Was macht eigentlich Florian Kohfeldt?

Vor der Corona-Krise war der Werder-Coach omnipräsent, nun hat sich Kohfeldt zurückgezogen. Doch im Hintergrund arbeitet er weiter eifrig an der Mission Klassenerhalt.

Florian Kohfeldt steigt mit Handy am Ohr vor dem Weser-Stadion aus seinem Auto.
Immer erreichbar: Werder-Trainer Florian Kohfeldt verbringt während der Corona-Krise sehr viel Zeit am Telefon. Bild: Imago | Nordphoto

Es gibt in vielen Sportmagazinen eine beliebte, immer wiederkehrende Rubrik mit dem Titel "Was macht eigentlich...?" Dort werden dann ehemalige Spieler, Sportgrößen und Idole von einst porträtiert, von denen man lange nichts gehört und gesehen hat. In den Tagen der Corona-Krise könnte man auch Florian Kohfeldt diese Rubrik widmen. Denn der Werder-Trainer ist momentan von der Bildfläche verschwunden.

Und das ist einerseits schon ein wenig verwunderlich, schließlich stand Kohfeldt in den vergangenen Wochen und Monaten immer und überall in seiner verbindlich, eloquenten Art Rede und Antwort. Er moderierte die sportliche Bremer Krise so authentisch und geschliffen, dass Kohfeldt wie kein anderer das Gesicht des Vereins wurde. Doch nun schweigt der Trainer, hat sich zurückgezogen ins Homeoffice und kommt auch nur hin und wieder zum Weser-Stadion. Anfragen an ihn gäbe es genug, doch Kohfeldt schweigt ganz bewusst.

Vorerst kein Dauerfeuer mehr auf Kohfeldt

Florian Kohfeldt schließt auf dem Weg zu Arbeit eine Seitentür am Weser-Stadion auf.
Ungewohntes Arbeiten: Florian Kohfeldt verbringt die meiste Zeit im Homeoffice und kommt nur gelegentlich zum Weser-Stadion. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Diejenigen, die während der Corona-Krise nun medial den Klub repräsentieren, sind hauptsächlich Sportchef Frank Baumann, Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry und Präsident Hubertus Hess-Grunewald. Dass Kohfeldt momentan wenig Drang nach Öffentlichkeit hat, ist anderseits auch nachvollziehbar. Denn niemand stand in den vergangenen Monaten so sehr im Fokus wie er. Wann wird er endlich entlassen? Warum wird er nicht endlich entlassen? Wer könnte sein Nachfolger werden? Warum hält Werder weiter an ihm fest? Im ganzen Lande wurde hitzig über die Personalie Kohfeldt debattiert, darauf gewettet und jedes Wort von ihm seziert.

Kohfeldt kommt diese Zwangspause in der Bundesliga also zugute, und er nutzt sie. Sie verschafft ihm eine Atempause, eine Möglichkeit, die vergangenen Monate zu reflektieren. Dabei nach Gründen zu suchen, wie Werder auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschen konnte und Lösungen zu finden. Es sei "eine Gelegenheit für mich innezuhalten", wird Kohfeldt vom Internetportal "Deichstube" zitiert. Jahrelang hatte er bei Werder erst als Co-Trainer dann als Chefcoach durchgepowert, sich voll reingehängt und wenig Zeit gehabt, wirklich mal zu reflektieren und Abstand zu gewinnen.

Zeit, um Lösungen zu finden

Zeit, die Kohfeldt im Normalfall wohl erst nach der Saison gehabt hätte. Dann wäre über Abstieg oder Klassenerhalt aber schon entschieden gewesen. Nun kann sich der 37-Jährige ganz anders auf den stressigen Endspurt vorbereiten, falls dieser noch kommt. Ob und wann es mit dem Bundesligabetrieb weitergeht, weiß derzeit niemand. Doch sollte im Sommer wieder gespielt werden, könnte Kohfeldt möglicherweise durch seine Analysen jene Fehler ausgemerzt haben, die Werder in Schieflage gebracht hatten. Eine Garantie ist es natürlich nicht, denn die mangelnde Spielpraxis seiner Mannschaft kommt erschwerend hinzu.

Und auch wenn Kohfeldt die Öffentlichkeit meidet, ist er im Hintergrund doch weiterhin sehr aktiv. Und das per Telefon. Gespräche mit Sponsoren, Mitarbeitern, seinen 28 Spielern und noch einmal so vielen Betreuern - auch das ist ein Balanceakt für den Mann, der eigentlich sehr gerne kommuniziert. Nun muss Kohfeldt auf diesem Wege alle bei Laune halten und den Zusammenhalt stärken. "Jeder soll sich mitgenommen fühlen."

Ihm selbst aber fehlt das, was er an seinem Beruf so besonders liebt: Beim Training und im Spiel auf dem Platz zu stehen. Doch so lange die Corona-Krise andauert, geht die Gesundheit vor. Das akzeptiert Kohfeldt völlig und arrangiert sich wie alle anderen auch. Doch zum Schreibtischtäter ist er eben nicht geschaffen. Und so hofft er darauf, dass der Ball bald wieder rollt - denn der Gedanke, dass am Ende über Abstieg oder Klassenerhalt an irgendeinem Schreibtisch entschieden wird, behagt Kohfeldt überhaupt nicht.

Wie will Werder Bremen die Corona-Krise durchstehen?

Video vom 26. März 2020
Eine Drohnenaufnahme des leeren Bremer Weserstadions.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 29. März 2020, 19:30 Uhr