Kohfeldt hat die Werder-Krise nicht vergessen: "Tabelle ist nicht weg"

Auch für die Werder-Profis überschattet die Corona-Pandemie derzeit alles. Trotzdem stehen sie sportlich weiter mit dem Rücken zur Wand. Ein Kraftakt für den Coach.

Video vom 8. April 2020
Durch einen Zaun ist eine eine kleine Gruppe Werder-Spieler auf einem Trainigsplatz zu sehen.
Bild: Radio Bremen

Florian Kohfeldt hatte sich rar gemacht in den vergangenen Wochen. Er, der eigentlich das Gesicht von Werder Bremen ist, war aus der Öffentlichkeit abgetaucht und hatte anderen im Verein das Feld überlassen.

Man soll nur "dann reden, wenn man etwas zu sagen hat", sagte Kohfeldt nun am Mittwoch via "Werder-TV". Und betonte, dass es ihm "unangemessen" vorgekommen sei, sich in der jetzigen Situation in den Vordergrund zu drängen. Um über Werders sportliche Entwicklung zu sprechen, habe er sich bisher gerne gestellt, sagte Kohfeldt. Nun aber seien Politiker und Experten die richtigen Ansprechpartner.

"Vielleicht können wir Teil der Lösung sein"

Florian Kohfeldt geht vor dem Stadion mit kleinen Hütchen in der Hand und Abstand an Woltemade und Goller vorbei.
Training mit Einschränkungen: Florian Kohfeldt (Mitte) nahm eine Vierergruppe am Mittwoch mit ins Weser-Stadion, die andere Gruppe arbeitete auf Platz 11. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Überhaupt bemühte sich Kohfeldt sehr, bei jeder Äußerung herauszustellen, dass er und der gesamte Verein und der Fußball an sich "sich jetzt nicht zu wichtig nehmen" dürften und es auch nicht tun würden. Er habe "vollstes Bewusstsein für die Gesamtsituation", fügte Kohfeldt mehrfach hinzu. Fast schon entschuldigend, dass er in Zeiten der Corona-Pandemie über Fußball spricht. Doch als trivial wollte er seine Profession, die Aufgabe des Profi-Fußballs, der weltweit so vielen Menschen Freude bereite, dann doch nicht hinstellen.

Jedem ist klar, dass es jetzt viel wichtiger ist, dass wir die gesellschaftliche Herausforderung bewältigen. Die gesundheitliche, wirtschaftliche und soziale Herausforderung in allen Bereichen. Vielleicht können wir mit unserem Bundesligabetrieb aber in gewisser Weise ein Teil der Lösung sein, um gewisse Normalitäten wieder herzustellen.

Werder-Coach Florian Kohfeldt bei "Werder-TV"

Seit Dienstag herrscht für Kohfeldt und seine Mannschaft wieder ein Hauch von Normalität, unter strengen Auflagen ist Kleingruppen-Trainining ohne Körperkontakt erlaubt. "Wir reden hier nicht vom Idealzustand und den fordere ich auch nicht ein", sagte Kohfeldt. Doch für seine Spieler sei es eben enorm wichtig, einfach wieder "den Ball am Fuß zu haben". Auch in dieser limitierten Form sei es ihnen nun möglich, an technischen und taktischen Grundlagen zu arbeiten, Pässe zu spielen, Torabschlüsse zu üben und auch das Fitnesslevel zu heben.

Vorbereitung auf Tag X – aber wann ist der?

Pizarro, Klaassen, Moisander und Friedl gehen mit viel Abstand nebeneinander vom Trainingsplatz.
Alles mit Abstand: Für die Werder-Profis geht es seit Dienstag nur in Vierergruppen auf den Trainingsplatz. Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

Das alles könne man in den eigenen vier Wänden eben nicht üben. Kohfeldt muss seine Mannschaft auf den Tag X vorbereiten, den es noch nicht gibt. Wann und ob Bundesligasaison weitergeht, weiß derzeit niemand. Doch Werder muss davon ausgehen, denn am grünen Tisch wäre der Tabellen-17. abgestiegen. Bei aller Sorge um die Pandemie ist die sportliche Realität der Bremer dieselbe geblieben.

Zum Ende der bisherigen Saison waren wir in einer sehr negativen Situation. Die Tabelle ist nicht weg - aber was weg ist, sind diese Gedanken und das unmittelbar Belastete. Dass man keine Zeit hatte, mal ein bisschen loszulassen. Das war jetzt natürlich alles möglich. Trotzdem weiß keiner, was dann passiert, wenn es wieder losgeht. Niemand hat je so eine Vorbereitung gemacht, je so eine Phase durchlebt.

Werder-Coach Florian Kohfeldt bei "Werder-TV"

Ob dieser Neustart eine Chance oder Risiko für Werder ist, vermochte Kohfeldt daher nicht einzuschätzen. Training im luftleeren Raum, Vorbereitung ohne Freundschaftsspiele, ohne Trainingslager und ohne Wettkampfpraxis sind einfach zu viele Unbekannte. Doch Werder hat zumindest Zeit gewonnen, damit die vielen Verletzten regenerieren können und um die mentale Verkrampfung vielleicht zu lösen. "Es könnte eher eine Chance sein", sagte Kohfeldt: "Aber wissen wird man es erst, wenn die Spiele gespielt sind."

So geht Werder-Training heute: mit viel Abstand

Video vom 7. April 2020
Benjamin Goller und Milot Rashica gehen mit zwei Metern Abstand zwischen sich zum Trainingsplatz.
Bild: Gumzmedia | Andreas Gumz

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Autorin

  • Petra Philippsen Redakteurin und Moderatorin und Autorin

Dieses Thema im Programm: Sportblitz, 8. April 2020, 18:06 Uhr