sieg auf Schalke
Hatten gut lachen nach dem Sieg auf Schalke: Werder-Keeper Jiri Pavlenka (links) und Christian Groß. Bild: Gumzmedia/Nordphoto/Pool | Andreas Gumz

Seit drei Spielen hat Werder kein Gegentor mehr kassiert. Eine solche Serie hatte es zuletzt vor sechs Jahren gegeben. Der Trainer damals: Robin Dutt. In der Innenverteidigung liefen Sebastian Prödl und Assani Lukimya auf, im Tor stand Raphael Wolf. Werder beendete die Saison auf dem zwölften Tabellenplatz. Bekanntlich liegt dieser in der laufenden Spielzeit, in der Werder bis zum Rückrundenauftakt auf das erste Zu-Null-Spiel warten musste, außer Reichweite. Dennoch sind die Grün-Weißen dank ihrer neu entdeckten Defensivstärke auf einem guten Weg, ihre Horror-Saison zu einem passablen Ende in Form des Klassenerhalts zu bringen. Großen Anteil daran hat der infolge der Corona-Pause gute Fitnesszustand des Teams.

Wir sind in der Lage, in allen Spielphasen nichts, aber auch gar nichts zurück zu halten. Wenn das Spiel 95 Minuten dauert, dann geben wir 95 Minuten Vollgas. Wir lassen kaum wirkliche Konter zu, das hat etwas mit Fitness zu tun.

Werder-Coach Florian Kohfeldt

Ein weiterer Grund für die Zu-Null-Serie ist die Breite des Kaders, vor allem in der Verteidigung. "Ich hab Alternativen, die Jungs von hinten drücken", so Kohfeldt. Beim 1:0-Auswärtserfolg gegen Schalke 04 fehlte etwa der zuletzt gesetzte Milos Veljkovic gelbgesperrt. Für ihn verteidigte Sebastian Langkamp, der bislang erst in drei Partien auf dem Platz gestanden und hierbei alles andere als eine gute Figur abgegeben hatte. Für seinen Einsatz sprachen sein "Positionsprofil, das Kopfballspiel, die Spieleröffnung", wie Werder-Coach Florian Kohfeldt nach dem Spiel erklärte.

Zwar sah Langkamp wegen eines taktischen Fouls schon nach 20 Minuten die gelbe Karte. Insgesamt stand er aber souverän. Ähnlich sah es sein Trainer: "Mein Vertrauen war da und das hat er sehr stark bestätigt." Dennoch sitzt der 32-Jährige im nächsten Spiel vermutlich wieder auf der Bank. So wie es gegen Schalke auch überraschend Christian Groß tat.

Kohfeldt scheut sich nicht vor Härtefällen

Im Spiel zuvor hatte Groß beim torlosen Remis gegen Gladbach als Vertreter des verletzten Kevin Vogt eine starke Leistung gezeigt. Und das, obwohl er zuvor kaum Spielzeit bekommen hatte. Viele rechneten damit, dass Kohfeldt auch gegen Schalke auf ihn vertrauen würde. Doch er brachte Groß erst in der Schlussminute. Werders Coach scheut sich also nicht vor so unerwarteten wie ungewöhnlichen Entscheidungen, selbst nicht vor Härtefallen. Bislang mit Erfolg. Auch, was sein Festhalten an Marco Friedl betrifft.

Niklas Moisander und Marco Friedl kämpfen um den Ball.
Seit drei Spielen ist die Werder-Defensive um Niklas Moisander (links) und Marco Friedl ohne Gegentor. Bild: Gumzmedia/Pool/Nordphoto | Andreas Gumz

Statt auf seiner Stammposition in der Innenverteidigung läuft der junge Österreicher aktuell hinten links auf. Also dort, wo er in der Vergangenheit immer nur als Aushilfe für Ludwig Augustinsson zum Einsatz kam und häufig alles andere als gut ausgesehen hatte. Das hat sich inzwischen geändert: Friedl überzeugt sowohl defensiv als auch offensiv. So sehr, dass selbst der eigentlich gesetzte Augustinsson trotz seiner Genesung zum Zuschauen verdammt ist. Zumindest bisher. Möglich, dass Werders Coach seine Defensive schon am Mittwoch gegen Eintracht Frankfurt wieder durcheinander würfelt. Zuzutrauen ist es ihm.

3 Gründe für Werders kleinen Aufschwung

Video vom 29. Mai 2020
Werder Bremen Trainer Florian Kohfeldt bei der Pressekonferenz.

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Autor

  • Helge Hommers

Dieses Thema im Programm: ARD, Sportschau, 30. Mai 2020, 19 Uhr