Die Corona-Krise zwingt Werder in die Verschuldung

Keine Spiele, weniger Sponsoren: Werder ist in finanzielle Schieflage geraten und kann nach eigenen Angaben nur durch einen KfW-Kredit die Liquidität bis zum frühen Herbst sichern.

Klaus Filbry stützt auf dem Podium der Mitgliederversammlung nachdenklich das Gesicht auf die Hände.
Sieht schwierigen Zeiten mit Werder entgegen: Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Eigentlich sah es am Donnerstag danach aus, als könnte Werder Bremen – wie auch die übrigen Bundesliga-Klubs – erst einmal aufatmen. Die vierte Rate der TV-Gelder war gezahlt worden, das sollte die akutesten finanziellen Sorgen lindern. Doch gereicht hatte das nicht, wie Werders Geschäftsführer Finanzen, Klaus Filbry, am Freitag in einer Medienrunde eingestand. Nur ein Viertel der TV-Gelder wurde zunächst gezahlt – sollte die Saison nicht zu Ende gespielt werden können, müssten diese Gelder rückerstattet werden.

"Liquiditätsmäßig bis zum Frühherbst abgesichert"

Einige Sponsoren hat der Verein während der Corona-Pandemie verloren, Ticketeinahmen gibt es nicht. Für Werder reicht es so finanziell nicht bis in den Herbst – die Hanseaten müssen sich nun verschulden, um den Laden am Laufen zu halten.

Liquiditätsmäßig sind wir bis zum Frühherbst abgesichert. Das heißt allerdings erstmals, dass wir Schulden aufnehmen müssen. Wir arbeiten gerade an einem KfW-Kredit, weil es anders nicht zu leisten ist. Da sind wir in der Liga in guter Gesellschaft, aber für uns ist das ein Novum. Wir sind auch für den Worst Case durchfinanziert und machen hier morgen nicht die Lichter aus.

Werders Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry

Zum ersten Mal seit Werder Bremen die Profiabteilung im Jahr 2003 ausgliederte, muss der Verein nun Geld aufnehmen – offenbar handelt es sich um eine zweistellige Millionensumme. Die Finanzierung des Umbaus des Weser-Stadions erfolgte seinerzeit über die "Bremer Weser-Stadion GmbH", an der der Klub und die Stadt Bremer jeweils 50 Prozent halten. Die Spieler hatten im Zuge der Corona-Krise zwar jüngst auf einen Anteil ihrer Gehälter verzichtet, doch auch das war zu wenig, um Werder zu retten. Sogar 50 Prozent Gehaltsverzicht hätte nicht gereicht, betonte Filbry am Freitag, dann hätte der Klub immer noch "eine signifikante finanzielle Schieflage". Ohne fremde Hilfe geht es nicht. "Wir tun alles in unserer Macht stehende, um uns zu retten."

"Dann gibt es die Bundesliga nicht mehr"

Gelingen kann das wohl nur, wenn wieder gespielt wird – auch vor leeren Rängen und mit vielen vielen Corona-Tests für die Spieler. Bei einem Großteil der Bevölkerung kommt das nicht gut an. Es hagelt Kritik, dass der Fußball eine Sonderstellung für sich in der Pandemie beanspruchen würde. "Wir sind ja auch nicht taub", sagte Filbry: "Wir nehmen natürlich auch die gesellschaftliche Kritik am Fußball wahr und der stellen wir uns."

Auch ist der Finanzchef sicher, dass man nach der Krise über "das Gesamtsystem nachdenken" müsse. Doch eben nicht jetzt, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Da kann Filbry wie auch die übrigen 35 Profi-Klubs nur darauf hoffen, dass die Politik bald grünes Licht für die Geisterspiele gibt. Andernfalls ginge dann auch bei Werder mittelfristig das Licht aus.

Nicht zu spielen, würde die Bundesliga am Ende des Tages nicht überleben. Christian Seifert hat es schon gesagt: Wenn wir bis im Herbst nicht mehr spielen, gibt es die Bundesliga in dieser Form nicht mehr.

Werders Geschäftsführer Finanzen Klaus Filbry

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Video vom 24. April 2020
Stephan Schiffner steht als Experte neben Moderator Felix Krömer im buten un binnen Studio.

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Autorin

  • Petra Philippsen

Dieses Thema im Programm: buten un binnen, 24. April 2020, 19:30 Uhr