Norddeutsch-gelassen: Coach Werner macht Werder-Profis keinen Vorwurf

Werder-Trainer Ole Werner schaut auf dem Weg zum Trainingsplatz auf seine Armbanduhr.
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Ole Werner muss komplett umplanen: Training in Bremen statt Spanien, U23-Spieler müssen die vielen Corona-Ausfälle kompensieren. Doch der Coach bleibt ganz gelassen.

Ole Werner scheint so schnell nichts aus der Ruhe zu bringen. Das bringt seine norddeutsch-nüchterne Art wohl so mit sich, die der 33-jährige Werder-Coach bei sich ausgemacht hat. Absage in letzter Minute? Kein Problem für Werner. Dann findet das Trainingslager eben in Bremen und nicht in Spanien statt, sagt er trocken.

Wir werden das Beste aus der Situation machen. Ich sehe jetzt nicht das ganz große Drama.

Werder-Trainer Ole Werner

Seine Spieler besser kennenzulernen, näher an die Mannschaft heranzurücken mit Gesprächen und Teambuilding-Maßnahmen, wie es so schön neudeutsch heißt, war eigentlich der Plan für den neuen Coach. Das fällt nun in den kommenden zwei Wochen aus. "Die Inhalte, die wir für das Trainingslager in Spanien geplant hatten, können wir auch hier umsetzen", sagt Werner, "aber schwerwiegender ist, dass uns Spieler fehlen."

Werder-Trainer Werner: "Werden das Beste aus der Situation machen"

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Wer kompensiert Corona-Ausfälle am besten?

Corona hat auch Werder Bremen fest im Griff. Niclas Füllkrug, Manuel Mbom, Milos Veljkovic und Marco Friedl waren am Sonntag positiv getestet worden, ebenso wie Reha-Trainer Marcel Abanoz. Sie befinden sich wie Mitchell Weiser in Quarantäne, bei dem es vor Weihnachten einen positiven Test gegeben hatte.

Werner muss seine Trainingsgruppe nun für längere Zeit mit Spielern aus der U23-Mannschaft auffüllen. Ideal ist das nicht. Aber ums Auffüllen wird es in der nächsten Zeit nach Meinung von Werner immer wieder gehen. "Das Thema Corona verfolgt uns wie den Rest der Gesellschaft und es wird uns nicht in zwei Wochen verlassen", sagt Werner. Und in der Liga wird der Erfolg in der Rückrunde auch mit davon abhängen, "welche Mannschaft es schafft, Corona-Ausfälle immer wieder zu kompensieren", so der Coach.

Auch Werner hat kein Problem mit Urlaubsreisen

Er habe seine Spieler sensibilisiert, dass das der Schlüssel für Werder sei, sagt Werner. Doch es ist fraglich, inwieweit die Profis diese Ansprache wirklich verinnerlichen. Hatten sich einige von ihnen doch auf Urlaubsreisen infiziert, die ein erhöhtes Infektionsrisiko bergen.

Sportchef Frank Baumann hatte die Reisen verteidigt, schließlich bräuchten die Profis Urlaub und Erholung. Und auch Werner betont, dass es egal sei, wo sich die Spieler aufgehalten hätten, denn "momentan steckt man sich in allen Lebenslagen an".

Wir haben Fälle gehabt, die teilweise im Urlaub entstanden, in Bremen, in Deutschland, im europäischen Ausland – das kann man nicht über einen Kamm scheren und sagen: 'Wenn alle in Bremen geblieben wären, hätten wir keine Fälle'. Das halte ich nicht für seriös.

Werder-Trainer Ole Werner

Es ginge einzig um das Verhalten der Einzelnen und um die Größe der Gruppen, in denen sie sich bewegen, fügt Werner hinzu. Erfahrung mit Corona hat er, als Trainer in Kiel war er seinerzeit von zahlreichen Fällen betroffen, die den Klub am Ende wohl den Aufstieg kosteten. "Wenn mich die letzten zwei Jahre etwas gelehrt haben, dann, dass man immer eine große Flexibilität haben muss." Bremen statt Spanien, U23-Jünglinge statt Stammspielern – für Ole Werner nichts, das ihn aus der Ruhe bringt.

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Dieses Thema im Programm: Bremen Eins, Rundschau, 3. Januar 2022, 16 Uhr