Rückrunden-Vorschau: Werder und Kohfeldt droht der Total-Absturz

Die Bremer starteten mit großen Ambitionen, kämpfen aber nur noch um das blanke Überleben. Auch der makellose Ruf von Trainer Kohfeldt hat ein paar Kratzer abbekommen.

Florian Kohfeldt hält sich die Hände vor das Gesicht.
Die Hinrunde war für Werder ein einziges Desaster. Für die Bremer geht es einzig und allein noch um den Klassenerhalt – und für Florian Kohfeldt zugleich um seinen guten Ruf. Bild: Imago | Nordphoto

So lief die Hinrunde:

Werder startete mit großen Ambitionen und gab trotz des Abgangs von Kapitän und Ausnahmespieler Max Kruse erneut Europa als Saisonziel aus. Die Hinserie entpuppte sich allerdings als Fiasko. Langsam, aber stetig rutschten die vom Verletzungspech gebeutelten Bremer in den Tabellenkeller ab. Nicht ein einziges Mal spielten sie dabei zu null, 41 Gegentore bedeuten die schlechteste Defensive der Liga. Dennoch wollte bei Werder lange niemand etwas vom Abstiegskampf wissen. "Ich finde, wir sind zu stark für den Abstiegskampf", sagte Davy Klaassen noch im November. Auch Trainer Florian Kohfeldt und Sportchef Frank Baumann mieden das Wort lange wie der Teufel das Weihwasser.

Jiri Pavlenka liegt bei der 0:5-Niederlage gegen Mainz 05 im Bremer Tor.
Die 0:5-Heimpleite gegen Mainz 05 war der traurige Höhepunkt einer desaströsen Hinrunde von Werder. Bild: Imago | Claus Bergmann

Spätestens kurz vor Weihnachten aber wachten auch die kühnsten Optimisten auf. Bei der 1:6-Niederlage in München fiel die Mannschaft erstmals unter Kohfeldt völlig auseinander. Drei Tage später führte Mainz 05 die Bremer bei der 0:5-Klatsche im Weser-Stadion vor. In der letzten Partie der Hinrunde bot Werder bei der 0:1-Pleite in Köln über weite Strecken Angsthasenfußball. Durch die fatalen letzten drei Spiele rutschten die Bremer auf den 17. Tabellenplatz ab.

Immerhin: Mittlerweile zweifelt an der Weser niemand mehr daran, dass der Klub tief im Abstiegskampf steckt.

Wer kommt, wer geht:

Bestenfalls zwei neue Spieler sollen im Winter kommen. "Konkrete Ideen" habe man, erklärt Baumann. Umsetzen konnte der Sportchef von diesen bisher allerdings nur eine: Für die Rückrunde hat Werder Kevin Vogt von der TSG Hoffenheim ausgeliehen. Der 28-Jährige ist für das Abwehrzentrum in der neu einstudierten Dreierkette eingeplant, kann aber auch im defensiven Mittelfeld spielen. Er soll im Abstiegskampf vorangehen und dürfte sich als Sofort-Verstärkung erweisen.

Kevin Vogt während eines Bundesliga-Spiels im Trikot der TSG Hoffenheim
Verstärkung für die Defensive: Aus Hoffenheim hat Werder Kevin Vogt ausgeliehen. Bild: Imago | eu-images

Michael Gregoritsch, Werders Wunschspieler im vergangenen Sommer, ist derweil mittlerweile auf Leihbasis vom FC Augsburg zu Schalke 04 gewechselt. Auch Eduard Löwen kommt nicht in den Norden. Der zentrale Mittelfeldspieler von Hertha BSC hat sich für ein Leihgeschäft mit den Augsburgern entschieden. Gerüchte rankten sich um eine Rückkehr von Verteidiger Jannik Vestergaard, der beim FC Southhampton nur noch Reservist ist. Durch die Verpflichtung von Vogt dürfte sich dieses Thema erledigt haben.

Fix scheint bereits der erste Deal für den Sommer zu sein: Der 20-jährige Linksverteidiger Felix Agu soll vom VfL Osnabrück an die Weser kommen, ist aber natürlich keine Soforthilfe.

Verlassen könnte den Klub im Winter noch Sebastian Langkamp. Der 31-jährige Innenverteidiger spielt in den Planungen kaum noch eine Rolle. Gehen soll auch Rechtsverteidiger Felix Bejimo. Der Schwede war bis zum Jahresende an Malmö FF aus Schweden ausgeliehen und befindet sich aktuell auf Klubsuche.

Der Trainer:

Kohfeldt galt im Sommer noch als einer der Shooting-Stars unter den jungen Trainern in Deutschland. Selbst als Kandidat bei Borussia Dortmund wurde er ins Spiel gebracht. Durch den Bremer Absturz hat aber auch sein Ruf einige Kratzer abbekommen. Sein Job ist aber dennoch nicht in Gefahr, Kohfeldt hat sich an der Weser viel Kredit erarbeitet und genießt das volle Vertrauen der Klub-Verantwortlichen. Sie sind sicher, mit ihrem Hoffnungsträger die Kurve zu bekommen. Der 37-Jährige denkt zugleich gar nicht daran, selbst hinzuwerfen. Nach der Winterpause geht er die Rückrunde mit neuem Elan an.

Ich habe gute Energie gesammelt, viel geschlafen, ein bisschen Abstand gewonnen, die Hinrunde etwas sacken lassen und ganz viel Lust auf die Rückrunde gewonnen, um allen zu zeigen, dass das nicht unser wahres Gesicht war.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt zu Beginn der Wintervorbereitung

Abzuwarten bleibt, wie sich das Verhältnis zur Mannschaft entwickelt. Nach der Klatsche gegen Mainz zählte er diese bereits öffentlich an. Oftmals ist dies die letzte Patrone eines Trainers. Während des Trainingslagers auf Mallorca ging dieser lautstark voran, um das Thema Abstiegskampf in die Köpfe seiner Spieler zu bekommen. Von einem Bruch zwischen ihm und dem Team war aber nichts erkennbar.

Erwartungen an die Rückrunde:

Für Werder geht es einzig und allen um das blanke Überleben. Damit der Klassenerhalt klappt, brauchen die Bremer einen guten Start in die Rückserie. Vor allem gegen die Konkurrenz aus dem Tabellenkeller muss Werder fleißig punkten. Direkt zum Auftakt steht dabei mit dem Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf (Tabellenplatz 16) eine echte Sechs-Punkte-Partie an. Auf Werder wartet ein Kraftakt, um nach 1980 den zweiten Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern. Kohfeldt ist vorbereitet und hat zwei Szenarien für den Rückrundenstart im Kopf.

Erstens: Wir starten in die Rückrunde, gewinnen ein, zwei Spiele. Man hat das Gefühl, es kommt was ins Laufen. Wichtig ist, dass dann alle wissen: 'Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.' Nicht, dass wir in so eine Scheinsicherheit kommen. Oder zweitens: Wir verlieren in Düsseldorf. Das kann passieren. Dann ist wichtig, dass trotzdem keiner Panik kriegt. Dass wir weiter an den Weg glauben, weitermachen – und mit dem Rückschlag umgehen.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem Trainingslager

Deshalb kann Kevin Vogt Werder helfen

Kevin Vogt auf der Tribüne bei Werder Bremen sitzend.

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Autor

  • Karsten Lübben

Dieses Thema im Programm: buten un binnen mit Sportblitz, 12. Januar 2020, 19:30 Uhr